Flug

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Aufflackerndes Fluggeschäft – vor dem nächsten Dämpfer

Jahresrückblick 2021, 1. Teil – Airlines: Im zweiten Pandemiejahr lag der Betrieb der Airlines zunächst weiterhin am Boden, zurückgebunden von den vielen Reiserestriktionen. Nach aufkommenden Reiseströmen im Sommer und Herbst gab es aufs Jahresende hin wieder einen herben Rückschlag.

Ende 2020 stand fest: ein solch schlimmes Jahr hat die Airline-Industrie noch nie erlebt. Nun, Ende 2021, wird aber klar: trotz punktuellem Aufflackern des Reiseverkehrs, auch der Jahrgang 2021 ist für so ziemlich jede Airline einer zum Vergessen.

Die von Experten seit einigen Jahren prognostizierte Marktbereinigung ist trotzdem ausgeblieben. Nur punktuell verschwanden einige Airlines in diesem Jahr vom Himmel, etwa Montenegro Airlines oder nach Jahren des Sinkfluges auch Alitalia. Ansonsten haben sich viele Airlines mit einem Passagieraufkommen um die 50 Prozent gegenüber 2019 im Ring halten können - dank Kurzarbeit und staatlichen Hilfsgeldern und Krediten.

Geprägt war das zweite Pandemiejahr vor allem durch stetig neue Bestimmungen an den Flughäfen. Ab dem 7. Januar ermöglichten Checkport/Ende Diagnostics Reisende am Flughafen Zürich einen Corona-Speicheltest, am 5. Februar eröffnete Checkport ein zweites Testcenter und baute dieses im Mai weiter aus. Ab dem 8. Februar mussten alle Personen ab 12 Jahren, welche mit dem Flugzeug in die Schweiz einreisen oder umsteigen, einen negativen PCR-Test vorweisen. Deshalb gab es bei der Swiss vorübergehend nur noch eine Bestätigung statt der Boardingkarte beim Online-Check-In.

«Jetzt geht es bei vielen Airlines ums nackte Überleben», stellte Ende Februar BAR-Präsident und Emirates-Schweiz-Chef Juerg Mueller im Interview mit Travelnews fest. Und er musste konstatieren, dass bis zu jenem Zeitpunkt keine der positiven Prognosen eingetreten war. Kurzfristig flackerte bei den Airlines dann aber Hoffnung auf, dass auf Ostern hin das Geschäft anziehe - und sofort bauten viele Airlines das Angebot gleich aus.

Bei der IATA übernahm im April der unzimperliche Ex-British-CEO Willie Walsh das Ruder, stellte einen Vorjahres-Schaden von 650 Milliarden Dollar bei den IATA-Mitgliedern fest – und Walsh forderte: «Weg mit den Papieren, Auflagen für Tests oder Impfzertifikate dürfen nicht auf Dauer bestehen bleiben!»

Hoch im Sommer und Herbst

Ende April kündigte Helvetic Airways an, dass Flugreisen nun effizienter und keimfrei erfolgen. Dies Mithilfe von Ultraviolett-Technologie zur Desinfektion von Kabinen. Und der Wegfall diverser Balkanländer von der BAG-Risikoländerliste zeigte sogleich Wirkung: Ab Mai flog Chair Airlines verstärkt Ziele in Kosovo, Nordmazedonien und Montenegro an – und verzeichnete dabei eine «explodierende Nachfrage».

Mit künftig 20 Prozent weniger Nachfrage rechnete die Swiss zu jenem Zeitpunkt, zog die Reissleine und gab eine Restrukturierung bekannt, um 500 Millionen Franken einzusparen: neben dem bis Ende 2021 bereits bekanntgegebenen Abbau von 1000 Stellen kamen 650 weitere hinzu, die Flotte wird bis 2023 um 15 Prozent reduziert.

Auf den Sommer hin kam bei Swiss-Verkaufschef Tamur Goudarzi Pour gleichwohl Optimismus auf: im Hochsommer peilte die Swiss 49 zusätzliche Destinationen an, gab er im Travelnews-Interview bekannt. Die wieder erstarkten Reiseströme sollten das ganze zweite Halbjahr prägen. Emirates setzte nach langer Pause den Riesenkahn A380 wieder nach Zürich ein. Air Canada flog ab dem 4. August wieder von Zürich nach Toronto. Und sowohl Chair Airlines wie Helvetic Airways setzten auf einen Flottenausbau.

Ende August kündigte die Swiss ein Impfobligatorium bei der Besatzung an, dem bis heute deutlich über 90 Prozent der Crew Folge leistete. Gleichzeitig konnten die Schweizer Airlines über ein tolles Herbstgeschäft frohlocken. Im Oktober gab es zudem Good News für Reisebüros und Passagiere seitens der EU: diese konnte mit den wichtigsten Airlines über eine gangbare Rückerstattungs-Praxis einigen, nachdem es im Jahr zuvor im Sog der Pandemie und den unzähligen annullierten Flügen zu einem immensen Rückstau von Erstattungszahlungen von Seiten der Airlines gekommen war.

Zwar konnten die USA ab dem 8. November ab der Schweiz wieder bereist werden, doch es zeigte sich bald, der Kontrollaufwand und Papierkrieg ist gross. Und mitten im wieder aufkommenden internationalen Reiseverkehr gab es für Schweizer Reisebüros und Veranstalter einen herben Dämpfer: Edelweiss musste wegen Slot-Problemen in Malé zahlreiche Rotationen ändern, was eine Umbuchungslawine lostrat.

Und einen weiteren Dämpfer erfolgte am 26. November: nachdem die neue Virusvariante Omikron auftauchte, setzte das BAG die gefürchtete Quarantäneliste wieder in Kraft, innert weniger Tage gleich für 23 Länder. Zwei Wochen später hatte der Bundesrat ein Einsehen und ersetzte die Quarantäneliste mit einem rigiden Testregime – was die Situation nun aber kaum besser machte. Erneut bleiben wegen drohendem Ungemacht die Flugbuchungen wieder mehrheitlich aus. Immerhin passte das Timing für Checkport – und der Eröffnung eines neues Testlabors am Flughafen Zürich.


(GWA)