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Diese zwei Schweizer Städte zählen zu den stressigsten Reisezielen Europas
In den Sommermonaten zieht es viele Reisende an idyllische Orte, die Entschleunigung versprechen: Seen, Berge, Altstadtgassen, charmante Cafés. Doch eine aktuelle Analyse von Icelandair wirft einen anderen Blick auf Europas beliebteste Reiseziele.
Für die Untersuchung wurden öffentlich zugängliche Daten zu fünf Schlüsselkriterien analysiert, die das tatsächliche Erholungspotenzial beeinflussen: Touristendichte, Lärmbelastung, Lichtverschmutzung, Hoteldichte und Kriminalitätsrate.
Aus den Einzeldaten wurde ein sogenannter «Ruhewirkungswert» berechnet – ein Index mit maximal 150 Punkten. Je niedriger der Wert, desto stärker die Belastung und desto weniger Ruhe vor Ort. Überraschend: Auch zwei Schweizer Städte zählen laut dieser Auswertung zu den stressigsten Reisezielen Europas.
Touristenhochburgen mit Postkartenidylle
Mit 53 von 150 möglichen Punkten landet Interlaken auf Rang 4 der unruhigsten Orte Europas – direkt hinter Florenz, Nizza und dem Comer See. Zwar liegt die Stadt im Berner Oberland eingebettet zwischen Thuner- und Brienzersee und ist von imposanten Gipfeln umgeben, doch die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Mehr als 2300 Besucherinnen und Besucher pro Quadratkilometer und Tag drängen sich durch das nur 4,4 Quadratkilometer grosse Zentrum – mehr als irgendwo sonst im Ranking.
Hinzu kommt: Interlaken ist ein zentraler Anlaufpunkt für Bustouren, Zugverbindungen und Tagesausflüge in die Jungfrauregion – was die Ruhe erheblich schmälert, vor allem im Sommer.
Etwas weiter hinten im Ranking, aber dennoch im kritischen Bereich, liegt Luzern. Die Stadt am Vierwaldstättersee ist international beliebt für die Kapellbrücke, den Pilatusblick und den historischen Stadtkern. Doch laut der Studie ist die Touristendichte hier ebenfalls hoch und auch die Hoteldichte überdurchschnittlich. Während die charmante Altstadt und die Seepromenade entspannen mögen, kann der konstante Besucherstrom zu einer Reizüberflutung führen.
Alternativen für Reisende, die mehr Ruhe wollen
Doch es gibt Hoffnung für alle, die Natur, Kultur und Ruhe in Einklang bringen wollen. Die Studie nennt auch entspanntere Alternativen, die einen ähnlichen landschaftlichen oder kulturellen Reiz bieten – nur eben ohne Massenandrang.
So gilt Thun als ruhigere Variante von Luzern: ebenfalls am See, mit Altstadt, Schloss und Bergblick – aber deutlich weniger überlaufen. Und wer Interlaken meiden möchte, dem empfiehlt die Studie das isländische Seyðisfjörður – ein charmantes Fjordstädtchen mit bunten Holzhäusern, Kunstszene und nordischer Gelassenheit.
Ein Tipp, der angesichts des Herausgebers – Icelandair – zwar nicht ganz uneigennützig erscheint, aber dennoch reizvoll klingt: Natur pur, kaum Verkehr, keine Reisebus-Kolonnen – und das alles bei frischer Nordluft.
Solche Rankings sind nie ganz objektiv. Entscheidend ist immer, welche Städte überhaupt berücksichtigt werden und welche Kriterien letztlich in die Bewertung einfliessen. Dennoch werfen sie ein Schlaglicht auf reale Herausforderungen.
Der Druck auf Interlaken und Luzern durch Overtourism ist nicht zu leugnen. Wer Ruhe sucht, muss sie heute oft abseits der touristischen Postkartenmotive suchen oder gezielt zur richtigen Zeit reisen.