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Wie der Schweizer Pavillon die Japaner begeistert
Daniel TschudyNie haben mehr Menschen die Weltausstellung Osaka besucht als am Samstag, 6. September 2025. Fast 230'000 Besucherinnen und Besucher zirkulierten auf der vor Osaka gelegenen, 1,5 Quadratkilometer grossen künstlichen Insel Yumeshima.
Unter den beliebtesten Länderpavillons befinden sich natürlich derjenige Japans, aber auch Australien, Indonesien, Holland und Grossbritannien waren sehr gefragt. Und mitten in der Top10-Liste liegt auch der Schweizer Pavillon.
Die Japaner lieben die Schweiz, und sie lieben Heidi, die am Stand auf einer immersiven Reise begleitet wird und so die Schweizer Innovationskraft zur Schau stellt. Dabei muss man sich im Klaren sein, dass der Schweizer Auftritt auf die Bedürfnisse und Wünsche der japanischen Besucher gezeichnet wurde – und nicht für die ausländischen Touristen.
Manche Schweizer und Schweizerinnen fanden das Heidi-Klischee ein bisschen stark aufgetragen. Nur sind die Schweizer nicht das primäre Zielpublikum im Pavillon, sondern eben die einheimische Bevölkerung. Und die wollen ihre Klischees bestätigt haben und so von einer Reise ins Heidiland träumen können.
Dazu kurz ein paar Zahlen: Mit fast 19 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner ist das Ballungsgebiet Keihanshin (inklusive Osaka, Kyōto und Kōbe) die zweitgrösste Metropolregion Japans und liegt damit in den Top 15 der Weltrangliste. Osaka, die Hauptstadt der gleichnamigen Präfektur, ist mit 2,7 Millionen Menschen das traditionelle Handelszentrum Westjapans.
Heidi und Tourismusförderung
Gemäss Präsenz Schweiz soll der Schweizer Auftritt an der Expo in Japan als eine Art Schaufenster funktionieren, um die Schweiz als innovatives und verlässliches Land zu positionieren. Die Ziele waren einerseits, die touristische Nachfrage nach Reisen in die Schweiz wieder anzukurbeln, andererseits Impulse für gemeinsame Projekte im wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Bereich zu setzen.
1970 fand in der gleichen Stadt die erste in Asien organisierte Weltausstellung statt, das Leitthema damals lautete «Fortschritt und Harmonie für die Menschheit» und passte so bestens zur noch laufenden Aufarbeitung des zweiten Weltkriegs. Die damalige Weltausstellung war ein Riesenerfolg, mit aus heutiger Sicht unglaublichen 64 Millionen Besuchern. 161 Länder machten mit und halfen so mit, Japan auf die touristische Weltkarte zu setzen. Auch die Schweiz war dabei, schon damals beliebt und verklärt. Und schon damals gab es ein kleines Schweizer Restaurant – mit einem gewissen Anton Mosimann als Küchenchef.
Mosimann’s
Und die Geschichte wiederholt sich. Heuer, mehr als ein halbes Jahrhundert später, haben die beiden Brüder Mark und Philipp das Catering-Mandat am Schweizer Pavillon in Osaka gewonnen und führen dort seit der Eröffnung mitte April das Restaurant Heidi. Mark und Philipp sind die in London aufgewachsenen Söhne des Anton Mosimann; der eine führt das bekannte Privatrestaurant Mosimann’s an der West Halkin Street im eleganten Bezirk Belgravia. Und der andere engagiert sich mit der gemeinsamen Catering-Agentur an globalen Grossanlässen, sei es die Formel 1, die Olympischen Spiele oder eben jetzt die Weltausstellung in Japan. Die Mosimann-Osaka-Familiengeschichte fasziniert, auch wenn sie wohl den meisten Gästen im Restaurant Heidi unbekannt blieb.
Eher eingelesen haben sie sich vielleicht über die eigenartige Struktur des Schweizer Pavillons. Er wurde vom in Basel lebenden deutschen Architekten Manuel Herz gezeichnet; «er wollte eine Struktur schaffen, die sich nahtlos in die Natur einfügt und dabei erforschen, wie die natürliche und die künstliche Welt in Zukunft koexistieren können».
Das Seifenblasenmotiv passe dazu; die transparenten Kugeln filtern das Sonnenlicht auf natürliche Weise und schaffen so im Inneren einen behaglichen Raum. In den Kugeln werden zum Beispiel technologische Innovationen in Form von Scherenschnitten präsentiert.
Dann gibt es mehrere Ausstellungsbereiche und eben das Restaurant Heidi. Wie bei allen, genau sechs Monate dauernden Weltausstellungen, werden alle Pavillons nach Ende der Expo abgebaut und soweit möglich nachhaltig recycelt.
Was bleibt ist eine Erinnerung, die unter dem Mantel des interkulturellen Verständnisses besser nachvollziehbar ist. Während an der Expo in Dubai, die aufgrund der Corona-Pandemie erst von Oktober 2021 bis März 2022 stattfand, über 70 Prozent Besucher und Besucherinnen aus aller Welt kamen, war es in Osaka fast umgekehrt. Laut Hochrechnungen dürfte der Anteil an ausländischen Besuchern die 12-Prozent-Marke nicht übersteigen. Das heisst, die Expo ’25 wurde letztlich fast eine nationale Veranstaltung. Und so gesehen, ist der leicht kitschige Auftritt der Schweiz, durchaus positiv gemeint, wohl richtig angedacht, respektive richtig investiert.
Next stop Riad
Präsenz Schweiz, die unter der Führung von Manuel Salchli den Schweizer Auftritt in Osaka organisiert hat, ist eine Einheit des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten und befasst sich unter anderem mit dem Auftritt unseres Landes im Ausland. Die Organisation wird bald wieder aktiv sein. 2027 findet eine kleinere kurze Ausstellung in Belgrad statt und die nächste grosse Weltausstellung findet dann 2030 in Riad, Saudi-Arabien statt.
Weitere Infos: www.expo2025.or.jp/en, www.expo2030riyadh.sa