Flug

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Sieht noch nicht beeindruckend aus: Der Alpha Electro von Pipistrel. Doch bereits in zehn Jahren soll es kommerzielle Elektroflugzeug-Linien, zumindest innerhalb Norwegens, geben. Bild: Pipistrel.si

Sind Elektroflugzeuge die Lösung?

Angesichts schwindender Ölreserven und steigender Umweltbedenken sind auch im globalen Flugverkehr moderne Alternativen gefragt. Die Sache mit dem Biotreibstoff ist umstritten. Norwegen will derweil bereits in zehn Jahren Elektroflugzeuge im kommerziellen Verkehr zulassen.

So richtig revolutionär war das noch nicht, was anfangs dieser Woche in Oslo vor sich ging: Der norwegische Transportminister Kjetil Solvik-Olsen und der CEO der Flughafenbetreiberin Avinor, Dag Falk-Petersen flogen in einem Elektroflugzeug des Typs Alpha Electro G2 eine Runde um den Flughafen Oslo. Das zweiplätzige, von der slowenischen Firma Pipistrel hergestellte  Flugzeug ist ist weltweit das erste Elektroflugzeug, welcher für eine Serienproduktion zugelassen ist. Es kann 130 Kilometer weit fliegen und rund eine Stunde in der Luft bleiben. Avinor und der norwegische Luftsportverband sind Erstkunden dafür.

Das Flugzeug ist natürlich noch kein Quantensprung für die globale Luftfahrt. Für Aufsehen sorgten eher die Ankündigungen rund um diesen Flug. «Wir müssen unbedingt hin zu einer ‚grüneren‘ Luftfahrt», erklärte Solvik-Olsen, «diese muss allerdings auch sicher sein. Wir sehen nun, dass zahlreiche Flugzeugbauer, darunter auch Airbus und Boeing, an Elektroflugzeugen tüfteln. Dieser Umstand sowie rasch sinkende Batteriepreise sollten schon in absehbarer Zeit kommerzielle Flüge auf Elektroflugzeugen ermöglichen.» Das Ziel Norwegens sei, bereits in weniger als zehn Jahren erste kommerzielle Elektroflüge anzubieten und bis 2040 den gesamten Domesticverkehr so abzuwickeln.

Was auf der Strasse funktioniert, könnte auch in der Luft funktionieren

Klingt nach Science-Fiction? Nun ja, das dachte man vor wenigen Jahren auch noch über Elektroautos. Viele Länder tun sich schwer damit, vernünftige Infrastrukturen zu schaffen. Nicht so Norwegen: Dort gibt es ein grosses Netzwerk von «Tankstellen» für die so genannten «El-Autos», spezielle Regelungen im Strassenverkehr (Gratisparkplätze oder Befreiung von Strassenmauten) und der Kauf wird staatlich mit-subventioniert (etwa durch tiefere Steuern auf Elektroautos). Heute ist Norwegen weltweit grösster Nutzer von Elektroautos (pro Kopf) und hat bereits Pläne für die komplette Umstellung des Strassenverkehrs auf Elektro angekündigt.

Auf den Strassen hat Norwegen die «elektrische Revolution» also bereits geschafft, wofür das Land beneidet und beobachtet bzw. kopiert wird. Warum sollte es dann nicht auch in der Luft klappen?

Stein Nilsen, CEO des norwegischen Regionalcarriers Widerøe , hat angekündigt, dass man sich sehr intensiv mit den Möglichkeiten von Elektroflugzeugen auseinandersetzt – ironischerweise im selben Jahr, in welchem Widerøe erstmals auch Jets in die eigene Flotte aufgenommen hat. Laut Nilsen sehe man sich nach Elektroflugzeug-Modellen mit Kapazität für 20-50 Personen und Reichweiten von rund 300 Kilometern um. Eine globale Nachfrage sei da und es werde auch weltweit dafür gearbeitet, doch sei man im Bereich der Elektroflugzeuge noch im Forschungs- und Entwicklungsstadium und weit weg von einer Kommerzialisierung. Dennoch glaubt Nilsen, dass Widerøe bereits in zehn Jahren erste kommerzielle Elektroflüge anbieten wird.

Alles nur ein PR-Stunt?

Natürlich gab es auch Kritik am Vorhaben der norwegischen Regierung. Kein Geringerer als Bjørn Kjos, CEO von Norwegian, sieht keinen Sinn darin, dass die Regierung Geld (sprich: Steuergelder) in den Kauf von Elektroflugzeugen investiert: «Das ist nur ein PR-Stunt. Die würden das Geld besser der Unicef spenden.» Die Entwicklung solle von Flugzeugbauern und Luftfahrtunternehmen angetrieben werden, nicht von politischen Opportunitäten.

Solvik-Olsen liess daraufhin wissen, dass es nicht darum gehe, Boeing oder Airbus oder andere Firmen irgendwie zu unterstützen, sondern schon frühzeitig Rahmenbedingungen zu schaffen, um für das Elektroflug-Zeitalter bereit zu sein.

Für Nilsen von Widerøe  liegt es auf der Hand, dass neue Motortechnologien, günstigere und sicherer Batterien und der weite Einsatz von Karbon zur Senkung des Flugzeuggewichts alles nur eine Frage der Zeit sind. Wichtig sei aber, dass auch von politischer Seite ein Wille zur Umsetzung da sei, der sich im Ausarbeiten neuer Regelwerke und der Bereitstellung entsprechender Infrasturkturen äussert.

Ob sich auch in anderen Ländern die Politik so frühzeitig und dezidiert mit solchen neuen Technologien und der Zukunft der Luftfahrt auseinandersetzt, darf zumindest angezweifelt werden.

(JCR)