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Aus eigenem Antrieb checken viele Arbeitnehmende auch während den Ferien die Pendenzen. Bild: Adobe Stock

Schweizer schalten in den Ferien selten ab

Zwei von drei Arbeitnehmenden in der Schweiz arbeiten auch in den Ferien. Wirtschaftlicher Druck und fehlende Vertretung sorgen dafür, dass die Ferien ihre Erholungsfunktion oft verfehlen, lautet das Fazit einer Studie.

Ferienzeit ist eigentlich Erholungszeit – doch für viele Schweizerinnen und Schweizer bleibt das Theorie. Laut einer aktuellen Umfrage der Jobplattform Indeed unter 500 Arbeitnehmenden arbeiten 65 Prozent auch während ihrer Ferien – regelmässig oder zumindest gelegentlich. Nur jeder Sechste kann sich in den Ferien vollständig vom Job lösen.

Die Gründe sind vielfältig: Fast die Hälfte der Befragten (42,1 %) wurde schon während der Ferien von Vorgesetzten kontaktiert, bei mehr als jedem Achten (13,3 %) wird die Erreichbarkeit gar ausdrücklich erwartet. Doch auch aus eigenem Antrieb bleiben viele am Ball: 28,1 % verfolgen die beruflichen Entwicklungen freiwillig – aus Angst, etwas zu verpassen.

Die Unsicherheit am Arbeitsmarkt verschärft die Situation: 41,8 % geben an, sich angesichts der wirtschaftlichen Lage oder der Bedrohung durch Automatisierung und KI stärker mit dem Job zu beschäftigen als früher – selbst in der Freizeit. Für manche ein stiller Stressfaktor, für andere ein bewusstes Verhalten aus Sorge um die eigene Position.

Mehrarbeit vor den Ferien

Auch organisatorische Faktoren erschweren die Erholung. Drei von vier Befragten leisten vor ihren Ferien Mehrarbeit, bei rund 17 % summiert sich das auf über fünf Stunden. Nach der Rückkehr wartet oft ein Berg an unerledigter Arbeit – besonders, wenn während der Abwesenheit keine adäquate Vertretung einsprang. Das Resultat: Mehr als die Hälfte (54,4 %) fühlte sich nach den letzten Ferien nicht wirklich erholt.

Für Dr. Stefanie Bickert, Arbeitsmarktexpertin bei Indeed, ist das ein Warnsignal: «Echte Erholung ist keine Kür, sondern Voraussetzung für langfristige Gesundheit und Leistungsfähigkeit.» Sie plädiert für eine Arbeitskultur, die Auszeiten respektiert – mit klar geregelten Übergaben und Vertretungen, die wirklich entlasten.

Gleichzeitig seien auch Arbeitnehmende gefragt: Wer aktiv abschaltet, etwa mit Bewegung oder bewussten Offline-Zeiten, profitiert stärker als durch passives Ausruhen. Denn nur wer abschalten kann, startet nach der Rückkehr wirklich neu durch.

(TN)