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Das sind die fünf schönsten Schluchten
Heinz StaffelbachTiefe Taleinschnitte und Schluchten faszinieren uns: In dieser Welt zwischen Himmel und Erde fühlen wir uns wie in einer verträumten Märchenwelt, hier staunen wir ob der Kraft des tosenden Wassers und ob des Zaubers von kleinen Wasserfällen, und hier streichen wir mit unseren Händen über weiche Moospolster und lauschen den Geräuschen dieser magischen Welt.
Tobel und Schluchten sind zu jeder Jahreszeit ein lohnendes Wanderziel; im Sommer schattig und kühl, und nach guten Regen voll der Kraft des Wassers. Hier finden Sie fünf der lohnendsten Ausflugsziele zu kleinen und grossen Schluchten und Tobeln. Je nach Lust und Laune durchwandert man sie bergauf oder dann talwärts.
Aa-Schlucht, Engelberg OW
Diese Wanderung in der Innerschweiz hat ein paar grosse Vorzüge für Genuss-Wanderer. Zuerst einmal startet sie in Engelberg, und damit steht man bereits mitten in einem eindrücklichen Bergkranz, zu dem auch der Titlis gehört. Wer nach einer längeren Anreise noch eine Stärkung braucht, besucht eines der Restaurants im Dorf – oder setzt sich auf eine Bank am idyllischen Eugenisee und macht sich an die mitgebrachten Leckereien.
Wer enge, dunkle Schluchten nicht mag, ist im vergleichsweise offenen und hellen Tal der Engelberger Aa genau richtig. Kurz nach Obermatt weitet sich der Bacheinschnitt gar auf, und auf dem weiten Talboden geht es zur Bahnstation Grafenort. Beinahe Glück hat man, wenn einem der Zug vor der Nase wegfährt – denn dann geniesst man in der Wirtschaft ein Honig-Zwetschgen-Parfait oder ein Quitten-Tiramisu.
Die Wanderung: Von Engelberg auf der Route 40 ViaSbrinz zur Bahnstation Grafenort. 9 km, 20 m Aufstieg, 450 m Abstieg, ca. 2 ¼ Stunden, Schwierigkeit T2
Info: www.engelberg.ch
Gorges de l’Areuse, Boudry NE
Die Areuse ist so etwas wie ein heimlicher Star im Kanton Neuenburg. Der offizielle Ursprung des bedeutendsten Flusses im Kanton liegt bei der Source de l’Areuse, also der Areuse-Quelle bei Saint-Sulpice. Hier hat sie aber, unsichtbar im Untergrund, bereits zahllose Bächlein und Gerinne aus der Umgebung gesammelt, darunter auch die Abflüsse des Lac des Taillères sechs Kilometer weiter nördlich. Bei Noiraigue dann durchsticht sie eine hohe Jurakette und hat sich nicht weniger als 800 Meter tief eingeschnitten.
Zusammen mit dem bekannten Creux du Van bilden die Gorges de l’Areuse eine Landschaft von nationaler Bedeutung. Auf beinahe zehn Kilometern kann man diese lange und eindrückliche Schlucht durchwandern, bis man kurz vor dem Neuenburgersee wieder in die weite Landschaft hinaustritt.
Die Wanderung: Von Noiraigue durch die Gorges de l’Areuse bis zur Bahnstation Boudry. 11.5 km, 170 m Aufstieg, 410 m Abstieg, ca. 3 Stunden, Schwierigkeit T2
Info: www.boudry.ch, www.j3l.ch
Sihl mit Sihlsprung ZG, ZH
Die Sihl weiss, was sie will! Denn statt nach dem Sihlsee auf kürzestem Weg hinunter in den Zürichsee zu fliessen, hat sie sich entschieden, noch etwas in den Höhenzügen zwischen dem Zürich- und Zugersee zu bleiben. Sogar den Hüttnersee lässt sie unter sich liegen und umfliesst ihn wie auf einem 40 Meter hohen Viadukt. Geologen sehen da natürlich nicht eine Bergverliebtheit als Grund für diese Routenwahl, sondern die mannigfaltige Moränenlandschaft.
Auf jeden Fall: Vor der geschäftigen Stadt Zürich und ihren Vororten geht es an der Sihl zwischen Schönenberg und Neuheim nochmals so richtig entspannt und idyllisch zu und her. Höhepunkt des Tales ist die schluchtartige Verengung bei Aesch. Hier liegt auch der Sihlsprung, mit kleinen Stromschnellen und riesigen Nagelfluhbrocken. Für Grillfans gibt es auch mehrere Feuerstellen.
Die Wanderung: Von Schönenberg ZH, Neubad hinab zur Sihl und dieser, meist rechtsseitig, entlang bis nach Neuheim, Tal. 8,2 km, 120 m Aufstieg, 220 m Abstieg, ca. 2 Stunden, Schwierigkeit T1
Info: www.zug-tourismus.ch
Tüfelsschlucht, Hägendorf SO
Vor langer Zeit war oben auf dem Allerheiligenberg, nicht weit von Hägendorf, der Teufel unterwegs – er wollte eine arme Seele in der Hölle abliefern. Da hat er sich verlaufen und ist in die Schlucht des Cholerebachs geraten. Ganz verzückt ob dieser ihm unbekannten Sache ist er ins Wasser gesprungen und hat darin wild herumgestampft – so sehr, dass die Hägendorfer dunkle Wolken über der Schlucht aufsteigen sahen. Erst ein Kapuzinerpater konnte dem Unwesen ein Ende setzen. Heute führt ein aufwändiger Weg durch die fast drei Kilometer lange Schlucht, mit 37 Brücken und Stegen und an fünf Wasserfällen vorbei. Vom oberen Ende ist es nicht mehr weit zum Aussichtspunkt Allerheiligenberg. Zurück geht es über Richenwil und den unteren Teil der Schlucht.
Die Wanderung: Vom Bahnhof Hägendorf durch die Tüfelsschlucht hoch nach Allerheiligenberg und via Richenwil zurück nach Hägendorf. 10 km, je 450 m Auf- und Abstieg, ca. 3 Stunden, Schwierigkeit T1
Info: www.tüfelsschlucht.ch
Twannbachschlucht BE
Was für ein Kontrast! Wo man unten an den Gestaden in Twann über die glitzernde weite Fläche des Bielersees schaut, in einem Restaurant einen leckeren Fisch geniesst oder durch die Weinberge spaziert, da versteckt sich gleich daneben ein wildes und eindrückliches Naturschauspiel: die Schlucht des Twannbaches. Dieser hat sich über Jahrmillionen mehr als 200 Meter durch eine Jura-Bergkette gefressen.
Heute führt ein Wanderweg durch die ganze Twannbachschlucht. Von den Stegen aus lassen sich mit einem Stativ wunderschöne Langzeitaufnahmen des Wassers machen. Wichtig zu wissen: Etwa von Anfang November bis in den April hinein ist der Weg dem Bach entlang gesperrt, dann muss man auf eine höher gelegene, sichere Route ausweichen.
Die Wanderung: Von Prêles, collège durch die Schlucht zur Bahnstation Twann. 4 km, 20 m Aufstieg, 390 m Abstieg, ca. 1 ¼ Stunden.