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Die ikonischen Basaltsäulen des Giant’s Causeway leuchten in der Abendsonne – ein Anblick, den es zu bewahren gilt. Bild: Adobe Stock

Touristenritual gefährdet Naturwunder

Ein kleiner Moment der Erinnerung – mit grossen Folgen für ein Welterbe. Münzen, von Besucherinnen und Besuchern in die Felsen gedrückt, setzen dem Giant’s Causeway in Nordirland zu.

Der Giant’s Causeway, eine der spektakulärsten Natursehenswürdigkeiten Europas, ist in Gefahr – und ausgerechnet ein gut gemeintes Touristenritual richtet den Schaden an. Die einzigartige Felsformation an der Nordküste Nordirlands, bestehend aus rund 40'000 meist sechseckigen Basaltsäulen, wurde vor rund 60 Millionen Jahren durch vulkanische Aktivität geformt. Heute zählt sie zum Unesco-Weltnaturerbe – und leidet unter den Spuren menschlicher Verehrung.

Wie die britische Denkmalstiftung National Trust mitteilt, hat sich das Einwerfen von Münzen in die Ritzen der Felsen zu einer ernsthaften Gefahr für die Sehenswürdigkeit entwickelt. «Wir haben ein riesiges Problem mit Münzen», warnt der Geologe Cliff Henry vom National Trust in einem Interview mit der «BBC». «Was viele als nette Geste oder Erinnerung ansehen, verursacht erhebliche Schäden», sagt er.

Das Problem beginnt im Kleinen: Eine eingeklemmte Münze beginnt zu rosten – und durch das feuchte Klima an der nordirischen Küste besonders schnell. Dabei dehnt sie sich aus, vergrössert sich auf das Drei- bis Vierfache ihrer ursprünglichen Grösse und sprengt mit dem entstehenden Druck einzelne Felsstücke aus der Formation. Zudem sickern Metalle wie Eisen, Kupfer oder Nickel in die Steine und hinterlassen dort farbige, unansehnliche Spuren.

Eingeklemmte Münzen rosten und sprengen mit der Zeit den Fels. Bild: National Trust

Die Folge: Der National Trust muss Münzen regelmässig entfernen und beschädigte Bereiche sichern – ein Aufwand, der jährlich rund 30'000 Pfund (umgerechnet rund 33'000 Franken) verschlingt.

Trotz der Schäden verstehen die Verantwortlichen, warum Besucherinnen und Besucher so handeln. «Viele Menschen fühlen sich tief mit dem Giant’s Causeway verbunden und wollen ein Zeichen ihres Besuchs hinterlasse», sagt so Henry. Der Appell der Denkmalpfleger ist deshalb klar: Erinnerungen ja – aber bitte keine Münzen in die Felsen!

(TN)