Future
Einwurf KI, die Reisebranche und das Reisen
Vanessa BayKlar, zunächst können wir ganz gewiss davon ausgehen, dass der Trend vorerst anhalten wird. Und natürlich greift er auf die Reisebüros über. Denn die wirtschaftliche Logik geht ja in etwa so: Mehr Menschen planen ihre Ferien mittels KI. Also gehen weniger Menschen ins Reisebüro. Also geraten die Reisebüros unter wirtschaftlichen Druck. Also müssen sie Kosten sparen. Also setzen sie vermehrt KI ein statt teurem Personal, das sachkundig ist (was in unserem Fall ja beinhaltet, dass die Reiseprofis auch selbst viel reisen – so sollte es zumindest sein).
Die KI wiederum reist ja persönlich nicht gerade ausgiebig. Sie ist also darauf angewiesen, als Rohmaterial für ihre Empfehlungen das zu verwenden, was sich im Netz dazu finden lässt. Dies würde immer mehr zu einer geschlossenen Bubble werden, wo KI KI kopiert. Dann ist es nicht mehr weit bis zum Punkt, wo Reisende Reisen planen zu Destinationen, die es ausserhalb dieser Bubble gar nicht gibt. Das wiederum könnte bei der Reisedurchführung dann gelegentlich einige Unannehmlichkeiten mit sich bringen.
«Vielleicht wird nach einem ersten Boom eine gewisse Ernüchterung eintreten, so dass plötzlich wieder 'Mensch' im Trend ist.»
Aber da Reisen ja eigentlich immer ein Abenteuer sein sollte, sehe ich dabei natürlich auch Chancen. Was könnte spannender sein, als von einer gemachten Reise in ein Land oder eine Stadt zu berichten, die es auf dieser Erde gar nicht gibt? Spass beiseite ... und ganz unzynisch jetzt: Vielleicht eröffnet der KI-Trend ja auch ganz andere Chancen. Vielleicht wird nach einem ersten Boom eine gewisse Ernüchterung eintreten, so dass plötzlich wieder «Mensch» im Trend ist. Dass es wieder interessant ist, den Tankstellenwart zu fragen, «dove si mangia bene?», anstatt in einem Restaurant zu dinieren, in dem alle von KI hergelotst wurden. Oder dass es wieder attraktiver wird, seine Ferien mit Menschen im Reisebüro zu planen, die aus eigener Erfahrung aus dem angestrebten Land der Träume berichten können. Voraussetzung dafür ist, dass die Beraterin oder der Berater für das Reisen brennt und mit den Kunden und deren Wünschen vertraut ist. Das A und O bleibt natürlich, dass bis dann immer noch solche Menschen in Reisebüros tätig sind.
Besonders optimistisch bin ich da zwar auch wieder nicht. «Ihr persönlicher Bankberater» – um eine andere Branche zum Vergleich zu nehmen – empfiehlt Ihnen ja schon seit Jahren nur noch, was ihm die Algorithmen seiner Marketingabteilung vorgekaut haben. Und zwar sogar schon lange bevor KI in aller Munde war.
Dass KI immer mehr eine nützliche Hilfe sein kann, will ich mit all dem gar nicht bestreiten. Meine Zweifel betreffen nicht die Leistungsfähigkeit der KI-Systeme. Die nimmt ja mit apokalyptischer Schnelligkeit zu. Nein, meine Zweifel betreffen die Abenteuer- und Entdeckungslust der Reisenden, die im gleichen Masse abnimmt, wie das Sicherheitsbedürfnis nach einer lückenlos zuverlässigen Reiseplanung ohne Risiken zunimmt.
Auch da könnte die Reisebranche für sich neue Chancen erblicken!
Apropos Risiko: Bei keinem Thema ist derzeit das Risiko für Fehlprognosen so gross wie bei der KI. Also: Alles ohne Gewähr! Fragen Sie Ihren Reisebüroberater oder Ihre Reisebüroberaterin!