Here & There

Die schönste Alternative zu einem Strandhotel in Ischia: Im Faro Punta Imperatore hat man einen atemberaubenden Ausblick auf die Pontinischen Inseln. Bilder: Werner Bauer, Giuseppe Greco

Ein Hideaway über den Klippen von Ischia

Ralf Stephan

Die kleine Insel Ischia im Golf von Neapel ist besonders für ihre Thermen, Wellness und Erholung bekannt. Hoch über den Klippen im Westen der Insel, nahe Forio, markiert der Faro Punta Imperatore einen Rückzugsort der besonderen Art.

Ischia kann laut sein, lebendig, manchmal fast ein wenig zu beliebt. Thermalbäder, Strandclubs, Hotels mit Pool und Meerblick: schön, aber eben auch erwartbar. Wer auf der grünen Insel im Golf von Neapel nach einer besonderen Alternative sucht, findet sie ganz im Westen: hoch über den Klippen von Forio thront der Faro Punta Imperatore, ein Sehnsuchtsort, der sich bewusst vom klassischen Ischia-Erlebnis absetzt.

Der weisse, kubusförmige Leuchtturm scheint über dem Meer zu schweben. Man ist Auge in Auge mit den Möwen, der Blick reicht weit hinaus über das tiefblaue Wasser bis zu den Pontinischen Inseln, an klaren Tagen sogar bis Ponza. Wenn abends das Spiegellicht – seit über 100 Jahren unverändert – alle 15 Sekunden über Meer und Fels streicht, versteht man, warum dieser Ort Seefahrer wie Reisende gleichermassen fasziniert.

Gerade einmal vier Zimmer gibt es in dem Gebäude, in dem früher die Leuchtturmwärter mit ihren Familien lebten. Eine besondere Geschichte gehört zu diesem Ort: In den 1930er-Jahren arbeitete hier Lucia Capuano, die erste Leuchtturmwärterin Italiens. Nach dem Tod ihres Mannes sollte sie den Turm mit ihren sieben Kindern verlassen. Doch sie weigerte sich, kämpfte um den Job und blieb. Heute ist das Leuchtfeuer automatisiert, der Geist dieser aussergewöhnlichen Frau scheint noch immer präsent.

Das Zimmer «Grecale» gibt es ab einem Preis von 490 Euro pro Nacht.

Auch die Anreise macht klar: Das hier ist kein 08/15-Hideaway. Am besten reist man mit dem Taxi oder einem sehr kleinen Mietwagen an, da die Anfahrt durch mauerumsäumte und sehr enge Strassen geht. Der Abstieg vom Parkplatz ist steil und setzt eine gewisse Fitness voraus. Spätestens beim letzten Abschnitt zu Fuss wird klar: Dieser Ort will erobert werden und genau das macht seinen Reiz aus.

Unten angekommen, wird man belohnt. Ein hervorragendes Restaurant serviert regionale Küche mit Blick aufs offene Meer, perfekt für ein spätes Mittagessen oder ein Dinner bei Sonnenuntergang, wenn Ischia langsam zur Ruhe kommt und nur noch Wind, Wellen und Licht den Ton angeben.

Ja, der Leuchtturm ist nicht ganz günstig. Aber er ist jeden Preis wert. Gerade für Reisende, die Ischia bereits kennen oder bewusst eine Alternative zum Standardhotel suchen. Hier geht es nicht um Animation, Spa oder Pool, sondern um Weite, Stille und das Gefühl, für eine Nacht Teil der Geschichte zu sein.

Wer Ischia von seiner rauen, poetischen Seite erleben möchte, findet im Faro Punta Imperatore einen Ort, der bleibt. Lange nachdem das Licht wieder über das Meer gezogen ist.