Flug

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Wie viele Arbeitsplätze auf der Kippe stehen, ist noch unklar: Darwin hat ein Nachlassstundungsverfahren eingeleitet. Bild: Darwin

Darwin Airlines ist in Nachlassstundung

Heute hat die Tessiner Airline ein solches Verfahren eingeleitet, um eine finanziell bedingte Reorganisation umsetzen zu können. Die heute Morgen bereits medial verbreiteten Schritte gehen damit einher. Zahlreiche Entlassungen stehen im Raum.

Heute Morgen berichteten wir noch darüber, wie sich Darwin Airline neu ausrichtet und künftig auf Linienflüge verzichtet. Ausgegangen war dies von einer SDA-Meldung, deren Basis ein Interview mit CEO Klaus Patzer war. Am späten Nachmittag nun legte Darwin mit einer eigenen Pressemitteilung nach. Und die hat es in sich: Die Tessiner Airline hat Nachlassstundung beantragt. Diese bewirkt, dass während ihrer Dauer grundsätzlich keine neue Betreibung eingeleitet werden kann; ebenso ist eine Fortsetzung einer bereits begonnenen Betreibung in der Regel untersagt. Im Rahmen der Nachlassstundung wird auch ein Sachwalter tätig.

Darwin schreibt, dass unter den neuen Eigentümern eigentlich ein vielversprechender Restrukturierungsprozess gestartet wurde. Doch danach traf Darwin auf unvorteilhafte Martkentwicklungen. Zum Beispiel wurden alle Partnerschaftsverträge mit Alitalia gekündigt, da diese im Mai 2017 selber Insolvenzverfahren einleiten musste. Weiter wurde die Airline von der Insolvenz von Air Berlin im August 2017 getroffen, weil damit bestehendes Geschäft verloren ging, die Aussichten auf künftiges Partnergeschäft dahin waren und darüber hinaus Darwin offenbar auf Schulden von Air Berlin sitzenblieb. Initiativen wie die Lancierung von Flügen ab Bern scheiterten am kompetitiven Umfeld bzw. an Umständen, welche Darwin offenbar falsch einschätzte (in letzterem Fall die Tatsache, dass Skywork doch noch einen Finanzinvestor fand). Auch eine Kooperation mit Powdair ab Sion scheiterte, aus noch nicht ganz klaren Gründen, die aber möglicherweise mit dieser jüngsten Entwicklung in Zusammenhang stehen.

Deshalb begann Darwin eine Reorganisation in Nachlassstundung, eine Art Schweizer Variante des amerikanischen Chapter 11. Das Verfahren wurde heute eingeleitet und das Ziel sei, möglichst viele Arbeitsplätze zu retten. Die drei Kernelemente davon sind:

• Darwin Airline SA fliegt bis auf Weiteres weiterhin unter ihrem existierenden AOC (Code: F7).
• Darwin Airline SA wird zu einem «Crew Service Provider» für Piloten und Flugbesatzungen.
• Darwin Airline SA wird für eigene wie auch für externe Flugzeuge Maintenance-Dienste anbieten.

Die Airline geht davon aus, dass dafür 100 bis 120 Arbeitsplätze bei Darwin Airline SA benötigt werden. Die letzte öffentlich bekannte Mitarbeiter-Anzahl liegt bei 320; der Abbau wäre also massiv. Die Airline ist aber überzeugt, unter der neuen Strategie immerhin überlebensfähig zu bleiben.

(JCR)