Flug

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Martin Ebner, Financier und Eigentümer von Helvetic Airways, am letzten Wochenende auf Mallorca. Bilder: Rémy Steiner Photography

Das andere Investment von Martin Ebner

Von Hanspeter Bürgin

Der einst als Financier, Raider und Spekulant gefürchtete Banker blieb der Reisebranche treu. Den 10. Geburtstag der Rettung feierte seine Helvetic Airways auf Mallorca.

Im hart umkämpften Fluggeschäft ist Helvetic Airways eine Erfolgsgeschichte. Darüber ist sich die Branche einig, auch wenn die Gesellschaft mit konkreten Zahlen geizt. Bei der Begrüssung der rund 60 Gäste im Flughafen Zürich sagte ein sichtlich gut gelaunter Besitzer Martin Ebner zum Geschäftsgang nur: „Es geht uns wirklich gut.“ Da ihm und seiner Frau Rosmarie die Gesellschaft gehört, ist er auch niemandem Rechenschaft schuldig.

Trotzdem: den zweitägigen Trip nach Mallorca, zu dem neben Kunden und Mitarbeitern auch ein Dutzend Journalisten eingeladen waren, nutzte Helvetic Airways zu einer eigentlichen Charmeoffensive. „Wir sind eine grosse Familie“, so die Kernbotschaft. Bereits am Sonntag waren in zwei Sonntagszeitungen ausführliche Interviews zu lesen. „Tages-Anzeiger“, „Schweizer Illustrierte“ und andere folgen in diesen Tagen.

Das enorme Medieninteresse galt dabei weniger der Airline als der Person von Martin Ebner, dem schillernden Financier und Investor. Vor zehn Jahren war er bei der Helvetic Airways eingestiegen, um sie vor dem Untergang zu retten. 50 Millionen Franken waren da schon verbrannt. Dabei setzte er auf „Swissness, eine strenge Kostendisziplin und den Verzicht auf Fremdkapital, mehr Qualität und eine klare Nischenstrategie“, schreibt die „Zentralschweiz am Sonntag“. Das Unterfangen gelang, weil auch die Gläubiger grosse Zugeständnisse machten. Selbstkritisch fügt Ebner in diesem Kontext an, dass er „zu Beginn ein wenig naiv“ gewesen sei und noch mehr Abklärungen hätten treffen sollen. Nun ist er seit zehn Jahren an Bord der Helvetic Airways, ans Aufgeben habe er trotz der ersten schwierigen Jahre nie gedacht. „In der ersten Zeit war die Unsicherheit gross“, sagt dagegen ein Kadermann, „ob er es ernst meint.“

Eine Reizfigur der Schweizer Wirtschaft

Aufgrund seiner Vergangenheit ist und bleibt Ebner eine Reizfigur in der Schweizer Wirtschaft. Im letzten Oktober hielt die Anlegerzeitung „Finanz und Wirtschaft“ fest, dass sein Name als „Prediger des Shareholder Value“ noch immer polarisiert. „Er hat viele Verehrer produziert, aber ebenso viele Enttäuschte.“ Seit Jahren lehne er jede Interviewanfrage seit ab, „ehemalige Weggefährten wollen nicht zitiert werden“, beschreibt das Blatt die Ausgangslage für den Artikel, der mit dem Satz eingeleitet wird: „Martin Ebner ist zurück.“ Heute wird der Wert seiner Beteiligungen (Galenica, Temenos, Mobilzone, Intershop, Alpiq) auf mindestens 2,5 Milliarden Franken geschätzt.

Von Zurückhaltung oder gar Ablehnung gegenüber den mitgereisten Journalisten war auf Mallorca wenig zu spüren. Dirigiert von seinem Finanzchef lieferten sich die Ebners bereitwillig den diversen Fotoshootings aus und machten gute Mine zum bösen Spiel der oft gleichen Fragen. Ebner war darauf bedacht, entspannt, locker, humorvoll und abgeklärt zu wirken. Der früher als verbissen bis aggressiv Wahrgenommene sagt denn auch: „Ich bin gelassener geworden.“ Dafür gesorgt hat nicht nur das älter werden (er wird im August 71), sondern auch sein Engagement bei Helvetic Airways. „Die Reisebranche hat ihn zugänglicher und offener gemacht“, glaubt ein Weggefährte.

„Gegenüber den Anfangszeiten nimmt Martin Ebner heute viel weniger Einfluss“, sagt einer, der seit zehn Jahren dabei ist. Der Grund ist offenkundig: Der Besitzer vertraut seiner Geschäftsleitung, die nur aus dem CEO und dem CFO besteht, „voll und ganz“. Deshalb gibt es auch keine Bedenken, Hinweise oder Vermutungen, dass die Ebners demnächst bei Helvetic Airways aussteigen könnten. Vor allem Rosmarie Ebner wird als die treibende Kraft wahrgenommen, die sich persönlich einbringt, indem sie für die Gesellschaft wirbt und Flyers verteilt.

Die Verbundenheit und gegenseitige Wertschätzung wurde für alle wahrnehmbar, als vor dem Abendessen im mondänen Mood Beach Club Tobias Pogorevc die Helvetic-Airways-Erfolgsgeschichte präsentierte. Ebners, platziert auf zwei Fauteuils, waren angetan, ja gerührt. Er bedankte sich bei CEO und CFO per Handschlag, seine Frau Rosmarie mit Küsschen. Seit acht Jahre bilden Bruno Jans und Tobias Pogorevc das Führungsduo der Helvetic. „Wir ergänzen uns ideal und kennen gegenseitig unsere Stärken und Schwächen“, erklärt Jans. Beide sind in der Zentralschweiz aufgewachsen, Jans in Horw, der CFO in Sarnen. (Als Privatperson ist Pogorevc auch Verwaltungsrat von Travelnews.) „Die gut harmonierende Geschäftsleitung ist ein Glücksfall für uns“, bestätigt Ebner.

26 000 Flüge in Planung

In den Ansprachen und Tischgesprächen auf Mallorca war das (starke) Wachstum von Helvetic Airways immer wieder ein Thema. Bei 13 Flugzeugen wird sie im Sommer bereits 450 Vollzeitstellen zählen, 26 000 Flüge sind geplant. Trotz des raschen Ausbaus will man ein Unternehmen mit schlanken und effizienten Strukturen bleiben. „Bei uns gibt es keinen solch grossen Overhead wie bei anderen Airlines“, sagt Ebner. Dadurch könne man „viel billiger als die Konkurrenz“ produzieren. Kategorisch schliesst er eine Expansion auf Langstreckenflüge aus. Und auch die Flughäfen Basel und Genf sind „kein Thema“. Grossen Wert legt man bei Helvetic Airways auf die Rekrutierung und Ausbildung der Mitarbeiter.

Acht der 13 Maschinen von Helvetic Airways sind fix im Einsatz für die Swiss. Ein Klumpenrisiko, da demnächst ein Teilvertrag ausläuft? Er sei zuversichtlich, sagt Ebner, „dass wir die Kooperation weiterführen können.“ Angesichts dieser Konstellation, man könnte auch sagen Abhängigkeit, verliert das Management kein böses Wort über die Swiss. „So läuft halt das Geschäft“, sagt CEO Jans achselzuckend, als er auf den Rückzug aus Apulien angesprochen wird. Während Bari als Destination nicht funktionierte, waren die Flüge nach Brindisi äusserst profitabel. Das war auch der Swiss nicht entgangen. Sie drängte deshalb vor gut zwei Jahren gleich mit vier wöchentlichen Flügen Helvetic Airways aus dem Markt. Eine bittere Erfahrung.

Stolz ist man bei Helvetic Airways auf das dritte Standbein, das für den Erfolg steht und die Gesellschaft speziell macht: den VIP-Charterbereich für Sportvereine und Firmen. „Hier spielen wir in der europäischen Liga“, betont Martin Ebner. Für den Verantwortlichen dieses Bereichs ist es „Ehrensache“, bei einer Anfrage dem Kunden innerhalb von zwei Stunden eine Offerte zu unterbreiten. Dabei gilt das Prinzip, keine Dumpingpreise zu offerieren. „Wir verzichten lieber auf einen Auftrag“, sagt Finanzchef Tobias Pogorevc, „als einen Preis zu akzeptieren, der für uns nicht stimmt.“ In den Gesprächen mit Journalisten fällt auf, dass Martin Ebner seinem CFO problemlos das Feld überlässt, wenn es um Fachliches oder Detailfragen geht.

Das Zusammenspiel zwischen beiden funktioniert bestens. Sie haben natürlich kalkuliert, dass Ebner als Interviewpartner begehrt ist, weil er sich so rar gemacht hat. Wird er nach der Steuerpolitik seines Kantons gefragt, den Übernahmekampf bei Sika, der Zukunft von Alpiq oder der Politik der Nationalbank ist er voll im Element. Analytisch, glasklar, aber auch mit der bekannten Schärfe und Härte zerlegt er etwa die Argumente von Notenbank-Chef Thomas Jordan. Dieser sei den Beweis schuldig geblieben, dass der Franken überbewertet sei. Der Kollateralschaden seiner Politik sei „viel grösser als der Nutzen“.

Gegenüber der „Schweiz am Sonntag“ gibt Martin Ebner auch Privates preis. Er habe nach 35 Jahren in ein neues Haus investiert, „sonst nichts“. Er habe nicht mal mehr ein Auto. Gar kein teures Laster? „Nicht das ich wüsste.“ Wo sein Markenzeichen, die Fliege, geblieben sei? „Die trage ich schon länger nicht mehr. Alles zu seiner Zeit.“ Noch immer habe er viel Freude an der Arbeit, und zum Glück sei er „fit und gesund“. Beim Investieren nutze er Opportunitäten. „In Gold oder Bilder investiere ich nicht“, sagt er, „sondern in junge Firmen.“

10-Jahres-Jubiläum Helvetic Airways — Die Bilder