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So will Easyjet weiterhin günstige Flugtickets anbieten
Fehlende Piloten, murrende Gewerkschaften, Öko-Zuschläge bei Treibstoffen, Lieferrückstände bei Flugzeugen: die Vorzeichen für die Flugindustrie stehen nicht allzu gut für das kommende Jahr. Für Airline-Manager ist die Planung für das Jahr 2026 herausfordernd.
Vor diesem Hintergrund betont gelassen zeigt sich nun aber Thomas Haagensen, Group Markets Director von Easyjet, in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» (Abo): «Wir müssen die Inflation durch unsere Einsparungen abfedern. Das hat über die letzten 30 Jahre funktioniert, und da machen wir weiter. Im Moment liegt der Durchschnittspreis für einen Flug in unserem gesamten Netzwerk bei unter 80 Franken.»
Point-to-Point statt Hub-Modell
Weiter hebt er das kostenschonende Point-to-Point-Modell der Airline hervor – im Gegensatz zu einem Hub-Modell. Und er verweist auf die Effizienz: «Ein Flug soll so viel kosten wie ein Paar Jeans, das sagten wir schon 1995. Seit damals ist dasselbe Jeansmodell um 57 Prozent im Preis gestiegen, während wir 55 Prozent günstiger geworden sind. Unsere Rolle als Low-Cost-Airline ist ganz einfach: besonders effizient zu sein.»
Wie denn das gehe? «Man nimmt leichtere Farben, um die Flugzeuge zu lackieren. Das spart auf jedem Flug ein paar Kilo Kerosin. Wenn man so viele Flüge absolviert wie wir, dann summiert sich das. Entscheidender ist, dass wir Milliarden in unsere Flotte investieren. Wir setzen schon heute einige moderne Airbus Neo in der Schweiz ein, es sind aber viel mehr dieser Flugzeuge bestellt. Die Flottenerneuerung wird Kosteneinsparungen von 3 Pfund (3.20 Franken) pro Sitzplatz ermöglichen.»
Easyjet setzt vermehrt auf Airbus A320 Neo und A321 Neo. «Wenn wir einen Airbus A319 mit 156 Sitzen durch einen A321 Neo mit 235 Sitzen und sparsameren Triebwerken ersetzen, steigen die Kosten für Kerosin und Besatzungsmitglieder nicht im selben Verhältnis wie die Passagierzahl. Die Kosten pro Sitzkilometer sinken.»
Fliegen, ein Social Benefit
An eine Steigerung der Flugpreise in Europa glaubt er nicht, die liessen sich kaum erhöhen, weil günstiges Fliegen für viele Menschen zum sozialen Standard geworden sei.
Zudem kritisiert Haagensen, dass SAF heute in der Produktion viel zu teuer sei. Man müsse nicht nur die Peitsche einsetzen, sondern auch das Zuckerbrot. Europäische Regierungen sollten die Produktion stimulieren und die Kosten senken.