Flug

Stillstand vor dem Terminal 2 in München: ein Airbus A330-300 der Lufthansa. Bild: LH

Zweitägiger Streik trifft Zehntausende Lufthansa-Passagiere

Die 5400 Lufthansa-Piloten bleiben am Mittwoch und Donnerstag den Cockpits fern.

Hunderte gestrichene Flüge, rund 100'000 betroffene Passagiere – die Lufthansa-Piloten legen die Fluglinie seit dem frühen Mittwochmorgen lahm. Auch am Donnerstag soll der Streik weitergehen: Unmittelbar nach einer Verhandlung vor dem Landesarbeitsgericht Hessen weitete die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) den Ausstand auf zwei Tage aus. Das Gericht hatte zuvor endgültig den Antrag der Lufthansa abgelehnt, den Ausstand per einstweiliger Verfügung verbieten zu lassen.

Von den gestrichenen 876 Flügen am Mittwoch sind 51 Interkontinentalflüge. Insgesamt kommt die Marke Lufthansa auf rund 1800 Flüge pro Tag. «2124 von rund 3000 geplanten Flügen der Lufthansa Group finden statt», heisst es in der Mitteilung der Lufthansa. Darin sind allerdings auch Flüge von Konzerngesellschaften enthalten, die nicht bestreikt werden, wie Brussels, Swiss oder AUA. Am Flughafen in Zürich Kloten fallen sechs ankommende und sechs abgehende Flüge der Lufthansa von und nach Frankfurt aus. 

Am Dienstagnachmittag hatte die Lufthansa vor dem Arbeitsgericht Frankfurt einen Antrag auf eine einstweilige Verfügung gegen den Streik gestellt. Doch das Gericht scheute einen Eingriff in die Tarifautonomie. Auch vor dem Landesarbeitsgericht kassierte die Airline in der Nacht zum Mittwoch eine Niederlage.

«Lufthansa nimmt die Entscheidung des Hessischen Landesarbeitsgerichts zur Kenntnis. Wir werden nun die Gründe der Urteilsbegründung prüfen», erklärte die Airline. Das Unternehmen sei jederzeit bereit, die Tarifverhandlungen mit der Konzerntarifkommission der Vereinigung Cockpit wieder aufzunehmen.

Flughafenverband befürchtet Millionenschäden

Die bislang letzte Verhandlungsrunde im seit April 2014 laufenden Tarifkonflikt wurde im September 2015 abgebrochen, nachdem das Landesarbeitsgericht Hessen einzelne Streikziele als rechtswidrig eingeschätzt hatte. Seitdem hat die VC ihre Verhandlungstaktik geändert und sich auf offene Tarifthemen konzentriert.

Der Anlass des aktuellen Streiks sind einzig Forderungen zum Gehalt der rund 5400 betroffenen Piloten von Lufthansa, Lufthansa Cargo und der Tochtergesellschaft Germanwings. Die Piloten verlangen Tariferhöhungen von zusammen 22 Prozent über einen Zeitraum von fünf Jahren bis April 2017. 

Der deutsche Flughafenverband ADV befürchtet Schäden in Millionenhöhe durch den Streik der Lufthansa-Piloten und des Kabinenpersonals bei Eurowings. Die Airports seien inzwischen immer häufiger Schauplatz von Tarifauseinandersetzungen, sagte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel der «Neuen Osnabrücker Zeitung». «Diese Entwicklung ist nicht akzeptabel und geht weit über das vertretbare Mass hinaus». Die Airports agierten ohnehin in einem «sehr angespannten wirtschaftlichen Umfeld» und würden durch streikbedingte Flugausfälle unnötig zusätzlich belastet.

(AWP/TN)