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Im Restaurant Kitchen Republic im Zürcher Kreis 5 arbeitet neu der Roboter Holabot. Firmenchef Daniel Wiesner zieht ein erstes Fazit. Bild: FWG

Der Holabot, das selbstfahrende Serviertablett

Das Restaurant «Kitchen Republic» der Familie Wiesner Gastronomie in Zürich testet den Roboter Holabot, um das Servicepersonal zu entlasten. Im Interview sagt Firmenchef Daniel Wiesner, dass er und sein Team nun wieder mehr Zeit haben, um mit den Gästen zu plaudern.

Das Fehlen erfahrener Fachkräfte stellt die Gastro- und Hotelbranche vor grosse Probleme. Jetzt taucht beim Schweizer Gastrounternehmen «Familie Wiesner Gastronomie» eine neuer Ansatz auf: der Einsatz eines Serviceroboters. Was kann der neue Mitarbeiter namens Holabot? Und sind nun alle Probleme gelöst?

Im Interview sagt Firmenchef Daniel Wiesner, der Einsatz von Robotern stelle keinen Tabubruch dar, sondern soll zu einem verbesserten Service beitragen. Serviceroboter sollen seinem Fachpersonal, lange Wege und dadurch Zeit zu sparen. Zeit, die den Gästen zugutekommen soll.

Daniel Wiesner, wie kam bei Ihnen der Gedanke auf, einen Serviceroboter im eigenen Betrieb zu testen?

Wir verfolgen schon seit längerer Zeit im In- und Ausland, wie Roboter im Service eingesetzt werden. In Madrid und in Asien haben wir auch schon Betriebe mit Robotern besucht. Wir sehen den Roboter-Einsatz als Möglichkeit, unserem Servicepersonal langweilige und wiederholende Arbeiten abzunehmen und den Fachkräften mehr Zeit für spannendere Aufgaben zu lassen. Der Win-Win-Circle: Weniger gestresstes Personal, glücklichere Gäste, zufriedenere Mitarbeiter.

Was sind Ihre Anforderungen an den Serviceroboter und seinen Einsatz im Tagesgeschäft?

Wir erwarten von einem Serviceroboter, dass dieser nach einmaliger Programmierung seine Aufgaben erfüllt. Der Serviceroboter HolaBot, den wir einsetzen, ist im Grunde ein selbstfahrendes Serviertablett. Er fährt Gerichte von zwei Küchen zu vordefinierten Punkten im Gastraum oder zur Take Away- und Delivery-Station zur Weiterverarbeitung. Unsere Servicemitarbeitenden nehmen dann am Haltepunkt des HolaBot im Gästeraum die Speisen entgegen und servieren. Der Roboter bleibt ganz im Hintergrund. Anschliessend transportiert der Roboter gebrauchtes Geschirr wieder ab. Für uns ist wichtig, dass der Serviceroboter sich möglichst unauffällig im Raum bewegt. Keinesfalls soll er die Aufmerksamkeit der Gäste auf sich ziehen.

Sie haben unterschiedliche Konzepte und Betriebe. Wieso wird der Serviceroboter gerade im Restaurant Kitchen Republic getestet?

An diesem Standort sind bereits sehr viele Prozesse teilautomatisiert. Gleichzeitig hat das Restaurant eine Grösse und Komplexität, die zu automatisieren sich lohnt. Im Kitchen Republic spürt das Servicepersonal eingesparte Wege abends buchstäblich, nämlich in den Waden. Wenn bei wärmeren Temperaturen dazu die Terrasse geöffnet ist, wird dieser Effekt nochmals spürbarer.

Soll der HolaBot-Roboter später einmal ausschliesslich im Kitchen Republic eingesetzt werden?

Wenn sich der Serviceroboter bewährt, testen wir ihn möglicherweise noch in einem zweiten Restaurant der «Familie Wiesner Gastronomie», um die Reaktionen von Mitarbeitenden und Gästen abzuholen. Der Test wird erfolgreich sein, wenn durch den Serviceroboter unsere Mitarbeitenden eine messbare Effizienzsteigerung sehen, weniger gestresst sind und mehr Zeit mit den Gästen verbringen können. Und natürlich auch, wenn die Mitarbeitenden den Serviceroboter gerne nutzen.

Wie reagieren Mitarbeiter und Gäste bisher auf den Serviceroboter?

An Neues muss sich der Mensch immer erst einmal gewöhnen. Aber schon nach den ersten Wochen arbeiten unsere Servicemitarbeitende im Restaurant «Kitchen Republic» aktiv mit dem Roboter zusammen und ziehen bereits Nutzen daraus. Ein erstes Fazit ist also durchaus positiv. Ich bin zuversichtlich, dass der Serviceroboter einen wirklichen Vorteil für uns im Ablauf erbringt und dabei hilft, Wege, Traglasten und Zeit einzusparen. Zeit, die wir dann unseren Gästen widmen können.

Unser Serviceroboter hat übrigens keine Vermenschlichung, also weder Augen noch sonst etwas. Wir wollen ganz klar aufzeigen, dass es sich nicht um einen «Ersatzmenschen» handelt, sondern um ein Transportfahrzeug. Und so lenkt das fahrbare Tablett unsere Gäste auch nicht ab. Die Gäste konzentrieren sich auf den Genuss von Speisen und Getränken und auf ihr Gegenüber. Natürlich ist es so, dass viele Gäste noch nie einen Serviceroboter zuvor gesehen haben und trotzdem erst mal schauen. Die Reaktionen sind bis jetzt aber fast ausschliesslich positiv.

Fakten

  • Pilotphase Serviceroboter: November 2022 bis April 2023
  • Test-Einsatzort: Kitchen Republic, Heinrichstrasse 239, 8005 Zürich

(TN)