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Flüssigkeitsregelung fürs Handgepäck wird gelockert
Seit 2006 dürfen Passagiere im Handgepäck nur Flüssigkeiten in Behältern mit maximal 100 Millilitern transportieren – ein Relikt aus der Zeit erhöhter Terrorgefahr. Nun steht diese Regelung vor dem Aus: Die Europäische Kommission bereitet die Zulassung neuer Kontrollgeräte vor, die Flüssigstoffe auch in grösseren Mengen zuverlässig erkennen können. Der Einsatz dieser hochmodernen CT-Scanner an EU-Flughäfen könnte es künftig ermöglichen, bis zu zwei Liter Flüssigkeit pro Person mitzuführen – ein Meilenstein für den Luftverkehr.
Die Europäische Zivilluftfahrtkonferenz (ECAC) hat im Juni 2025 laut einem «Euronews»-Bericht grünes Licht für die neue Scannertechnologie gegeben. Hersteller können nun ihre Geräte offiziell prüfen und zertifizieren lassen. Sobald sie zugelassen sind, dürfen Flughäfen diese Technik nutzen – und die umstrittene 100-ml-Grenze fällt dort, wo die neuen Systeme installiert sind.
Allerdings wird sich die neue Freiheit beim Packen nicht überall in Europa sofort bemerkbar machen. Die Geräte sind teuer und nicht jeder Flughafen ist technisch bereit. Während Flughäfen in Rom, Mailand und sieben weiteren italienischen Städten bereits mit der Technik arbeiten, rüsten auch Flughäfen in Deutschland (z. B. Frankfurt, München, Berlin), den Niederlanden, Schweden, Irland, Malta und Litauen nach. Seit einem Jahr sind zu Testzwecken auch zwei hochmoderne CT-Scanner am Flughafen Zürich im Einsatz.
Vorteile für Reisende
Künftig könnte der Sicherheitscheck deutlich stressfreier ablaufen. Kosmetika, Wasserflaschen oder Medikamente müssen nicht mehr umgefüllt oder entsorgt werden. Auch das bisherige Verstauen in durchsichtigen Plastikbeuteln entfällt. Die neue Scannertechnologie erstellt dreidimensionale Bilder vom Handgepäck und analysiert automatisch die enthaltenen Stoffe – gefährliche Flüssigsprengstoffe lassen sich so besser identifizieren als mit herkömmlichen Röntgengeräten.
Trotz der geplanten Erleichterung bleibt die Sicherheit oberste Priorität. Die Lockerung der Regeln erfolgt erst, wenn die technische Prüfung der Scanner vollständig abgeschlossen ist. Ein Sprecher der EU-Kommission betont: «Die Änderung kommt nicht auf einen Schlag, sondern Schritt für Schritt – in Abhängigkeit vom technischen Stand einzelner Flughäfen.»
Die heutige Regelung geht auf einen vereitelten Terroranschlag im Jahr 2006 zurück. Damals wollten Extremisten an Bord mehrerer Flugzeuge von London aus Flüssigsprengstoff in Getränkeflaschen zünden. Die daraufhin eingeführte Beschränkung sollte ursprünglich nur temporär gelten – doch erst jetzt steht die nötige Technik bereit, um grössere Mengen zuverlässig zu prüfen.
Obwohl noch kein EU-weites Startdatum feststeht, dürfte sich die Aufhebung der 100-ml-Grenze an vielen Flughäfen schon in den kommenden Monaten bemerkbar machen. Für Reisende bedeutet das: mehr Komfort, weniger Müll – und ein bedeutender Fortschritt bei der Digitalisierung der Sicherheitskontrollen. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich vor Reiseantritt über die aktuellen Regelungen am Abflughafen informieren.