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Luden zu einem Rundgang bei Gate Gourmet, von links: Markus Binkert (CFO Swiss), Markus Gfeller (Geschäftsführer Gate Group Switzerland) und Martin Bieber (Geschäftsführer Stiftung Wisli). Bild: TN

Wie Gate Gourmet das Fliegen umweltfreundlicher macht

Reto Suter

Gate Gourmet, der weltweit führende Anbieter für Verpflegung an Bord von Flugzeugen, hat Interessierten am Standort Zürich einen Blick hinter die Kulissen gewährt – mit Fokus auf die Nachhaltigkeit.

«Das Essen ist unser Herz und die Logistik unser Kopf», sagt Samuel Schneeberger. Er ist General Manager bei Gate Gourmet Zürich und führt am Mittwochnachmittag geladene Gäste durch die Hallen seines Arbeitgebers am Flughafen Zürich. Insgesamt nehmen rund 60 Interessierte am Event teil, darunter Vertreterinnen und Vertreter von Geschäftspartnern, Behörden und Medien.

Die Küche – sonst ein beliebter Schauplatz bei Rundgängen – bleibt diesmal aussen vor. Im Zentrum steht die Nachhaltigkeit und vor allem die Logistik, die dahintersteckt, um den ökologischen Fussabdruck rund um den Service an Bord zu verringern.

Die Zahlen sind eindrücklich, wie einige Beispiele zeigen: 2,5 Tonnen Besteck werden jeden Tag gewaschen und poliert, 700 Kilo Glas rezykliert, fast 1500 Liter Getränkereste in die Biosgas-Anlage weitergeleitet und an die 4500 Kissen und Decken – allein für die Economy Class – bereitgestellt.

Ganz entscheidend sei, dass sich bereits die Crews an Bord seriös ums Recycling kümmerten, erklärt Melanie Heiniger, Director Corporate Responsibility bei der Swiss. «Hier sind wir laufend daran, die Abläufe zu optimieren.»

Im Zeichen der Nachhaltigkeit installierte Gate Gourmet Zürich eine neue Besteck-Waschanlage. Sie verbrauche viel weniger Wasser als ihre Vorgängerin und sei deshalb deutlich umweltschonender, versichert Schneeberger. Die Reinigungsmaschine enthält Porzellan-Splitter mit Waschmittelzusatz und Wasser, für das Trocknen und Polieren wird Maisgranulat verwendet.

Die Besteck-Waschanlage von Gate Gourmet am Flughafen Zürich. Bild: TN

Nicht in allen Bereichen ist Gate Gourmet punkto Nachhaltigkeit schon auf dem Stand, auf dem es gerne sein möchte. Das hat einerseits mit regulatorischen Vorgaben der Behörden zu tun.

«Wir wollten beispielsweise PET-Plastikbecher rezyklieren», erzählt Schneeberger. Da hätten ihnen die Behörden mitgeteilt, dass das aus hygienischen Gründen nicht gehe, weil die Passagiere die Becher am Mund gehabt hätten. «Gleichzeitig trinken aber auch sehr viele Fluggäste direkt aus der PET-Flasche, und dort ist Rezyklieren wiederum kein Problem», so der General Manager. «Man muss nicht immer alles verstehen.»

Andererseits erweisen sich beim Umweltgedanken auch einzelne Airlines als Bremsklötze. Die Decken werden beispielweise nach wie vor in Plastik eingeschweisst. Ein mögliches Modell, bei dem die Decken nur von einer Banderole umgeben sind, habe sich bisher nicht durchgesetzt, sagt Schneeberger. «Vielleicht müsste man sich auch überlegen, die Decken nur denjenigen Passagieren abzugeben, die auch danach fragen, um Ressourcen zu sparen.»

Samuel Schneeberger (General Manager Gate Gourmet Zürich) erklärt, weshalb die Decken immer noch in Plastik verpackt sind. Bild: TN

Nachhaltigkeit bedeutet für die Swiss und Gate Gourmet nicht nur, auf die Umwelt zu achten, sondern auch, den sozialen Aspekt zu berücksichtigen. Am Flughafen Zürich geht beides zusammen – seit 15 Jahren durch eine Partnerschaft mit der Stiftung Wisli.

Über Integrationsarbeitsplätze bietet sie Menschen die Möglichkeit, wieder in den primären Arbeitsmarkt einzusteigen. Unter anderem eben bei Gate Gourmet. Dort kümmern sich die Mitarbeitenden aus der Stiftung Wisli hauptsächlich um das Besteck-Handling, seit Ende Januar mit Hilfe einer technischen Innovation. Eine neue Anlage erlaubt es, das Besteck nun auch maschinell mit Papier zu verpacken.

Julia Hillenbrand (Swiss Brand Experience) und Markus Binkert (CFO Swiss, beide rote Kopfbedeckungen) informieren sich bei Claudia Angst (Stiftung Wisli) und Samuel Schneeberger (Gate Gourmet) über die Verpackungen für das Besteck. Bild: TN

Wenn es sein muss, wählt Gate Gourmet Zürich auch sehr unkonventionelle Lösungsansätze, um die Abläufe zu vereinfachen und den Mitarbeitenden dadurch Zeit für wichtigere Aufgaben freizuschaufeln. Die so genannten Hot Towels werden nicht mehr von Hand, sondern mit einer alten Gipfeli-Maschine gerollt, die noch im Keller herumstand.