Flug

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Kein Anstehen, kein Gepäckstress, keine lästigen Mitpassagiere - aber ein limitiertes Angebot: Mitfluggelegenheiten sind zunehmend beliebt und organisiert. Bild: Markus53

Die «Share Economy» gibt es auch in der Luftfahrt

Mitfluggelegenheit gesucht? Mit Wingly und neuerdings auch EveryAir findet man schnelle und günstige Flugmöglichkeiten. Die Massen-Mobilität wird aber nicht revolutioniert.

Von Zürich nach Erfurt fliegen, für 194 Euro. Das bietet keine Linienfluggesellschaft an, sondern «Zac», der im Prinzip mit seinem privaten Propellerflugzeug nach Sömmerda nördlich von Erfurt fliegt, aber über «eine Absetzmöglichkeit am Flughafen Erfurt» mit sich reden lässt. Wo bucht man dies? Auf der Website Wingly.

Das vor zwei Jahren lanciert Start-up  vermittelt Flüge, als wären es Mitfahrgelegenheiten: Teilnehmende Privatpiloten können Strecke, Datum und Zeit sowie einen Preis auf der Website publizieren; Wer mitfliegen will, nimmt über die Website Kontakt auf und kann auch direkt dort buchen.

Das Coole daran: Wingly ist in ganz Westeuropa sehr gut aufgestellt; es stehen also zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung; teils sogar in Übersee. Wobei viele angebotene Flüge nur Rundflüge bzw. Ausflüge sind, innerhalb der Schweiz z.B. von kleinen Flugplätzen wie Triengen oder Fehraltorf ins Tessin oder an den Genfersee. Das kann man bei der Flugsuche filtern. Im Übrigen sind auch Helikopterflüge verfügbar.

Für an spezifische Daten gebundene Flüge mag das nicht vorteilhaft sein, und die Plätze sind bei den kleinen Maschinen limitiert. Aber günstige Mitfluggelegenheiten, gerade für Wochenendausflüge, sind sicher mal originell. Wer gut sucht, findet auch aus touristischer Sicht spannendes, zum Beispiel einen Rundflug über die Karibikinsel Martinique für nur 53 Euro. Aus Sicht der Piloten wird natürlich das Hobby von fremden Passagieren mitfinanziert.

EveryAir mischt jetzt auch mit

Von der trendigen «Share Economy» versucht seit wenigen Wochen ein weiteres Luftfahrtunternehmen zu profitieren. Die in Frankfurt domizilierte Firma EveryAir versucht sich als Vermittler da, wo Wingly auf Direktkontakte setzt, zu Lasten der Übersichtlichkeit. Will heissen: Bei EveryAir gibt es keine Direktbuchung, sondern es wird ein Formular ausgefüllt mit Datum und Flugstreckenwunsch, und EveryAir bietet dann ein massgeschneidertes Angebot. Zum Netzwerk zählen 40‘000 Flugzeuge an 3500 Flughäfen in Europa. Dabei werden auch Leer- und Positionierungsflüge berücksichtigt.

Dass man dabei nicht Preisleader ist, wird in Kauf genommen. «Convenience» ist das Zauberwort, also schnelle Verbindungen, keine Wartezeiten am Flughafen, kein Puff mit dem Gepäck. Wobei sich EveryAir sogar als Reisevermittler versucht: Unter «Exclusive Travel» sollen Angebote platziert werden, dereinst inklusive Hotel. Aktuell ist lediglich ein Flug von Frankfurt-Egelsbach nach Venedig in einer DA40NG buchbar, für zwei Personen hin und zurück für 2500 Euro. Damit liegt man weit über dem Preis einer herkömmlichen Linienverbindung. Aber eben, ohne die Mühen moderner Massenfliegerei.

Es bleibt wohl bei der Nische

Wingly oder EveryAir sind interessante neue Mobilitätsangebote. Sie werden aber weder Fluggesellschaften noch Bahn- und Busunternehmen wirklich die Butter vom Brot nehmen, sondern bleiben Fans von Kleinflugzeugen oder gutbetuchten Personen, die den ganzen Flughafenstress nicht mitmachen wollen, vorbehalten. Von einer Mobilitätsrevolution zu sprechen ist sicherlich vermessen.

(JCR)