Future

Das malerische Bergdorf Schruns liegt im Herzen des Montafons. Bild: Andreas Haller Montafon Tourismus GmbH

Wie das Montafon den Wintersport neu denkt

Sarah Sidler

Skilifte, Wellness-Oasen und Delikatessen aus Fernost – herkömmlicher Wintertourismus ist eine energetische Herkulesaufgabe. Dass Gastfreundschaft auch im Einklang mit der Natur funktioniert, beweist das Vorarlberger Montafon. Mit dem «Piz Montafon» als Innovations-Hub und engagierten Betrieben vor Ort setzt die Region auf modernste Technologie, regionale Kreisläufe und einen respektvollen Umgang mit der fragilen Bergwelt.

Wintersportgebiete benötigen eine Unmenge an Energie: Skilifte und Gondeln müssen betrieben werden, Wellnessanlagen beheizt und nicht selten stehen den Gästen exquisite Lebensmittel aus aller Welt zur Verfügung.

Dass es auch anders geht, beweisen Gastgebende im Montafon. Das rund 39 Kilometer lange Tal liegt im äussersten Westen Österreichs – im Bundesland Vorarlberg, südlich von Bludenz. Die malerische Hochebene ist von den Gebirgsgruppen Rätikon, Silvretta und Verwall umgeben. In den 18'000 Gästebetten übernachten jährlich rund zwei Millionen Gäste.

Zukunftslabor und Innovations-Hub

Damit die natürliche Schönheit der Region erhalten bleibt, wurde von der lokalen Tourismusorganisation im Jahr 2000 das Piz Montafon gegründet. Das Zukunftslabor für nachhaltigen Tourismus fungiert als erster rein touristischer Innovation-Hub im Alpenraum.

Die natürliche Schönheit der Gegend soll erhalten bleiben. Deshalb ist Nachhaltigkeit im Montafon schon lange Thema. Bild: Andreas Haller Montafon Tourismus GmbH

Ziel: Das Montafon als Modellregion für einen zukunftsfähigen, qualitätsorientierten und nachhaltigen Tourismus zu entwickeln. Sie sind auf gutem Weg: «Wir erhielten das österreichische Umweltzeichen und dürfen unser Konzept regelmässig Nachhaltigkeitsverantwortlichen aus anderen Tourismusgebieten vorstellen», freut sich Heidrun Stoiser, Nachhaltigkeits- und Projektmanagerin von Piz Montafon.

Der Gipfel Muttjöchle ist ein beliebtes Ziel, auch im Winter mit Schneeschuhen. Bild: Stefanie Peiker, Montafon Tourismus

Nachhaltig dank modernster Technologie

Die Arbeit des Hubs gliedert sich in drei zentrale Bereiche. Im ersten entstehen konkrete Hilfsmittel für Gastgebende. Etwa das digitale «Piz Vhotel», das Fachwissen und praktische Tipps zu Energieeffizienz, regionalen Produkten, Mitarbeiterführung und nachhaltiger Mobilität vermittelt. Das Piz durfte seit 2022 bereits 16 Betriebe aus dem Montafon zertifizieren.

Ein weiterer Betrieb, der mit einer Kooperation liebäugelt, ist das 2023 neu eröffnete Posthotel Taube. Das frisch renovierte Viersterneplus-Haus im Herzen von Schruns zählt 48 grosszügige Zimmer und Suiten. Alle Zimmer sind unterschiedlich gestaltet. Sie verfügen beispielsweise über eine eigene Sauna, einen eigenen Lift oder ein Stockbett für Kinder.

Das Posthotel Taube in Schruns ist während 365 Tagen für seine Gäste da. Bild: danielzangerl

Die Hotelbar Schurle-Halle ist ab 11 Uhr geöffnet und vereint auf zwei Stockwerken Einheimische mit Gästen aus aller Welt. Das à-la-Carte-Restaurant wird in drei Stuben bewirtet. Während im Sommer der Gartenpavillon mit einem Teppanyaki-Grill lockt, gibt es in den Wintermonaten wöchentlich Degustationen im edlen Weinkeller. Je nach Saison werden im Jagdhaus Wild oder Käsefondue angeboten. In der 400 Quadratmeter grossen Wellnessanlage locken ein beheizter Aussenpool, ein Hot Tub, verschiedene Saunen und Ruheräume sowie Spa-Behandlungen zum Entspannen.

Effiziente Heizsysteme und LED-Beleuchtung

«Unsere Nachhaltigkeitsbestrebungen sind uns sehr wichtig und umfassen bereits mehrere Bereiche», sagt Katharina Skopnik, Marketingmanagerin vom Posthotel Taube. «Wir arbeiten eng mit lokalen Produzenten zusammen, um Transportwege zu minimieren und die regionale Wirtschaft zu stärken.» Das Viersterneplus-Hotel setzt auf moderne Technologien zur Reduktion des Energieverbrauchs, wie effiziente Heizsysteme und LED-Beleuchtung. «Wir achten auf eine konsequente Mülltrennung und reduzieren Verpackungen, wo immer möglich. Wasser- und Energieeinsparung sind Teil unseres täglichen Betriebs, führt sie aus.

Moderne Technologie hilft in dem Posthotel Taube den Energiehaushalt auch in der Wellnessanlage zu reduzieren. Bild: danielzangerl

Bergsport ja, aber naturverträglich

In der Forschung widmet sich das Piz Montafon übergeordneten Zukunftsfragen, darunter Ganzjahrestourismus, regionale Wertschöpfung oder ressourcenschonende Strategien. Die Netzwerk-Arbeit verknüpft Tourismusbetriebe, Gemeinden, Bergbahnen und weitere regionale Partnerinnen und Partner, um gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln.

Die Initiative Naturverträglicher Bergsport in Montafon setzt sich für tragfähige Lösungen für Erholungssuchende sowie Flora und Fauna ein. Bild: Sarah Sidler

Als Vorzeigeprojekt wird oft die Initiative «Naturverträglicher Bergsport im Montafon» genannt. Immer mehr Menschen entdecken den Bergsport abseits gesicherter Pisten und Routen für sich – sei es beim Freeriden, Skitourengehen, Schneeschuhwandern oder Biken. Was für viele Erholung bedeutet, bringt zugleich Herausforderungen für sensible Naturräume mit sich: Flora und Fauna im Gebirge reagieren empfindlich auf Störungen, der Nutzungsdruck auf bisher ruhige Gebiete steigt.

Mit der Initiative setzen sich verschiedene Akteure gemeinsam dafür ein, bestehende Interessenskonflikte zu entschärfen und tragfähige Lösungen zu finden – für Wildtiere, Wälder und eine respektvolle Ausübung des Winter- und Bergsports im freien Gelände.

Die Naturführerin Stefanie Peiker sensibilisiert sowohl Einheimische als auch Touristen für die Schönheit und Fragilität der Natur. Bild: Stefanie Peiker

Eine der Akteurinnen ist die Wander- und Naturführerin Stefanie Peiker. Sie betreut unter anderem das Europaschutzgebiet Verwallgebirge. Die Montafonerin erarbeitet Lenkungsmassnahmen und setzt diese mit um. Weiter sensibilisiert sie Einheimische wie auch Touristen auf Touren für die Schönheit und Fragilität der Natur. Auch das Vorspuren der Schneeschuh-Trails und die Kontrolle der Infrastruktur gehören zu ihren Arbeiten.

Weiter erteilt Stefanie Peiker Umweltbildung und erfasst mittels Monitoring seltene Pflanzen und Tiere wie Auerhühner und wildwachsende Alpenglockenblumen. Wer mit ihr unterwegs ist, erfährt auf sympathische Weise, wieso diese Region so schützenswert ist.

So gut kann Nachhaltigkeit schmecken

Ein Piz-Partner der ersten Stunde ist Verner’s 2020, ein Partnerbetrieb des Vereins «bewusstmontafon» auf dem Bartolomäberg. Der Hof von Doris und Harald Bitschau bietet Koch- und weitere Events mit einmaligem Ausblick auf das Falknisgebirge an.

Auf dem Vernerhof werden bis zu 100 Events jährlich durchgeführt. Bild: Alexander Kuster, bewusst montafon

Weiter halten und züchten sie das vom Aussterben bedrohte Montafoner Steinschaf. Sie bieten ihren Tieren ein artgerechtes Leben auf blühenden Bergweiden, bevor sie auf ihrem Hof zu begehrten Spezialitäten verarbeitet werden. «Wir beliefern verschiedene lokale Gourmetköche mit unserem Fleisch», sagt Doris Bitschau. Um Foodwaste zu verhindern, gilt die Devise «from Nose to Tail».

Die Landwirtin und Gastgeberin verarbeitet die Wolle der seltenen Tiere zu hübschen Produkten wie wärmende Kleider, Untersetzer und verziert sogar Grusskarten damit. Sind keine Gäste zu betreuen, brennt ihr Mann in der Alpinen Schaubrennerei Edelbrände, meist aus Kräutern der umliegenden Wiesen. Sohn Johannes braut seine ausgezeichneten Muntabrew-Biere. Die Familie zeigt ihren Gästen gerne auch in Kursen und Verkostungen, wie genussvoll gelebte Nachhaltigkeit schmecken kann.