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Riesiges Ostsee-Hotel in Polen kurz vor Eröffnung
Nur 58 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt erhebt sich das neue Hotel Golebiewski an der polnischen Ostseeküste. Der monumentale Bau mit 13 Etagen und 1200 Zimmern soll Platz für bis zu 3000 Gäste bieten. Sobald die letzte Umweltgenehmigung erteilt ist, könnte das Haus gemäss «Reise vor 9» bereits im Herbst eröffnen – und damit deutschen Ferienhotels spürbare Konkurrenz machen.
Pobierowo, bislang ein ruhiger Ort mit rund 1000 Einwohnern und langen Sandstränden, wird durch das Projekt grundlegend verändert. Seit 2018 wächst hier ein Gebäudekomplex heran, der schon von weitem auffällt: Das Golebiewski erinnert in seiner Dimension eher an ein Kreuzfahrtschiff, das am Strand gelandet ist. Mit seiner Grösse wird es das grösste Hotel Polens und zugleich das grösste an der gesamten Ostseeküste sein.
Das 30 Hektar grosse Areal soll weit mehr als nur Unterkunft bieten: Geplant sind Restaurants, Bars, Theater- und Kinosäle, ein Spa, Tennisplätze sowie ein riesiger Wasserpark. Aussenpools, Strasssen und Parkplätze sind bereits fertiggestellt, viele Zimmer sind eingerichtet – es fehlen nur noch die Gäste.
Eigentlich hätte das Hotel längst eröffnen sollen. Pandemiebedingte Baupausen, der Tod des Investors Tadeusz Golebiewski 2022 sowie Streitigkeiten um nicht genehmigte Aussenanlagen führten jedoch immer wieder zu Verzögerungen. Nun steht die Fertigstellung kurz bevor. Entscheidend ist nur noch eine Umweltgenehmigung der Gemeinde Rewal.
Auswirkungen auf den Tourismus
Das Projekt könnte die Kräfteverhältnisse im Ostsee-Tourismus verschieben. Im Vergleich zu den grössten Hotels an der deutschen Küste – etwa dem Morada Resort Kühlungsborn (413 Zimmer) oder dem Hotel Neptun in Warnemünde (338 Zimmer) – wirkt der polnische Neubau wie ein Gigant.
Pobierowo ist zudem gut erreichbar: Von der deutsch-polnischen Grenze bei Ahlbeck und Swinemünde sind es nur rund 60 Kilometer, von Berlin knapp zweieinhalb Stunden Fahrt. Die schiere Grösse des Hauses könnte dafür sorgen, dass es mit attraktiven Preisen um Gäste wirbt – besonders Familien dürften vom Mix aus Strandlage, Wellness und Freizeitangeboten profitieren.
In Mecklenburg-Vorpommern blickt die Branche mit Skepsis auf den polnischen Koloss. Rolf Seelige-Steinhoff, geschäftsführender Gesellschafter der Seetel-Hotelgruppe auf Usedom, befürchtet erhebliche Folgen: «Dieses Projekt zerstört den Tourismus, wie wir ihn kennen. Wenn es gut läuft, bringt das Hotel in einem Jahr zwei Millionen Übernachtungen – diese Übernachtungen fehlen dann allen anderen.»
Hinter dem Projekt steht die Golebiewski-Holding. Sie bezeichnet sich als Hotelkette mit dem grössten Bettenangebot Polens und betreibt bereits vier grosse Ferienhotels mit insgesamt rund 5000 Betten, ergänzt durch Spa- und Konferenzangebote.