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Airlines sparen Geld wegen Abnehmpillen
In der Luftfahrtindustrie zählt jedes Gramm. Seit Jahrzehnten feilen Ingenieure und Logistiker an Strategien, um Flugzeuge leichter zu machen: von der Entfernung der Kerne aus Oliven im Board-Catering bis hin zur Verwendung von ultraleichtem Papier für Bordmagazine. Doch eine aktuelle Analyse des Finanzhauses Jefferies deutet nun darauf hin, dass der entscheidende Impuls für mehr Effizienz nicht aus der Werkstatt, sondern aus der Pharmaindustrie kommen könnte.
Der Siegeszug der sogenannten GLP-1-Medikamente, bekannt durch Markennamen wie Wegovy oder Zepbound, hat die USA bereits nachhaltig verändert. Mit der Einführung der Wirkstoffe in praktischer Tablettenform – die die bisher notwendigen Injektionen ersetzt – erwarten Analysten einen weiteren sprunghaften Anstieg der Nutzerzahlen.
Die Logik der Analysten ist simpel: Eine schlankere Gesellschaft bedeutet leichtere Flugzeuge. Da Treibstoff direkt proportional zum transportierten Gewicht verbraucht wird, führt jedes verlorene Kilo der Passagiere zu einer Entlastung der Konzernbilanzen.
Die Zahlen hinter dem Phänomen
«Fluggesellschaften haben eine lange Tradition darin, nach einzigartigen Methoden zu suchen, um das Gewicht der Flugzeuge zu reduzieren. Nun könnte der medizinische Fortschritt diese Arbeit für sie erledigen», heisst es im Bericht von Jefferies. Wie massiv die Auswirkungen sein könnten, verdeutlicht die Investmentbank an einem Rechenbeispiel für eine Boeing 737 Max 8:
- Gewichtsreduktion: Sinkt das Durchschnittsgewicht eines Passagiers um 10 % (ausgehend von ca. 81 kg), reduziert sich das Gesamtgewicht der Passagierkabine um rund 1450 kg.
- Gesamtgewicht: Dies entspricht etwa 2 % des maximalen Startgewichts des Flugzeugs.
- Treibstoff-Effizienz: Eine solche Gewichtsabnahme könnte die Treibstoffeffizienz um 1,5 % verbessern.
In der Summe ergibt das für die vier grossen US-Airlines (Delta, American, United und Southwest) ein enormes Einsparungspotenzial. Bei prognostizierten Treibstoffkosten von insgesamt 38,6 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr entspräche eine Effizienzsteigerung von 1,5 % einer Ersparnis von rund 579 Millionen US-Dollar.
Von der Injektion zur Tablette
Bisher waren Hürden wie die Selbstinjektion für viele Patienten abschreckend. Doch das Blatt wendet sich: Die Wegovy-Pille von Novo Nordisk ist bereits verfügbar, und das Konkurrenzprodukt von Eli Lilly steht kurz vor der FDA-Zulassung. Laut Jefferies haben die Injektionspräparate seit 2022 bereits dazu beigetragen, dass die Zahl der übergewichtigen Erwachsenen in den USA um 7,6 Millionen gesunken ist.
Trotz der euphorischen Prognosen erlaubten sich die Analysten am Ende ihres Berichts einen humorvollen Seitenhieb auf die veränderten Konsumgewohnheiten der nun schlankeren Passagiere: Die berechneten Einsparungen gelten demnach nur unter Vorbehalt – etwaige Umsatzeinbussen beim Verkauf von kalorienreichen Snacks an Bord sind in dem Modell noch nicht berücksichtigt.