Flug

Fotolia_Gesichtserkennung2.jpg
Moderne Biometrik-Technologie ist extrem weit fortgeschritten und bietet zahllose Möglichkeiten, denen man bislang aus Nachsicht auf Schutz der Privatsphäre nicht nachgeht. Auch für die Nutzung in Airports stellt sich die Frage, wie man Effizienz und Sicherheit optimal mit dem Schutz der Privatsphäre vereinen kann. Bild: Fotolia

Gesichtserkennung am Flughafen Zürich: Das müssen Sie wissen

Von Jean-Claude Raemy

Bereits Ende September installiert der grösste Schweizer Flughafen Geräte, welche eine Gesichtserkennung ermöglichen. Der Flughafen Zürich bezieht Stellung – travelnews.ch kommentiert.

Der Flughafen Zürich führt per Ende September ein Kontrollverfahren mit biometrischer Identifikation ein – oder einfacher gesagt, eine Art Gesichtserkennung der Passagiere. Es werden «ABC-Schleusen» eingerichtet, wobei ABC für «Automated Border Control» steht. Jasmin Bodmer, Sprecherin des Flughafens Zürich, bestätigt diese Meldung des «Tages-Anzeiger» und bemerkt, dass es sich hierbei allerdings erst um ein Pilotprojekt handelt: «Man schaut, wie sich das im Betrieb bewährt. Nach ein paar Monaten wird es eine Bestandesaufnahme geben. Danach wird über das weitere Vorgehen entschieden.»

Travelnews.ch hat nachgehakt. Nachfolgend die Antworten des Flughafens Zürich:

Wie viele solche ABC-Gates wird es geben und wo werden diese zu finden sein?

In der Lokaleinreise werden acht automatisierte Schleusen installiert. Bei erfolgreichem Pilotbetrieb werden weitere automatisierte Schleusen in der Ausreise installiert.

Ist die Kontrolle durch ein ABC-Gerät freiwillig?

Ja, die Passagiere können weiterhin wählen, ob sie einen bedienten Schalter oder die automatisierte Schleuse benützen wollen für die Passkontrolle. Voraussetzung für die Nutzung: Der Passagier ist mindestens 18 Jahre alt, im Besitz eines Biometrischen Passes oder e-Passes (keine ID!) und  Bürger der Schweiz oder eines EU/EWR-Landes.

Werden Passagiere klar darüber informiert, dass sie gerade durch eine «Face Recognition» gehen?

Ja. Die Signaletik wird entsprechend angepasst.

Wer trägt eigentlich die Anschaffungskosten für die Geräte des führenden niederländischen Sicherheitstechnologie-Anbieter Gemalto? Und wie hoch sind diese?

Die Kosten für die Erweiterung der Passkontrollhalle und die Installation der zusätzlichen Schalter und Schleusen werden von der Flughafenbetreiberin, dem Kanton Zürich und dem europäischen Fonds für die innere Sicherheit (ISF Fonds) gemeinsam getragen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 8 Millionen Schweizer Franken. Die Kosten für den Kauf und den Betrieb der automatisierten Schleusen trägt die Kantonspolizei Zürich, welche auch die Grenzkontrollen durchführt. Die Kosten für den Umbau der Passkontrollhalle trägt die Flughafenbetreiberin.

Methodik

Zur Methodik der Kontrollen gibt der Flughafen Zürich keine Auskunft. Interessant wäre vor allem zu wissen, ob bei dieser Kontrollart lediglich das Gesicht mit dem Bild im Pass abgeglichen wird oder ob es einen Abgleich mit einer polizeilichen/behördlichen Datenbank gibt. Auf Nachfrage bei der Kantonspolizei Zürich, welche die Grenzkontrolle durchführt und auch Besitzerin der automatisierten Schleusen ist, erhalten wir lediglich die Antwort, dass hierüber an einem Medienanlass Ende September informiert wird, zu welchem die Kantonspolizei gemeinsam mit dem Flughafen einladen wird. Das heisst überdies, dass die Einführung der Geräte noch nicht zwingend bereits Ende September stattfindet. Das genaue Einführungsdatum sei noch nicht offiziell.

KOMMENTAR

Jean-Claude Raemy

Die Nutzung von Gesichtserkennungs-Software breitet sich rasant aus. In den Sozialen Medien ist sie bereits präsent: Wir «taggen» ja permanent Freunde und helfen so Facebook & Co., eine enorme und damit irgendwie auch furchteinflössende Datenbank an biometrischen Daten aufzubauen. Apple doppelt nach, wenn im kommenden Monat das iPhone 8 eingeführt wird, welches den Nutzer per Gesichtserkennung identifiziert. Unterdessen setzt die Polizei im Kampf gegen die Kriminalität vermehrt auf Biometrik - der öffentliche Raum wird überwacht und so können die Bewegungen der Personen im überwachten Raum mit eigenen Datenbanken abgeglichen werden.

Für den Einsatz am Flughafen spricht in erster Linie aber die Effizienz. Immer mehr Passagiere fliegen in der Welt herum, während gleichzeitig die Sicherheitsbestimmungen in vielen Ländern verschärft werden, unter anderem aufgrund der Terrorgefahr. Der enorme Fortschritt in der Biometrik soll nun das ermöglichen, wovon man derzeit nur träumen kann: Eine Art Selbstkontrolle an den Flughäfen, welche den Passagier-Flow deutlich vereinfacht. Die eigene Identität ist mein Pass, nicht ein Stück Papier. Automatisierte Kontrollen wissen sogleich, wer ich bin, und lassen mich durch. Das verbessert die Prozesse an Flughäfen massgeblich.

Vorerst wird man aber noch auf biometrische Pässe setzen. Die darin enthaltenen Informationen werden von Scannern an Flughäfen und anderswo mit der Person abgeglichen. So soll Identitätsraub verhindert werden, was die Sicherheit generell erhöht. Von weltweit 1,75 Milliarden ausgestellten Pässen sind heute bereits 57 Prozent, also rund eine Milliarde, biometrische Pässe. Der Fundus an Identitäten, welche automatisch abgeglichen werden könnten, ist also bereits enorm. Genau darauf setzt die niederländische Firma Gemalto, welche die Scanners am Flughafen Zürich liefert, wie sie in einer interessanten Mitteilung festhält.

Der Haken an der ganzen Sache: Man wird wirklich zum «gläsernen Menschen», dessen Aktivitäten jederzeit und überall verfolgt werden können. Woher weiss ich denn, in welchen Datenbanken meine biometrischen Daten, mein «Gesicht», zu finden sind? Erkennt mich die Kamera, die den Paradeplatz überwacht? Erkennt mich die Kamera an der Langstrasse? Weiss also jemand permanent, wo ich bin und was ich tue? Das ist natürlich der Traum von Marketingprofis. Es eröffnet aber eine Menge weiterer, unangenehmer Möglichkeiten der Kontrolle. Und was ist, wenn mich die Datenbank für jemand anderes hält? Die Biometrik soll bereits Werte von 99 Prozent bei der Zuverlässigkeit erreichen. Doch was ist mit jenen 1 Prozent, die falsch identifiziert werden?

Fazit: Die Initiative am Flughafen Zürich reiht sich ein in eine Menge ähnlicher Initiativen weltweit. Gegen mehr Effizienz und mehr Sicherheit ist selbstverständlich nichts einzuwenden. Es wäre allerdings wünschenswert, wenn Flughafen und Kantonspolizei offen kommunizieren, wie mit den Daten umgegangen wird. Denn man darf niemals vergessen: Biometrik ermöglicht es, unsere Identität und Privatsphäre sowohl zu schützen als auch zu missbrauchen.