Here & There

Noch wenig bekannt in Kroatien: Insel Dugi Otok in der Region Zadar. Bild: Adobe Stock

Die touristischen Perlen im Balkan aus erster Hand

Markus Fässler

Nationalparks, Urwälder, Seen, Berge, Meer und mehr: Der Balkan ist eine Fundgrube an Highlights. Die Spezialisten für Balkanreisen verraten ihre Geheimtipps.

Albanien

Die verwunschenen Berge oder auf Albanisch «Bjeshkët e Namuna» liegen in der Kelmend Region. «Das Gebiet eignet sich als Ausganspunkt für verschiedene Wanderungen wie etwa diejenige von Lepushe auf den Maja e Vajushes mit einem Abstieg nach Montenegro ins Grebaja-Tal», sagt Saimir Shala, Geschäftsführer von Albanien Reisen in Zürich.

Obwohl viele Wanderwege markiert wurden, legt er für Touren in der Region einen Guide oder zumindest ein GPS-Gerät nahe. Bei Touristen noch praktisch unbekannt ist das Permet-Tal. Hier fliesst mit der Vjosa einer der letzten Wildflüsse Europas. Im Dorf Benje, rund 30 Minuten von der Kleinstadt Permet entfernt, kann man in den warmen, schwefelhaltigen Thermalquellen baden und die Aussicht auf die alte osmanische Katiubrücke und die Bergkulisse geniessen. www.albanienreisen.ch

Kosovo

Für Kosovo-Geheimtipps ist Leyla Ibrahimi-Salahi, VR-Präsidentin und CEO des Zürcher Flugveranstalters Air Prishtina, die richtige Ansprechpartnerin. Besonders interessant ist laut ihr Prizren im Süden des Landes. Hier reihen sich Moscheen an orthodoxe und katholische Kirchen. «Die Offenheit und der multikulturelle Charakter Prizrens sind allerorts spürbar. Kein Wunder, gilt die Stadt heute als Symbol von Frieden und Toleranz», so Ibrahimi-Salahi.

Ein Zeuge der architektonischen Leistung des osmanischen Reiches ist die Schneiderbrücke bei Gjakova. Sie stammt aus dem 15. Jahrhundert und wurde von der Schneider-Zunft in Auftrag gegeben, um den Fluss Erenik zu überwinden und somit wichtige Handelswege zu sichern. www.airprishtina.com

In Prizren im Süden des Kosovos reihen sich Moscheen an orthodoxe und katholische Kirchen. Bild: Adobe Stock

Nordmazedonien

«Nordmazedonien ist als Reiseland von den grossen Massen noch nicht entdeckt worden», sagt Leyla Ibrahimi-Salahi von Air Prishtina. Sie empfiehlt Touristen einen Besuch der Matka-Schlucht im westlichen Umland von Skopje. «Auf dem gleichnamigen Stausee sind Bootstouren auch in Kombination mit dem Besuch einer der Tropfsteinhöhlen möglich.» Ibrahimi-Salahis Favorit: die Vrelo-Höhle mit ihren zwei unterirdischen Seen.

Ein kulinarischer Höhepunkt wartet nach der Fahrt durch die Weiten Pelagoniens, der grösste Ebene Mazedoniens, im Weinanbaugebiet der Region Tikves. Natürlich darf eine Degustation nicht fehlen. www.airprishtina.com

Empfehlenswert: ein Besuch der Matka-Schlucht im westlichen Umland von Skopje. Bild: Adobe Stock

Montenegro

Die Halbinsel Lustica ist wegen des The Chedi Lustica Bay von Sami Sawiris zwar keine Unbekannte. Und trotzdem finden sich hier versteckte Orte: «Der Strand Mirista Zanjice ist noch ein echter Geheimtipp», sagt Marco Wipfli, Inhaber vom auf Montenegro spezialisierten Reisebüro Meersicht in Zürich. Weitere touristische Perlen hat Wipflis Mitarbeiterin Mojca Dvorak auf Lager. Zum Beispiel den rund 100 Kilometer von Podgorica gelegenen Biogradska Gora, einer der fünf Nationalparks des Landes. «Er beherbergt einen der letzten Urwälder Europas. Zudem finden sich sechs Gletscherseen im Gebiet. Es warten unzählige Wandermöglichkeiten», so Dvorak. www.meersicht.ch

Bosnien und Herzegowina

Bosnien und Herzegowina ist an sich bereits ein Geheimtipp. Die südlich gelegene Herzegowina verfügt sogar über einen 25 Kilometer langen Küstenstreifen. «Hier lohnt sich eine Bootsfahrt im Neretva-Delta», sagt Nikolina Vego. Sie ist Inhaberin von Bosnien und Herzegowina-Spezialist Narenta Travel in Reinach BL.

Auf der Fahrt ist man abwechslungsweise in Kroatien sowie Bosnien und Herzegowina unterwegs. Im Landesinneren hat Vego die Vjetrenica-Höhle in der Gemeinde Ravno, die sich in den vergangenen Jahren zudem zu einem Eldorado für Velofahrer entwickelte, als Geheimtipp parat. «Wer die Höhle erforscht, trifft allenfalls auf den Grottenolm, einen drachenähnlichen Salamander», so Vego. www.narenta.ch

Hier sind nur wenige Touristen auszumachen, im Neretva-Delta in Herzegowina. Bild: charlesmagne

Serbien

Djavolja Varos, die Teufelsstadt: Der Name mag einen im ersten Moment abschrecken. Aber 27 Kilometer südöstlich von Kuršumlija gelegen, trifft man glücklicherweise nicht auf den wahrhaftigen Teufel. Dafür auf ein eindrückliches Naturphänomen in Form von 200 rötlichen Erdpyramiden. «Weht der Wind durch die Schlucht, ist ein Heulton zu hören», sagt Dejan Knezevic, deutschsprachiger Reiseführer aus Novi Sad und Mitarbeiter beim Serbien-Reiseportal «ns-geotours» von Panacomp Wonderland Travel in Belgrad.

Nicht auslassen sollte man zudem eine Kajak-Tour auf der Uvac, die gemächlich zwischen den Bergen Zlatar und Zlatibor im Südwesten Serbiens fliesst. «Vom Fluss kann man zahlreiche Höhlen mit imposanten Höhlensystemen erkunden und viele geschützte Vogel- und Geierarten, wie etwa den seltenen Gänsegeier, beobachten», so Knezevic. Gut zu wissen: Wanderungen auf den Kreten in der Region sind nur mit professionellen Guides erlaubt. www.ns-geotours.com

Kroatien

Kroatien ist nicht nur Strand und Meer. Auch das Landesinnere hat seinen Reiz, wie Tomislav Racic, Inhaber des Kroatien-Spezialisten Croaticum im Glattpark, weiss. «Lika mit dem Velebitgebirge ist eine Region mit einem wunderbaren Klima und grün, soweit das Auge reicht. Perfekt für Ferien in der Natur.» Gut zu wissen: Da die Region noch weit davon entfernt ist, eine touristische Hochburg zu sein, fahren öffentliche Verkehrsmittel nicht den ganzen Tag und der Dorfladen hat nur ein paar Stunden täglich geöffnet.

Weiter rät Racic Touristen einen Besuch auf der Insel Dugi Otok in der Region Zadar. «Die wenigsten wissen, dass die Insel neben dem berühmten Nationalpark Kornati zahlreiche spannende Fleckchen wie den Leuchtturm in Veli Rat oder schöne Sandstrände wie Sakarun beherbergt.» www.croaticum.ch

Slowenien 

In Slowenien haben Touristen die Möglichkeit, einen echten König zu sehen: den Braunbären. «Wir nennen ihn den König der slowenischen Wälder», sagt Marinella Savarin-Petek, Inhaberin von Slowenien-Spezialist SlowTravel in Zürich. Ein geführter Ausflug in die dichten Wälder Sloweniens, um die majestätischen Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten, ist daher ein Muss. Raus aus dem Wald geht es ans Wasser. «Für Fliegenfischer ist Slowenien dank des grossen Bestandes an Marmorata-Forellen ein Geheimtipp.» Übernachten tut man gemäss Marinella Savarin-Petek übrigens am besten in speziellen Unterkünften wie Land- oder Bauernhäuser. So erlebt man die Traditionen des Landes zu hautnahe. www.slow-travel.ch

Der Bleder See in Slowenien bezaubert im Morgenlicht. Bild: Adobe Stock