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Wildcampen mit dem Wohnmobil in Griechenland ist nicht mehr möglich. Wer länger als 24 Stunden bleibt, dem drohen bis zu 2800 Franken Busse. Bild: willianjusten

Der Bussenkatalog für Touristen wird immer dicker

Hans-Werner Rodrian

Neu werden Müllsünder in Italien zur Rechenschaft gezogen. Immer mehr Ferienorte und -regionen veröffentlichen Bussgeldkataloge für rücksichtslose und unüberlegte Touristen – 23 Beispiele, von 17'000 bis 60 Franken.

Machen Sie es nicht: das Autofenster runterlassen und einen Zigarettenstummel, eine Petflasch, ein Taschentuch oder einen ganzen Müllsack an den Strassenrand werfen. Versteht sich ja. Nun schreitet Italien ein und verhängt für das rücksichtslose Entsorgen saftige Bussen – für Einheimische wie Touristen.

Der Bussenkatalog für Reisende wird immer dicker. Nacktfotos vor Tempeln auf Bali, Bikini-Shopping in Hvars Innenstadt: Manche Touristen benehmen sich im Ausland ziemlich daneben. Sie campen wild, ignorieren Verbote, hinterlassen Dreck und Müll und begeben sich und andere leichtsinnig in Gefahr. Doch das hat immer häufiger drastische Bussgelder Folgen. Wir haben eine Hitparade unbedachter Touristen-Aktionen und der jeweils fälligen Strafen dafür aufgestellt.

Italien: 17'000 Franken für die Entsorgung des Müllsacks

In Italien gelten seit dieser Woche drastisch verschärfte Strafen für das Wegwerfen von Abfall aus Fahrzeugen. Bereits für Kleinigkeiten wie Taschentücher oder Zigarettenkippen drohen bis zu umgerechnet 1120 Franken Busse.

Wer grössere Gegenstände wie Flaschen oder Müllsäcke entsorgt, muss mit bis zu 17'000 Franken Strafe rechnen – in Naturschutzgebieten sogar mit Haft von bis zu sieben Jahren. Neu kann die Strafe allein anhand eines Kennzeichenfotos verhängt werden, ohne das Fahrzeug anzuhalten.

Polen: 4300 Franken fürs Fotografieren militärischer Objekte

Polen hat Angst vor Spionage und verbietet deshalb das Fotografieren militärisch wichtiger Orte. Darunter sind Brücken und Tunnel, Flug- und Seehäfen und vieles mehr, insgesamt etwa 25'000 Objekte. Die sind in aller Regel mit einem Foto-Verbotsschild gekennzeichnet.

Wer trotzdem das Handy zückt, muss mit Geldstrafen von bis zu 4300 Franken rechnen, und die Kamera wird auch noch konfisziert. Aufgepasst: die Kennzeichnung ist manchmal schlecht sichtbar oder nicht eindeutig erkennbar.

Italien: 3800 Franken für Alkohol am Steuer

Italien hat im vergangenen November Bussgelder und Strafen für Autofahrer drastisch erhöht: Wer mit mehr als 0,5 Promille Auto fährt, riskiert ein Bussgeld von bis zu 1900 Franken und sechs Monate Führerschein-Entzug. Über 0,8 Promille droht die doppelte Strafe. Fahrer, die am Steuer telefonieren oder chatten, müssen bis zu 900 Franken zahlen. Und wird die zulässige Höchstgeschwindigkeit um mehr als zehn Stundenkilometer überschritten, sind Strafen von bis zu knapp 660 Franken vorgesehen.

Gran Canaria: Bis 2800 Franken bei Sex am Strand

Um ein Zeichen gegen den Massentourismus zu setzen, hat die Gemeinde Agaete im Nordwesten von Gran Canaria Regeln für Touristen aufgestellt. Sexuelle Handlungen in der Öffentlichkeit, also etwa im Meer oder an Stränden, sind verboten. Ausserdem darf am Strand nicht mehr geraucht werden – auch keine E-Zigaretten. Laute Musik ist beim Baden ebenfalls nicht gestattet.

Zelte und Sonnenschirme, die bei Wind gefährlich werden könnten, dürfen auch nicht aufgestellt werden. Das Reservieren von Liegen mit Handtüchern ist verboten. Im Wasser dürfen keine Muscheln mehr gesammelt oder Steine umgegraben werden. Wer gegen die neuen Regeln verstösst, der muss bei leichten Verstössen mit einem Bussgeld bis 700 Franken rechnen. Bei schweren Verstössen werden bis zu 2800 Franken fällig.

Griechenland: 2800 Franken für Wildcampen mit dem Wohnmobil

Sich mit dem Wohnmobil für ein paar Tage an den Strand stellen: Das soll in Griechenland künftig nicht mehr möglich sein. Wer länger als 24 Stunden bleibt, dem drohen bis zu 2800 Franken Strafe und sogar Haft. So will es ein neues Gesetz mit der Nummer 5170/2025. Es legt fest, dass das Aufstellen von Zelten oder das Abstellen von Wohnwagen an archäologischen Stätten, an Küstenstreifen, Stränden, Waldrändern und in Wäldern untersagt ist.

Bei Verstoss drohen rund 280 Franken Busse pro Person. Sucht der Camper das Weite oder geht der Fall vor Gericht, können bis zu 2800 Franken Geldstrafe und sogar bis zu drei Monate Haft fällig werden.

Bali: 2350 Franken für Nacktfotos vor dem Tempel

Die indonesische Insel Bali leidet unter Massentourismus und respektlosem Verhalten gegenüber ihrer Kultur und Religion. Touristen klettern auf heilige Bäume und schiessen Nacktfotos an Tempeln.

2023 sah sich die Inselregierung gezwungen, allen Besuchern bereits bei der Ankunft im Flughafen Benimmregeln in die Hand zu drücken. Als das wenig fruchtete, folgte 2024 ein Bussgeldkatalog: Kulturelle Stätten dürfen nur noch mit zertifizierten Reiseführern besucht, Motorroller nur noch bei offiziellen Vermietern gemietet werden. Wer sich nicht daran hält, zahlt bis 2350 Franken oder wird verhaftet und abgeschoben.

Teneriffa: 1700 Franken für Bergtour mit Flipflops

Wer auf den Gipfel des Teide wandert, der muss gut ausgerüstet sein: Warme Kleidung und festes Schuhwerk sind seit Ende 2024 offiziell Pflicht. Das Wandern in kurzen Hosen und Flip-Flops ist damit vorbei.

Die Inselregierung hat ein saftiges Bussgeld für Wanderer, die wegen falscher Ausrüstung selbst verschuldet in Not geraten und vom Berg gerettet werden müssen, eingeführt: 560 Franken Strafe kostet die Aktion plus die Kosten für die Bergung – im Schnitt weitere 1100 Franken, das sind insgesamt 1700 Franken. Hintergrund sind mehrere Rettungsaktionen der vergangenen Zeit. Im Herbst zum Beispiel brachte sich eine Gruppe in einer Seilbahnstation in Sicherheit und bestellte per Handy die Rettungskräfte zum Rückflug ins Hotel.

Griechenland: 940 Franken für mitgenommene Steine

In Griechenland ist es streng verboten, Steine mitzunehmen. Das gilt nicht nur für Teile von Tempeln, sondern auch für völlig unverfängliche Kiesel, zum Beispiel vom Strand von Skiathos. Wer erwischt wird, der kann leicht die Nacht in der Polizeistation verbringen und muss hinterher auch noch das archäologische Gutachten bezahlen. Kosten: bis 940 Franken. Auch auf der italienischen Insel Sardinien ist es verboten, Sand, Steine oder Muscheln, selbst wenn es in kleinste Mengen sind, mitzunehmen. Bestraft werden Verstösse mit 470 bis 2800 Franken.

Rom: 940 Franken für Baden im Trevibrunnen

In Rom wurde erst kürzlich wieder ein Influencer-Paar 940 Franken los, nachdem die beiden die berühmte Badeszene von Anita Ekberg im Film La Dolce Vita im Trevibrunnen nachgestellt hatten.

Mallorca: 700 Franken für falsche Markenware

Falsche Marken-T-Shirts, unechte Top-Sportschuhe und Billiguhren mit dem Fake-Aufdruck bekannter Labels sind beliebte Souvenirs. Wer auf Mallorca solche gefälschte Markenware bei Strassenhändlern kauft, der riskiert seit Mai 2025 ein Bussgeld von rund 700 Franken – sofern man erwischt wird. Die neue Verordnung gilt nicht nur am Ballermann, sondern im gesamten Stadtgebiet von Palma. Hintergrund sind Beschwerden von Verkäufern der echten Markenwaren.

Norwegen: 560 Franken für das Mitbringen einer Wal-Salami

Auch wenn die Walwurst noch so appetitlich aussieht: Wer sie aus den Norwegenferien mitbringt, dem droht eine hohe Strafe. Die Einfuhr von Walfleisch in die EU ist nämlich verboten.

Erst jüngst stellte der Zoll bei Kreuzfahrt-Touristen in Bremerhaven wieder mehrere Packungen sicher. Walfleisch ist in Norwegen frei verkäuflich. Viele Reisende sind sich keiner Schuld bewusst. Das Fleisch stammt in der Regel vom Zwergwal, der wie alle Wale zu den vom Aussterben bedrohten Arten gehört. Was das kosten kann, das zeigt der Bussgeldkatalog des zuständigen Bundesamtes für Naturschutz: Einfuhr von einer Salami (0,26 kg) aus Zwergwal-Fleisch (Balaenoptera acutorostrata): umgerechnet 560 Franken.

Kroatien: 560 Franken für Stadtgang in Badehose

Touristen, die in Badekleidung im Stadtzentrum von Hvar herumlaufen, sind für die Einheimischen ein rotes Tuch. Der Bürgermeister von Kroatiens beliebter Party-Insel hat vor Saisonbeginn einen Bussgeldkatalog veröffentlicht, um Touristen Benehmen beizubringen.

Wer in Badehose herumläuft, der riskiert eine Strafe von 560 Franken. Oberkörperfrei im Stadtzentrum herumzulaufen, kostet 470 Franken. Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit wird mit 660 Franken geahndet, und das Entfernen von edlen Steckmuscheln vom Strand kostet 63 Franken pro Muschel. Und Feriengäste, die ihren Soundblaster über 85 Dezibel aufdrehen, müssen mit einer Busse von 300 Euro rechnen.

Gardasee: 470 Franken für übermässigen Alkoholgenuss

Von wegen Dolce vita: Seit April ist in Limone sul Garda der Konsum alkoholischer Getränke auf Strassen, Plätzen und Parks verboten. Gastronomiebetrieben, Läden und Verkaufsständen ist es untersagt, alkoholische Getränke zum Mitnehmen anzubieten. Alkoholika müssen in versiegelten oder dicht verschlossenen Behältnissen für den Konsum in den eigenen vier Wänden bzw. im Hotel abgepackt sein.

Die Massnahme, die laut der Gemeinde der Sauberkeit und der öffentlichen Ordnung dienen soll, gilt bis November. Wer mit Wein, Bier, Spritz und Co. in der Öffentlichkeit angetroffen wird, muss mit einem Bussgeld rechnen, das zwischen 23 und 470 Franken liegt.

Frankreich: 350 Franken für unbeabsichtigtes Mautprellen

Frankreich spart sich immer mehr Mautstationen und führt stattdessen das «FreeFlow»-System ein. Dabei müssen sich die Autofahrer selbst binnen 72 Stunden um die Bezahlung kümmern - an einem Automaten an der nächsten Raststätte, im Tabakladen oder per Mautbox. Wer das versäumt, zahlt bis zu 350 Franken Strafe, und die wird auch in der Schweiz vollstreckt.

Karibik: 330 Franken für Militärlook-Mode

Liebhaber der Modefarbe olivgrün beziehungsweise Camouflage tun besser daran, in der Karibik auf Tarnfarben-Kleidung zu verzichten. Das Auswärtige Amt in Deutschland warnt, dass zum Beispiel auf Antigua, Barbados, Grenada, Jamaika und Tobago «militärähnliche Tarnkleidung jeglicher Art und Farbe (Camouflage) … laut Gesetz dem Militär vorbehalten» ist. Bereits die Einfuhr ist strafbar und wird mit einer Geldstrafe von umgerechnet 330 Franken geahndet.

Venedig: 280 Franken fürs Vergessen der Touristengebühr

Venedig erhebt an verkehrsreichen Tagen eine Besuchergebühr, die in einem Online-Portal zu bezahlen ist. Die Gebühr von fünf Euro gilt meist freitags bis sonntags, Last-minute-Buchungen kosten zehn Euro. Besucher erhalten nach dem Bezahlen einen QR-Code fürs Handy, ohne droht eine Strafe bis zu 280 Franken.

Dubai: Müllwurf ist 235 Franken teuer

Die Wüste soll sauberer werden: In den Vereinigten Arabischen Emiraten wird das Wegwerfen von Müll aus dem Autofenster mit bis zu 235 Franken geahndet. Soviel zahlen dort übrigens auch Gaffer an Unfallstellen.

Schweiz: 200 Franken für Nacktwandern

Im schweizerischen Kanton Appenzell macht man sich besser beim Wandern nicht frei. Sonst könnte die kantonale Vorschrift über «grobe Verletzung von Sitte und Anstand in der Öffentlichkeit» angewandt werden. Das Bussgeld beträgt in so einem Fall 200 Schweizer Franken.

Amsterdam: 160 Franken fürs Pinkeln

Ungehobelte Partytouristen müssen auch in den Niederlanden bluten. Wer in Amsterdam auf offener Strasse uriniert, der hat mit einer Geldbusse von 160 Franken zu rechnen. Dazu kommen noch 8 Franken Bearbeitungsgebühr.

Paris: 125 Franken für Fahren auf der Umweltspur

Paris hat auf seiner Stadtautobahn eine Spur für Fahrgemeinschaften, Taxis, Menschen mit Behindertenausweis und Busse eingerichtet. Ähnliche Umweltspuren gibt es auch im Pariser Umland, auf Strecken in die Normandie, nach Belgien und Nordrhein-Westfalen. Das Fahrverbot auf der äussersten linken Spur gilt montags bis freitags von 7 bis 10 Uhr und von 16 bis 20 Uhr. Bei Nichtbeachtung droht ein Bussgeld von 125 Franken.

Yosemite Nationalpark: 80 Franken ohne Reservierung

Wer im Sommer den Yosemite-Nationalpark in Kalifornien besuchen will, der muss in der Hauptreisezeit bis 15. August und am Labor-Day-Wochenende (30. August bis 1. September) reservieren. Besucher ohne Reservierung blockieren den Verkehr und riskieren dafür ein Bussgeld von umgerechnet 80 Franken.

Vietnam: 70 Franken für E-Zigaretten-Dampfer

Seit Jahresbeginn sind in Vietnam Einfuhr, Besitz und Nutzung sämtlicher elektronischer Zigaretten – wozu auch sogenannte Verdampfer und Tabakerhitzer zählen – sowie das dazugehörige Equipment verboten. Bussen von bis zu 70 Franken werden erhoben.

Türkei: 60 Franken für frühzeitiges Abschnallen

Wer sich in der Türkei im Flugzeug zu früh abschnallt oder aufsteht, bevor das Anschnallzeichen erloschen ist, der riskiert seit Mai 2025 ein Bussgeld. Die türkische Zivilluftfahrtbehörde hat dazu eine neue Vorschrift erlassen.

Die genaue Höhe des Bussgelds ist in der Verordnung zwar nicht festgelegt, mehrere Medien berichten jedoch von einem Betrag von rund 60 Franken pro Verstoss. Das Bussgeld kann auch verhängt werden, wenn Passagiere sich nach dem Erlöschen des Anschnallzeichens vordrängeln oder den Gang betreten, bevor sie an der Reihe sind.