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Die imposanten Victoriafälle an der Grenze zwischen Sambia und Simbabwe zählen zu den Höhepunkten vieler Afrika-Reisen. Bild: Adobe Stock

Was den Schweizer Afrika-Spezialisten unter den Nägeln brennt

Reto Suter

Wo der Puls des afrikanischen Tourismus schlägt, treffen sich Fachleute aus aller Welt: Die Africa’s Travel Indaba ist eine Drehscheibe für neue Produkte und persönliche Verbindungen. Schweizer Anbieter sind mit Rückenwind von der Messe zurückgekehrt – aber auch mit einzelnen Sorgen, wie eine Umfrage von Travelnews zeigt.

Sie gilt als wichtigstes Schaufenster des afrikanischen Kontinents für den internationalen Tourismus: die Africa’s Travel Indaba, die vergangene Woche in der südafrikanischen Metropole Durban über die Bühne ging.

Mit dabei waren auch mehrere Schweizer Afrika-Spezialisten – auf der Suche nach neuen Impulsen, frischen Ideen und einem engen Austausch mit ihren Partnern vor Ort. Für sie ist die Messe mehr als nur ein Branchentreff: Sie verbinden den Besuch oft mit Erkundungsreisen oder Ferien auf dem Kontinent, der ihnen beruflich wie persönlich am Herzen liegt.

Travelnews hat drei Schweizer Afrika-Spezialisten zu ihren Eindrücken von der Messe befragt – und dabei aufschlussreiche Perspektiven auf Entwicklungen, Herausforderungen und Trends im Afrika-Tourismus gewonnen.

Indaba bleibt Schlüsselmesse für Afrika-Spezialisten

Auch wenn er organisatorisch durchaus noch Verbesserungspotenzial sieht, zeigt sich Claudio Nauli, Geschäftsführer von Private Safaris, zufrieden mit dem Messeverlauf. «Die relevanten Kontakte konnten wir alle treffen – der persönliche Austausch war effizient und wertvoll», sagt er.

Auch Vanessa Hägeli, Product Manager südliches Afrika bei Knecht Reisen, die zusammen mit Nathalie da Costa von Voyageplan Montreux an der Messe war, zieht ein positives Fazit: «Unsere Erwartungen wurden erfüllt. Wir konnten bestehende Partnerschaften vertiefen, uns über Produktneuheiten informieren und neue Kooperationen ins Auge fassen», so Hägeli.

Besonders wertvoll sei zudem der Austausch mit potenziellen neuen Partnern gewesen: «Wir kehren mit vielen frischen Ideen und Inspirationen zurück – die Indaba ist und bleibt für uns eine zentrale Fachmesse», sagt sie.

Auch für John Stewardson, Inhaber von Africa Design Travel, ist klar: Diese Reise nach Südafrika hat sich gelohnt. «Meine Erwartungen an die Indaba wurden voll und ganz erfüllt», so der Afrika-Kenner. «Wir teilen unsere Destinationen zwischen ITB – mit Fokus auf Ostafrika – und der Indaba, die sich eher auf das südliche Afrika konzentriert, auf. Das lässt mir in Durban mehr Zeit zum Networken.»

Schweizer Reisende entdecken neue Ziele

Abseits der Klassiker rücken zunehmend weniger bereiste Länder in den Fokus von Afrika-Reisenden. Claudio Nauli nennt etwa Sambia, Simbabwe, Uganda und Ruanda als Beispiele: «Diese Destinationen liegen im Trend, wenn auch noch auf vergleichsweise kleinem Niveau. Sie sprechen Reisende an, die authentische Erlebnisse fernab des Massentourismus suchen», erklärt der Geschäftsführer von Private Safaris.

Auch die anderen Schweizer Afrika-Spezialisten bestätigen diese Entwicklung. «Besonders Sambia und Mosambik rücken zunehmend ins Interesse unserer Kundschaft», sagt Vanessa Hägeli von Knecht Reisen. «Beide Länder überzeugen mit hochwertigen Produkten und ermöglichen eindrückliche Reise-Erlebnisse.» John Stewardson von Africa Design Travel ergänzt: «Wir freuen uns besonders über die Zunahme an Buchungen für Reisen nach Simbabwe und Sambia.»

Spannend ist die Entwicklung in Südafrika. Während der deutsche Quellmarkt schwächelt – minus 2,6 Prozent von Januar bis März 2025 –, spüren die Schweizer Anbieter keinerlei Zurückhaltung. «Südafrika ist bei uns, genau gleich wie Namibia und Tansania, eines der gefragtesten Ziele und legt dieses Jahr nochmals zu», so Claudio Nauli. Private Safaris liege bei den Buchungen rund zehn Prozent über Vorjahr.

Clifton Beach und die luxuriösen Apartments in Kapstadt – eine der begehrtesten Wohn- und Ferienlagen Südafrikas. Bild: Adobe Stock

Ins gleiche Horn bläst Vanessa Hägeli. «Wir blicken auf positive Zahlen», sagt sie. «Das südliche Afrika bleibt für uns ein wichtiger Teil unseres Tour-Operating-Angebots.»

Auch John Stewardson berichtet von erfreulichen Buchungszahlen für Südafrika-Reisen. «Unsere Partner sagen oft, dass Schweizer Gäste den schwächelnden deutschen Markt zwar nicht vollständig kompensieren, aber dennoch in bemerkenswerter Zahl reisen», so Stewardson. Neben Südafrika zählen bei Africa Design Travel auch Namibia, Botswana und Tansania zu den besonders beliebten Destinationen.

Wachstum mit Stolpersteinen

Neben guten Buchungszahlen und erfreulichen Trends sehen sich die Schweizer Afrika-Spezialisten auch mit Herausforderungen konfrontiert. So weist Vanessa Hägeli von Knecht Reisen darauf hin, dass es bereits jetzt zu Kapazitätsengpässen komme – teilweise sogar schon mit Blick auf das Jahr 2026: «Gerade in der Hochsaison sind gewisse Unterkünfte oder Services nur noch eingeschränkt verfügbar», erklärt sie

Ähnliche Erfahrungen macht auch Claudio Nauli von Private Safaris. Er berichtet von zunehmenden Verfügbarkeitsproblemen in Namibia – und zeigt sich zugleich besorgt über aktuelle Entwicklungen in Tansania.

Dort habe die Regierung angekündigt, touristische Leistungen künftig ausschliesslich in der Landeswährung, dem Tansania-Schilling (TZS), abrechnen zu wollen. «Das sorgt für grosse Verunsicherung in der Branche», sagt Nauli. «Zumal der Tansania-Schilling in der Schweiz gar nicht erhältlich ist.» Noch sei das letzte Wort in dieser Angelegenheit nicht gesprochen. «Denn die Tourismusbranche wehrt sich vehement gegen diese Regelung», so der Geschäftsführer von Private Safaris.

John Stewardson wünscht sich zusätzliche Flugkapazitäten, insbesondere in den Herbstmonaten. «Die aktuellen Flugpreise und die knappen Verfügbarkeiten an Wochenenden zwischen September und November stellen derzeit wohl die grösste Herausforderung dar», erklärt er. «Viele unserer Kundinnen und Kunden bevorzugen Direktverbindungen – diese sind jedoch häufig mit hohen Tarifen verbunden.»

Doch trotz zunehmender Kapazitätsengpässe und einzelner politischer wie wirtschaftlicher Unsicherheiten bleibt der Optimismus der Schweizer Afrika-Spezialisten ungebrochen. Sie sehen den Kontinent touristisch weiter im Aufwind.