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Die Revo Hospitality Group betreibt 250 Hotels in zwölf europäischen Ländern. Bild: RHG

Revo Hospitality Group flüchtet in die Eigenverwaltung

Nach einer Expansionswelle steckt Europas grösster White-Label-Hotelbetreiber in der Krise. Die Revo Hospitality Group hat für rund 140 Gesellschaften Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt, während technische Sperren und prominente Abgänge das Ausmass der Schieflage verdeutlichen.

Die Berliner Revo Hospitality Group, bis 2025 noch unter dem Namen HR Group bekannt, hat am 16. Januar 2026 beim Amtsgericht Charlottenburg Insolvenzanträge gestellt. Betroffen sind rund 140 Gesellschaften des Konzerns, der mit 250 Hotels in zwölf Ländern und einem Jahresumsatz von 1,3 Milliarden Euro als einer der mächtigsten Akteure im europäischen Beherbergungsmarkt gilt.

Bereits Tage vor dem offiziellen Gang zum Insolvenzgericht gab es deutliche Warnsignale. Zahlreiche Häuser der Marken Mercure, Mövenpick und Pullman waren plötzlich nicht mehr über die Reservierungssysteme des Partners Accor oder grosse Buchungsportale wie Booking verfügbar, wie «hotelvor9.de» schreibt. Während Hotels ausserhalb Deutschlands und die Ibis-Häuser buchbar blieben, deutete die digitale Isolation der Kernmarken bereits auf tiefgreifende Konflikte und Zahlungsschwierigkeiten hin. Inzwischen sind die Systeme zwar wieder geöffnet, doch das Vertrauen der Branche ist erschüttert.

Die Gefahren des Turbo-Wachstums

Die Ursachen für den Absturz liegen paradoxerweise im Erfolg der vergangenen Jahre. Seit 2008 wuchs das Unternehmen von einem einzelnen Hotel in Leipzig auf ein Imperium an. Allein zwischen 2023 und 2025 schluckte Revo die Success Hotel Group, die Amedia Hotel Group, das Portfolio der Centro Hotels sowie die traditionsreiche H-Hotels-Gruppe.

Dieses Wachstum im Eiltempo forderte seinen Tribut:

  • Strukturelle Probleme: Die Integration zahlreicher Zukäufe führte zu komplexen Doppelstrukturen.
  • Kostendruck: Massive Steigerungen bei Löhnen, Mieten, Energie und Lebensmitteln belasteten die Margen.
  • Umsatzlücken: Entgegen den Prognosen blieben die Übernachtungszahlen hinter den Erwartungen zurück; die geplanten Ziele für 2025 wurden verfehlt.

Führungskrise und Immobilien-Brennpunkte

Neben den finanziellen Sorgen verzeichnet die Gruppe personelle Verluste. COO Jonathan Mills hat das Unternehmen verlassen, was die Führungsebene in einer kritischen Phase schwächt. Auch bei den Immobilien selbst brodelt es: Für das prestigeträchtige Pullman Schweizerhof in Berlin plant der Eigentümer Union Investment bereits den Verkauf.

Trotz des Insolvenzverfahrens soll der Betrieb in den rund 125 betroffenen Hotels in Deutschland und Österreich zunächst weiterlaufen. Die rund 5500 Mitarbeiter erhalten vorerst Insolvenzgeld über die deutschhe Agentur für Arbeit.

Die Führung haben nun die Sanierungsexperten Gordon Geiser und Benedikt de Bruyn von der Kanzlei GT Restructuring übernommen. Ihr Ziel ist klar definiert: Die Gruppe soll stabilisiert und bis zum Sommer an internationale Investoren übertragen werden. Ob dies gelingt, ohne dass Partner, Vermieter und Lieferanten auf Forderungen in Millionenhöhe sitzen bleiben, bleibt abzuwarten. Bei einer in Eigenverwaltungen üblichen Quote von etwa 15 Prozent drohen den Gläubigern erhebliche Verluste.

(TN)