Future
Der Elefant im Raum beim Zukunftstalk
Gregor WaserIm Anschluss an die Mitgliederversammlung der Non-Profit-Organisation Fairunterwegs kam es diese Woche zu einem spannenden Podiumstalk, der die aktuellen Herausforderungen und Irrungen der heutigen Tourismusindustrie aufzeigen wollte. Im Quartierzentrum Bäckeranlage in Zürich tauschten sich aus:
- Saskia Weber, Nachhaltigkeitsverantwortliche Interhome
- Mathias Binswanger, Glücksforscher, Professor für Volkswirtschaftslehre
- Leonard Creutzburg, Nachhaltigkeitsexperte und Co-Leiter One-Planet-Lab
- Jon Andrea Florin, Geschäftsleiter von Fairunterwegs (Moderation)
Natürlich reichten die 75 Minuten nicht, um das Thema «Tourismus, Gück und planetare Grenzen» umfassend abzuhandeln. Die 40 Gäste erhielten gleichwohl spannende Lösungs- und Gedankenansätze, wie sich das Reise- und Tourismusverhalten künftig ändern müsste, um angepeilte Klimaziele noch zu erreichen.
Reisen zum Selbstzweck
Zunächst ging es um Glücksmomente auf Reisen und bald kam dabei die Reisedauer zur Sprache. «Statt 10 Mal kurz zu verreisen, sorgt ein längerer Aufenthalt für mehr Zufriedenheit», findet Saskia Weber von Interhome. Leonard Creutzburg vom One-Planet-Lab sieht den Swiss-Slogan «been there, done that» und das Reisen zum Selbstzweck als kritisch an.
Glücksforscher Matthias Binswanger sagt, es sehe doch vermehrt überall gleich aus und Reisen sollten doch überraschend und inspirierend sein, doch oft sei schon vorher alles detailliert durchorgansiert, bis zur Tischnummer und Menüauswahl.
Binswanger und Creutzburg hielten fest, dass die Zufriedenheit der Menschen ab einem gewissen Punkt nicht mehr ans Wirtschaftswachstum gekoppelt ist. Creutzburg sieht gar eine Korrelation zur wachsenden Beliebtheit von Flugreisen in der Schweiz: Ferien sollen der Unzufriedenheit entgegenwirken. Jedoch bezweifle er, dass häufige Ausflüge in ferne Destinationen die erhoffte Wirkung erzielen. Binswanger fasst dies treffend mit dem Satz zusammen: «Essen macht ja auch glücklich, aber natürlich nur wenn man zuvor hungrig ist.»
Katze beisst sich in den Schwanz
Moderator Jon Andrea Florin brachte das Stichwort «Regulierung» auf. Leonard Creutzburg bezeichnete das Fliegen und die Emissionen der Fliegerei als Elefant im Raum, den es anzusprechen gelte. Er verwies auf die Besteuerung von Flugreisen und des Kerosins. «Bei diesem Punkt zeigt sich die Diskrepanz: die Politik will das 1,5-Grad-Ziel einhalten und gleichzeitig subventioniert man den Flughafen-Ausbau – da beisst sich die Katze in den Schwanz.» Das Fliegen solle ja nicht verboten werden, doch die Debatte darüber, wie viel wir in zehn Jahren noch fliegen wollen, wäre wichtig.
Mit der verstärkten Sichtbarkeit von nachhaltigen Angeboten und der prioritären Auflistung solcher Angebote, brachte Saskia Weber den Ansatz der Touroperators mit ein. Und Matthias Binswanger sagte, «eine CO2-Steuer kriegen wir ja nicht hin», er sehe den Lösungsansatz bei Subventionen und dem Ausbau von Nachtzügen.
Entsprechend rege und animiert wurde beim anschliessenden Apéro noch lange darüber diskutiert, wie sich die Tourismusindustrie künftig nachhaltiger aufstellen müsste.