Future
Japan baut am schnellsten Zug der Welt
Japan arbeitet an einem Bahnprojekt, das die bisherigen Geschwindigkeitsrekorde im Schienenverkehr deutlich übertreffen soll. Mit der L0-Serie testet die Central Japan Railway Company (JR Central) einen Magnetschwebezug, der künftig mit bis zu 603,5 Kilometern pro Stunde unterwegs sein könnte – schneller als jeder bisher kommerziell eingesetzte Zug weltweit.
Damit würde die L0-Serie selbst den Shanghai Maglev in China überholen, der aktuell Spitzenwerte von rund 460 Kilometer pro Stunde erreicht. Zum Vergleich: Europas schnellste Hochgeschwindigkeitszüge wie der französische TGV oder der italienische AGV Italo verkehren im Regelbetrieb mit maximal etwa 300 bis 360 Kilometern pro Stunde.
Magnetschwebe-Technik statt Räder
Der enorme Geschwindigkeitsvorteil der L0-Serie liegt in ihrer Technik: Der Zug schwebt mithilfe starker Magnetfelder wenige Zentimeter über der Fahrbahn und wird von linearen Elektromotoren angetrieben. Reibung durch Räder entfällt weitgehend – der Zug gleitet nahezu lautlos durch speziell gebaute Tunnel.
Konkret soll die neue Verbindung die Reisezeit zwischen Tokio und Osaka drastisch verkürzen. Während heutige Shinkansen-Verbindungen für die Strecke je nach Zugtyp zwischen gut zwei und vier Stunden benötigen, peilt JR Central mit der L0-Serie eine Fahrzeit von rund einer Stunde an.
Der technologische Fortschritt hat seinen Preis: Die bisherigen Investitionen belaufen sich auf umgerechnet rund 55 Milliarden Franken, wie «Euronews» schreibt. Ursprünglich war eine Inbetriebnahme für 2027 vorgesehen, inzwischen wurde der Zeitplan jedoch um mehrere Jahre nach hinten verschoben. Ein realistischer Start wird aktuell zwischen 2034 und 2035 erwartet.
Zug-Fans freuen sich über die Entwicklung. Doch die entscheidende Frage bleibt: Lässt sich dieser Zug ausserhalb Japans einsetzen, etwa in Europa? Die Integration eines derart schnellen Zuges in europäischen Markt dürfte schwieriger sein als gedacht. Hier zählen Komfort, Reise-Erlebnis, Luxus und gute Zugänglichkeit oft genauso viel, wenn nicht mehr.
Nur auf klar funktionalen Geschäftsstrecken, etwa von London nach Paris oder von London nach Brüssel, hätte ein Ultrahochgeschwindigkeitszug Vorteile. Sonst geriete er in diesen Märkten schnell ins Hintertreffen.