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Die 6 zentralen Fragen zum Zustand der Schweizer Reisebranche
Reto SuterAlljährlich im September lädt der Schweizer Reise-Verband (SRV) zur Standortbestimmung ein – nach Gesprächen mit Branchenführern und einer umfassenden Mitgliederumfrage, die ein präzises Bild der Lage zeichnet. Wie schon im Vorjahr fand die Medienkonferenz im Fifa-Museum im Zürcher Enge-Quartier statt.
Auch wenn sich die Branche durchaus mit einigen Herausforderungen konfrontiert sieht: Verbandspräsident Martin Wittwer und SRV-Geschäftsführerin Andrea Beffa hatten am Mittwochvormittag (10. September 2025) viel Positives zu berichten. Die Reiselust der Schweizerinnen und Schweizer ist ungebrochen – und auch Reiseveranstalter sowie Reisebüros profitieren von dieser anhaltend hohen Nachfrage.
Travelnews beantwortet die sechs wichtigsten Fragen zum Zustand der Schweizer Reisebranche:
Wie läuft das Geschäft konkret?
Während sich die Buchungen für die Sommerferien im Frühjahr etwas verhaltener entwickelten als im Vorjahr, stieg die Nachfrage nach Bade- und Städtereisen zwischen Mitte Juli und Anfang August sprunghaft an. Das dürfte nicht zuletzt auf das regnerischen Sommerwetter in der Schweiz zurückzuführen sein. Die Umsätze liegen aktuell rund fünf Prozent über dem Vorjahresniveau – bei leicht höheren Preisen und gestiegenen Dossierwerten. Das zeigt laut dem SRV, dass sich die Kundinnen und Kunden nach wie vor hochwertige Reisen leisten. Das Umsatzvolumen der organisierten Auslandsferien mit mindestens einer Übernachtung beläuft sich derzeit auf rund 2,5 Milliarden Franken – Tendenz steigend. Der Trend zur frühen Buchung setzt sich fort. Durchschnittlich buchen die Schweizerinnen und Schweizer ihre Ferien ein halbes Jahr im Voraus.
Welche Ferienziele sind besonders gefragt?
Spanien, Griechenland und die Türkei führen die Sommer-Rangliste an. Skandinavien gewinnt als Destination zwar weiterhin an Beliebtheit, doch der Trend zu «Coolcation» geht nicht zulasten klassischer Mittelmeerziele – nordische Länder machen nur knapp neun Prozent der Gesamtnachfrage aus. Im Herbst ist Ägypten, vor Griechenland und Spanien, die meistgebuchte Feriendestination, während im Winter 2025/26 die Malediven und Thailand an der Spitze stehen. Generell boomt Asien, auch mit Rekordnachfragen nach Japan und Sri Lanka.
Wie punkten die Reisebüros bei den Kunden?
Trotz wachsender Onlinebuchungen direkt bei den Reiseveranstaltern bleiben Reisebüros die wichtigste Vertriebsform. Sie punkten mit individueller Beratung, massgeschneiderten Angeboten und Sicherheit. «Reisebüros finden ihre Stärke in der Spezialisierung und generieren mehr Umsatz als im Vorjahr», sagt Präsident Martin Wittwer. Während Generalisten-Veranstalter wie etwas Kuoni oder TUI Suisse die Verknüpfung von Online- und Offline-Angeboten ausbauen und Badeferien nach wie vor ihr Kerngeschäft sind, haben sich Reisebüros insbesondere im beratungsintensiven und spezialisierten Segment etabliert. Die Zahlen der jährlichen Reisestudie, die Pia Bodner, CEO von Allianz Partners Schweiz, an der Medienkonferenz vorstellte, zeigt: Grosses Know-how und persönliche Beratung werden für die Kundinnen und Kunden ein immer wichtigeres Argument, in einem Reisebüro zu buchen. Während im vergangenen Jahr noch 34 Prozent der Befragten diesen Punkt anführten, waren es dieses Jahr 46 Prozent.
Welches sind die grössten Herausforderungen?
Die SRV-Mitgliederumfrage mit 172 Teilnehmenden zeigt: Globale Krisen bereiten der Branche am meisten Kopfzerbrechen – mit einem Plus von fast zehn Prozentpunkten im Vorjahresvergleich. SRV-Geschäftsführerin Andrea Beffa erklärt: «Trotz globaler Unsicherheiten bleibt die Nachfrage hoch. Reisende suchen heute mehr denn je professionelle Beratung, und das Bedürfnis nach Hilfestellung nimmt spürbar zu.» Buchungsrückgänge sind meist nur temporär nach einzelnen Ereignissen zu beobachten. So ging die Nachfrage nach Zypern- und Ägypten-Reisen kurzfristig leicht zurück beziehungsweise verlagerte sich auf andere Regionen, als sich die Lage im Nahen Osten verschärfte.
Wie entwickelt sich das Geschäft mit USA-Reisen?
In kaum einer anderen Weltregion hält der Negativtrend so lange an wie in den USA. Die Politik von Präsident Donald Trump schreckt nach wie vor viele Schweizerinnen und Schweizer von einer Reise über den Atlantik ab. Zählten die Vereinigten Staaten 2024 noch rund 380’000 Gäste aus der Schweiz, rechnet der SRV für 2025 mit einem Rückgang von etwa zehn Prozent. Aufgrund dieser Entwicklung doch etwas überraschend: Gemäss der Studie von Allianz Partners haben nur zwei Prozent der Befragten eine USA-Reise tatsächlich storniert.
Wo ist die Reisebranche künftig gefordert?
Künstliche Intelligenz (KI) wurde in der Mitgliederumfrage als bedeutendster Zukunftstrend identifiziert – und sie verändert das Reisegeschäft bereits heute: Von Chatbots über dynamische Preise und Besucherlenkung bis hin zu Umweltmonitoring. Mit KI wird die Reisebranche effizienter und kundenorientierter. Parallel dazu wächst der Trend zur Individualisierung: Reisende erwarten massgeschneiderte Angebote. Ein weiteres Kernthema bleibt der Klimaschutz. Mit der Nachhaltigkeitsinitiative «KlimaLink», an der der SRV als Gründungsmitglied beteiligt ist, soll der Klimafussabdruck transparent gemacht werden. «Unser Ziel ist ein branchenweit einheitlicher Standard für Emissionsdaten aller Reisebausteine – nicht nur für Flüge», so SRV-Geschäftsführerin Andrea Beffa. So können klimaverträgliche Reiseentscheidungen einfacher und bewusster getroffen werden.»