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Die weltweit erste C-Series 100 von Bombardier, die kommerziell in Dienst gehen wird, in einem Hangar am Flughafen Zürich. Bild: Olivia Raths

Der neue Swiss-Europaflieger ist getauft und startklar

Von Olivia Raths

Endlich kann die Swiss ihre neue C-Series von Bombardier in Betrieb nehmen. travelnews.ch war auf dem gestrigen Jungfernflug dabei — das sind die ersten Eindrücke aus dem Flieger.

Lange wartete die Swiss auf ihr neues Europa-Flugzeug, die C-Series des kanadischen Herstellers Bombardier. Immer wieder verschob sich die Auslieferung des komplett neu entwickelten Fliegers – von Ende 2013 bis Juli 2016. Derweil kamen die zu ersetzenden Swiss-Jumbolinos immer mehr in die Jahre und wurden pannenanfälliger. Letzten Freitag landete nun in Zürich die weltweit erste C-Series-Maschine, die kommerziell fliegen wird, und gestern Mittwoch wurde sie auf den Namen «Kanton Zürich» getauft.

Der anschliessende Jungfernflug über den Schweizer Alpen verspätete sich um rund eine Stunde. Während des Flugs erhielten die geladenen Gäste einen ersten Eindruck des neuen Europafliegers, dessen erstes Exemplar die Immatrikulation HB-JBA trägt. Auffallend war nach dem Start des leisen «Flüsterfliegers» der steile Winkel; eine Spezialität des 125-Plätzers, dank der er auch auf kürzeren Pisten wie in London City wird starten und landen können.

Weil die Fenster für Flugzeuge dieser Grössenordnung besonders gross und nahe beieinander sind, dringt viel mehr Tageslicht in die C-Series-Kabine. Diese ist ausserdem geräumiger als in den Jumbolinos, etwa dank des grösseren Sitzabstandes und der deutlich grösseren Handgepäckfächer. Die braunen Ledersitze sind so geformt, dass sie sich der Körperform anpassen, ohne dass sie zu weich sind. Trotz allem: Die Landung in Zürich war etwas holprig und lässt sich noch verbessern.

Cockpit ist selbsterklärender als früher

Mit an Bord war auch Pilot Peter Koch, Flottenchef und Programmleiter C-Series bei Swiss. Er war massgeblich bei der Entwicklung des C-Series-Cockpits beteiligt. «Wir schauten, was nicht optimal konzipiert war, und haben es verbessert», sagt Koch im Gespräch mit Travelnews.ch. «Man sitzt ins Cockpit und fühlt sich wie daheim. Es ist viel selbsterklärender als frühere Cockpits – alles ist dort, wo man es erwartet.» Dies habe sich auch gezeigt, als Jumbolino-Piloten umgeschult wurden, die seit 25 Jahren keine Umschulung mehr hatten. «Sie sind reingesessen und einfach geflogen.» Obwohl viel Automatik mit im Spiel sei, habe man als Pilot das Gefühl, das Flugzeug ganz selber zu fliegen, sagt Koch.

Nun muss sich die C-Series, die 20 Prozent weniger Treibstoff braucht als vergleichbare Flugzeuge, im täglichen Flugbetrieb behaupten. «Die ganze Airlinewelt beobachtet derzeit die Swiss und Hersteller Bombardier», sagt Kurt Hofmann, Aviatikexperte aus Österreich, zu Travelnews.ch. «Es gibt viele potenzielle C-Series-Kunden, die noch unentschlossen sind, ob sie diese Flugzeuge bestellen sollen.» Die grösseren Bestellungen, die Delta Air Lines und Air Canada bei Bombardier getätigt haben, gäben sicher schon einmal Auftrieb, glaubt Hofmann.

Dass die Swiss ihre C-Series gleich zweieinhalb Jahre später als geplant erhält, ist laut dem Experten «etwas ungewöhnlich» – auch wenn Verspätungen bei der Auslieferung neuer Flugzeuge normal seien. «Dafür sieht es gut aus bezüglich Kinderkrankheiten. Der Start bei der Swiss dürfte ziemlich reibungslos funktionieren. Lieber einen neuen Flugzeugtyp später einflotten, anstatt Gefahr zu laufen, ihn wegen gravierender Kinderkrankheiten zu grounden», sagt Hofmann.

Jumbolinos bis Mitte 2017 ersetzt

Insgesamt hat die Swiss bei Bombardier 30 C-Series-Flugzeuge bestellt. Waren es zuerst ausschliesslich CS100 mit 125 Plätzen, hat die Airline nun 15 Stück zum grösseren Modell CS300 gewandelt. Dieses bietet rund 20 Sitzplätze mehr. Bis Mitte 2017 sollen die bestellten C-Series schrittweise primär die Jumbolinos (Avro RJ100) ersetzen, wie die Swiss mitteilt.

Am kommenden 15. Juli findet der erste kommerzielle Passagierflug mit der C-Series von Zürich nach Paris-Charles de Gaulle statt. Warschau und Brüssel werden Ende August ins Streckennetz der Swiss aufgenommen, im September folgen Nizza, Stuttgart, Hannover, Mailand, Florenz und Bukarest. Die Strecke Zürich – London City wird voraussichtlich im ersten Quartal 2017 auf C-Series-Betrieb umgestellt.