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Sollen verkauft werden: Die Saab2000 der konkursiten Darwin Airline. Bild: Dreamcatcher68

Darwin-Pleite: Was macht die hohen Verbindlichkeiten aus?

Die Flughäfen Lugano, Sion und Cagliari gehören zu den Gläubigern. Es gibt aber noch offene Fragen rund um die Pleite.

Die Pleite von Darwin Airline zieht weite Kreise. Die Airline, deren Betriebsbewilligung im letzten November von Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) entzogen wurde und die daraufhin Konkurs einreichte, soll gigantische Schulden angehäuft haben. Laut dem Tessiner Sender RSI liegen die Passiven der Gesellschaft (inklusive das auf einen Nullwert zurückgefahrene Aktienkapital) bei 136 Millionen Franken, die Aktiven dagegen bei lediglich 25 Millionen Franken. Oder mit anderen Worten: Die Verbindlichkeiten übersteigen die Guthaben um mehr als 100 Millionen Franken.

Bekannt ist, dass Darwin beim Flughafen Lugano-Agno in der Kreide ist. Der Flughafen wird aktuell nur noch von Swiss (mit Flügen nach Zürich) bedient und steht in Diskussionen mit Skywork um ein Revival der Verbindung Lugano-Genf. Angesichts der prekären Lage sind die Schulden von Darwin eine zusätzliche Belastung.

Inzwischen wurde bekannt, dass Darwin auch beim Flughafen Sion sowie beim Flughafen Cagliari auf Sardinien sechs Rechnungen über «mehrere Tausend Franken» offen hat – offenbar Gebühren und Treibstoffrechnungen. Dies berichtet der «Corriere della Sera».

Der Insolvenzverwalter versucht nun, die sechs Saab 2000 von Darwin zu verkaufen. Diese sind laut RSI noch mit einer Hypothek von 10 Millionen Franken belastet. Der Verkaufswert soll bei rund 25 Millionen Franken liegen, doch diese Zahl wurde nicht bestätigt. Das Konkursamt Lugano soll in Verbindung mit mehreren Interessenten stehen und versuchen, den höchstmöglichen Verkaufspreis zu erhalten.

Letztlich ein Tropfen auf den heissen Stein, angesichts der enormen Verbindlichkeiten. Was diese Verbindlichkeiten, nebst den angegebenen offenen Rechnungen bei einigen Flughäfen, letztlich sind, ist unbekannt. Ob es sich um Aktionärsdarlehen von Etihad Airways, der früheren Muttergesellschaft, handelt? Im Raum steht in diesem Zusammenhang auch, wieso Darwin noch so lange weiter operieren durfte – denn die 100 Millionen Franken Nettoschulden wurden nicht von einem Tag auf den anderen angehäuft. Auf Anfrage von Travelnews nimmt das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) via Sprecherin Nicole Räz wie folgt Stellung: «Darwin Airline stand beim Bundesamt für Zivilluftfahrt aufgrund ihrer finanziellen Situation seit einiger Zeit unter erhöhter Aufsicht. Bei regelmässigen Überprüfungen musste die Fluggesellschaft darlegen, wie es um ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit stand. Bei der letzten Überprüfung, die im Oktober durchgeführt wurde, deuteten keine Indikatoren darauf hin, dass das BAZL sofort einschreiten und Massnahmen ergreifen müsste. Ende November hat Darwin Airline SA ein Gesuch um Nachlassstundung beim Konkursrichter eingereicht. Das BAZL wurde über diesen Entscheid vorgängig nicht informiert, obwohl man aufgrund der finanziellen Situation in regelmässigem Kontakt mit Darwin stand. Aufgrund einer früheren, rechtskräftigen Verfügung verfiel in diesem Fall die Betriebsbewilligung der Gesellschaft.»

(JCR)