Flug

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Mit einer Übernahme von Norwegian könnte sich British-Airways-Mutter IAG weiter gegen die starke Konkurrenz von Billigflug-Gesellschaften rüsten. Bild: Rémy Steiner Photography

British schielt auf Norwegian

British-Airways-Mutter IAG nimmt Billigflieger Norwegian ins Visier.

Die British-Airways-Mutter IAG fasst eine Übernahme des norwegischen Billigfliegers Norwegian ins Auge. Die International Airlines Group (IAG), zu der neben British Airways bereits Fluglinien wie Iberia, Vueling und Aer Lingus gehören, hat bereits rund 4,6 Prozent der Norwegian-Aktien gekauft. Diese Minderheitsbeteiligung solle IAG in eine gute Position für Gespräche mit den Norwegern bringen, teilte IAG am Donnerstag in London mit. Darin könne es dann um ein Gebot für eine Komplettübernahme gehen.

Mit der Stellungnahme reagierte IAG auf einen Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg. Norwegian könnte bei einem solchen Deal inklusive Schulden mit etwa drei Milliarden US-Dollar (2,4 Mrd Euro) bewertet werden. Norwegian war an der Börse vor der Übernahme-Nachricht gut eine Milliarde Dollar wert. Vertreter der norwegischen Airline lehnten eine Stellungnahme zu den IAG-Plänen ab. Norwegian hat in Europa eine Vorreiterrolle bei Billigflügen auf der Langstrecke eingenommen. So fliegt die Airline mit modernen Flugzeugen vom Typ Boeing 787 «Dreamliner» in die USA, etwa nach Florida, New York und Los Angeles. Norwegian betreibt ihrer Internetseite zufolge derzeit 27 Dreamliner-Jets sowie 118 Mittelstreckenjets vom Typ Boeing 737-800, wie sie auch bei Europas grösstem Billigflieger Ryanair im Einsatz sind.

Auch IAG hat Billigflüge auf der Langstrecke für sich entdeckt und unter dem Namen «Level» eine eigene Airline für dieses Geschäftsmodell gegründet. Auf den Europastrecken mischt die spanische IAG-Tochter Vueling im Billigfluggeschäft kräftig mit. Vueling hatte Ende 2017 auch die insolvente Air-Berlin-Tochter Niki übernehmen wollen. Letztlich bekam aber der Niki-Gründer und ehemalige Rennfahrer Niki Lauda den Zuschlag. Er brachte Niki unter dem Namen Laudamotion neu an den Start und will die Gesellschaft nun mehrheitlich an Ryanair verkaufen.

Zu hohe Verschuldung bei Norwegian?

Norwegian hat mit einer aggressiven Expansion auf Langstrecken viel von sich reden gemacht. Die Strategie von Konzernchef Björn Kjos ist abenteuerlich und extrem kostenintensiv. Für das Geschäftsjahr 2017 musste Norwegian im Februar einen Nettoverlust von 30,7 Millionen Euro vermelden. Anfangs April folgte die Meldung, dass Norwegian mehrere transatlantische Routen infolge schwacher Nachfrage eingestellt werden. Konkret ging es um die Routen ab Cork und Shannon in Irland nach Providence (was als Boston-Providence vermarktet wird), sowie ab Edinburgh nach Providence.

Inzwischen hat Norwegian auch bekannt gegeben, dass die Aufnahme von Routen zwischen Europa und Kanada aufs nächste Jahr verschoben wird. Hintergrund sei eine vierwöchige Verspätung bei der Auslieferung der Triebwerke durch General Electric, was die ganzen Verkaufsbemühungen massiv beeinträchtigt habe. Die Flüge hätten am 23. Juli anfangen sollen; nun sind sie zumindest bis Frühjahr 2019 verschoben. Freuen wird sich die in Riga ansässige Norwegian-Konkurrentin Primera Air, welche in diesem Sommer planmässig Low-Cost-Flüge zwischen Toronto und Paris, London sowie Birmingham aufnehmen will.

Norwegian hat überdies auch angekündigt, dass die geplante Aufnahme von Flügem im argentinischen Domesticmarkt verschoben wird - voraussichtlich von August in den Spätherbst. Ob diese Ankündigungen einen Zusammenhang mit den Verhandlungen mit der IAG haben, ist nicht bekannt.

(JCR/AWP)