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Einwurf Hebt Donald Trump das Umweltbewusstsein bei Kreuzfahrtschiffen auf?
Thomas P. IllesDie Meldung wurde von zahlreichen Medien breit gestreut: Mit der Disney Adventure des amerikanischen Kreuzfahrtunternehmens Disney Cruise Line hat am temporären Werftstandort Wismar der Papenburger Meyer-Gruppe das grösste jemals in Deutschland gebaute Kreuzfahrtschiff sein Baudock endlich verlassen und soll am 15. Dezember von Singapur zu seiner Jungfernreise aufbrechen.
Bis vor kurzem hätten sich die Medien bei derartigen Meldungen rund um Gigantomanie und grössenmässigen Superlativen sofort kritisch auf das Umweltthema gestürzt und, zum Teil durchaus zu Recht, reflexartig die vermeintliche Unvereinbarkeit solcher «dekadenten Monsterschiffe» beziehungsweise «Dreckschleudern» mit den – bislang gültig geglaubten – Klimazielen aufgegriffen.
Aber oh Wunder – wenig bis nichts dergleichen geschah...
Kreuzfahrtindustrie investiert – Medien schweigen?
Meine zweite Verwunderung: Dass Disney, wie Travelnews bereits vor gut zwei Jahren berichtete, beim infolge der Insolvenz der deutschen MV-Werften-Gruppe und deren Muttergesellschaft Genting Hong Kong übernommenen unfertigen, einst als «Global Dream» vorgesehenen Schiff beispielsweise das Antriebskonzept auf umweltfreundlicheren Methanolbetrieb umgestellt hat, wurde oft ebenfalls mit keinem Wort erwähnt. Auch nicht von zahlreichen, sonst eher kreuzfahrtkritischen Medien.
Dabei wurde die Kreuzfahrtbranche jahrelang heftigst und wiederholt für ihre Wachstumserfolge «ohne erkennbares Engagement für mehr Umweltfreundlichkeit» kritisiert und – ziemlich faktenfremd – als einer der Hauptverursacher für den Klimawandel hochstilisiert.
Und dies, obwohl es, diesmal allerdings faktenbasiert, ausgerechnet die vielgescholtene Kreuzfahrt- und Fährbranche ist, die seit langem oft und wiederholt als technologischer Innovationstreiber für eine insgesamt umweltfreundlichere Schifffahrt – also auch für die von uns allen genutzte Frachtschifffahrt – agiert.
Doch nun, wo sich eine – dazu noch US-Reederei – anschickt, einen vormals nicht sehr umweltfreundlichen Schiffsentwurf, auch dank europäischer Schiffbaukompetenz (aus heutiger geopolitischer Sicht durchaus von Relevanz!), aufwändig auf mehr Umweltfreundlichkeit zu trimmen, ist das den meisten Medien keine Meldung mehr Wert.
Also das verstehe, wer will...
Klimaziele aus dem Blick verloren?
Oder ist die hier beobachtete Abkehr in der Berichterstattung von umweltrelevanten Aspekten und Fortschritten im wichtigen Tourismus- und Wirtschaftszweig Passagierschifffahrt als Zeichen eines aus Washington ausgehenden Paradigmenwechsels Richtung Leugnung des Klimawandels, vermehrter Förderung fossiler Energien und Ignoranz von vormals formulierten Umweltzielen zu werten, dem hiesige Medien unreflektiert folgen?
Das wäre tragisch – und würde dem viel proklamierten Anspruch an Qualitätsjournalismus in keinster Weise entsprechen. Spielen all die vormals so mantraartig beschworenen Klimaziele, die damit einhergehenden Herausforderungen und lautstark geforderten möglichen technologischen Lösungsansätze plötzlich keine Rolle mehr?
Ich hoffe nicht! Denn dazu hat die Passagierschifffahrt in den letzten Jahren zu viel Forschungs- und Entwicklungsaufwand und damit auch Geld investiert, um – ungeachtet, ob dereinst grüne Alternativkraftstoffe auch breitflächig und überall in den notwendigen Mengen verfügbar sein werden – die Schifffahrt generell grüner zu machen.
Dass sich überdies laut Umfragen und messbaren Konsumtrends breite Teile der Bevölkerung zwar nach eigenem Bekunden sehr um Nachhaltigkeit in auch ökologischer Hinsicht sorgen, ihr Reise- und Konsumverhalten bislang aber nach wie vor kaum ändern, ist dann wieder ein anderes Thema.