Flug

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CCO Patrick Heymann (l.) und CEO Bernd Bauer von Edelweiss hatten einige gute News zu präsentieren. Bild: JCR

Im Sommer 2022 mit Edelweiss nach Bergen, Bilbao und Cork

Die Schweizer Ferienfluggesellschaft lud zur Präsentation des Sommerprogramms und zur Revue über die vergangenen Monate an den Flughafen Zürich ein. Für den Sommer 2022 wurden dabei drei neue Ziele vorgestellt. Travelnews war dabei.

Wie ist es der Schweizer Ferienfluggesellschaft Edelweiss im aktuellen Wintergeschäft bisher ergangen und was hat sie für den kommenden Sommer in petto? Zur Beantwortung dieser Fragen lud Edelweiss am heutigen Dienstagmorgen (7. Dezember 2021) stilgerecht - und erstmals - ins Edelweiss Café am Flughafen Zürich. Dort standen CEO Bernd Bauer, CCO Patrick Heymann sowie Head of Corporate Communications Andreas Meier einer kleinen Medienschar Red und Antwort.

Bauer und Heymann liessen zunächst die letzten «schwierigen» 18 Monat Revue passieren. Doch beginnen wir mit den wichtigsten News, nämlich jenen hinsichtlich dem Sommergeschäft 2022. Den kompletten Edelweiss-Sommerflugplan 2022 gibt es unter diesem Link.

Im Sommer 2022 werden drei neue Kurzstreckenziele angeboten:

  • Ab 1. Juni 2022 BERGEN (Norwegen), 2x/Woche
  • Ab 27. März 2022 BILBAO (Spanien), 3x/Woche
  • Ab 15. April 2022 CORK (Irland), 2x/Woche

Das waren bisher bzw. zuletzt Ziele, welche bei Swiss im Angebot waren. Dass diese nun bei Edelweiss im Angebot sind, begründet Bauer damit, dass diese klassische Ferienziele sind und somit eigentlich im Portfolio der Ferienfluggesellschaft Edelweiss am besten aufgehoben sind. Eine solche «Portfolio-Bereinigung» hatte es beispielsweise schon bei Muskat gegeben, welches von Swiss ebenfalls an Edelweiss «abgetreten» wurde. Umgekehrt wird Edelweiss beispielsweise Buenos Aires auch im Sommer 2022 noch nicht wieder bedienen - dafür Swiss, welche die argentinische Hauptstadt im Dreieck mit Sao Paulo (Brasilien) anfliegt.

Total werden im kommenden Sommer auf der Kurzstrecke 5 Ziele auf den Kanaren, 9 auf der Iberischen Halbinsel, 5 in Italien & Korsika, 6 in Grossbritannien und Nordeuropa, 7 in Südosteuropa, 7 in Nordafrika, 12 in Griechenland und 5 im Raum Türkei/Zypern angeboten. Laut Heymann werden Spanien und Griechenland wieder deutlich ausgebaut, «dort haben wir im Sommer 2022 hohe Erwartungen.»

Auf der Langstrecke wird es im Sommer 5 Ziele in Nordamerika im Angebot haben. San Diego und auch Orlando figurieren - laut Heymann zumindest «vorläufig, aber nicht zwingend für immer» - nicht mehr im Flugplan. Dazu wird es 7 Ziele im Raum Mittelamerika/Karibik geben, dazu 6 in Afrika/Nahost, ein einziges Ziel im Raum Asien/Indischer Ozean (nämlich Male, das 3x/Woche angeflogen wird, nachdem dort auch im Sommer die Nachfrage inzwischen hoch ist); in Südamerika wird kein Ziel bedient (zuvor Buenos Aires und Rio de Janeiro).

In Summe heisst dies: Auf der Kurzstrecke werden im kommenden Sommer 410 Flüge pro Woche durchgeführt (Sommer 2021: 350 Flüge) und auf der Langstrecke 57 Flüge (Sommer 2021: 20 Flüge). Dies sei laut Heymann mit der aktuellen Kapazität abgedeckt; bei Bedarf könne man wie in der Vergangenheit auf Wet-Lease mit der Swiss zurückgreifen. Die Herausforderung werde nun sein, die erhöhte Kapazität zu vermarkten, was gerade angesichts nach wie vor kurzer Buchungsfenster nicht so einfach ist. Doch Edelweiss hat mit der Vermarktung der bereits buchbaren Flüge schon begonnen, etwa mit gut 200 «Tipps aus erster Hand» auf der Website oder einer gestern (6. Dezember) gestarteten schweizweiten Werbekampagne für die USA-Flüge.

Aktuelle Herausforderungen

Angesprochen auf die vergangenen und aktuellen Herausforderungen, holte Bauer damit aus, dass man 2020 «so gut wie nie ins Jahr gestartet» war bis dann die Restriktionen und insbesondere die Quarantäneliste kamen, welche das Geschäft lange lähmten. Auch der Sommer 2021 startete verspätet; ein Ende der Quarantäneliste war zwar ab Anfang Juni absehbar, doch erst Mitte Juni Realität, weshalb im Sommergeschäft ein Monat fehlte. Trotzdem sei Edelweiss «gut durch den Sommer gekommen». Bauer legte auch Wert auf die Feststellung, dass die Airline solide finanziert sei und «für die Zukunft gut ausgestellt»; zudem könne man bei Bedarf immer noch auf den bisher nicht angerührten Bundeskredit zurückgreifen, was aktuell aber nicht angedacht sei.

Aber eben, zu den Herausforderungen gehören Reisebeschränkungen in der Schweiz und in Zielgebieten immer noch, oder man muss fast sagen «wieder». Wie Heymann ausholt, habe sich die Situation in letzten zwei Wochen - nach Ankündigung der glücklicherweise nur temporären Rückkehr der Quarantäneliste - stark geändert. Vor allem spürbar sei dies insofern, als die Kunden nun wieder extrem kurzfristig buchen, was für Airlines immer ein planerisches Problem ist.

Zu den Pandemie-bedingten langfristigen Herausforderungen zählte Bauer anschliessend die neuen Arbeitsformen, mit viel Office und einem erhöhten Digitalisierungsbedarf, oder auch Prozess- und Produktanpassungen aufgrund der finanziellen Situation. «Wir wollen so schnell wie möglich zurück zum Produkt, das man sich von der Edelweiss gewohnt ist», erklärte Bauer, der zugab, dass man das Bordprodukt aus Kostengründen heruntergefahren habe. In der Premium-Klasse wird inzwischen das Essen wieder individuell serviert und in Economy ist die «Edelweiss Box» wieder im Einsatz.

Ein weiteres Thema seien natürlich die Umweltbemühungen - hier wird das Thema SAF (Sustainable Aviation Fuel) gross geschrieben und beim Bordprodukt auf die Reduktion des Plastikanteils geachtet. Im Hinblick auf die Modernisierung der Flotte gibt es dagegen noch nicht allzu viel zu vermelden: Die Ablösung der aktuellen A320 werde laut Bauer erst ab 2026 ein Thema sein.

Wichtig: Heymann versicherte, man wolle nun auch wieder die Kundendienst-Kapazitäten hochfahren, um Unsicherheiten bei Kunden abzubauen. «Wir wollen ‹Best in Class› werden», lautet hier das Ziel.

Rückblick auf den Sommer 2021

In der Restrospektive zum vergangenen Sommer erklärte Heymann, man sei planerisch von einer gegenüber 2020 bereits stark verbesserten Situation ausgegangen, insbesondere auf der Kurzstrecke, dies natürlich aufgrund der fortgeschrittenen Impfquoten in der Schweiz und in vielen anderen Ländern. Deshalb mangelte es nicht an Herausforderungen: Das im Sommer extrem wichtige USA-Geschäft blieb infolge der dort zu jenem Zeitpunkt noch geschlossenen Grenzen aus, und wie bereits geschildert fehlte ein Monat aufgrund der spät zurückgenommenen Quarantäneliste.

Ab Juli sei allerdings ein starkes Sommergeschäft gefolgt, was unterstreicht, wie schnell die Nachfrage bei einer einigermassen gewährleisteten Planungssicherheit wieder zurück ist. «Es gab enen schnellen Ramp-Up auf der Kurzstrecke und auch auf einigen Langstreckenzielen», resümiert Heymann - doch es blieb bei sehr kruzfristigen Buchungen. Nachfrageseitig auf den Top-Plätzen gelandet seien, auf der Kurzstrecke, laut Heymann Heraklion, die Balearen (Palma und Ibiza), Larnaka und Pristina. Auf der Langstrecke waren dagegen vor allem Punta Cana, Cancun und San Jose gefragt.

Wie steht es um das Wintergeschäft 2021/22?

Angesprochen auf den aktuellen Winterflugplan, holte Bauer aus, dass die Planung sehr schwierig gewesen sei, «unter anderem wegen der Abgabe zweier A330-Maschinen an die Eurowings», oder weil wichtige Ziele wie Thailand weiterhin kaum sinnvoll zu bereisen seien.

Trotzdem sei die verfügbare Flotte, dabei insbesondere die vier Langstreckenflugzeuge, «auf maximaler Produktivität, auf der Kurzstrecke sogar leicht über dem Niveau von 2019», so Bauer. Zwar gebe es nun neue Herausforderungen bei der Passagiernachfrage, doch geht man bei Edelweiss von einem trotzdem guten Wintergeschäft aus.

Angesprochen auf die oftmals in die Planung aufgenommenen Zwischenstopps, erklärte Bauer: «Aktuell sind Forecasts schwierig zu machen. Unser Fokus liegt darauf, ein möglichst grosses Angebot zu haben, also den Gästen das bieten zu können, was sie wünschen. Operativ mussten wir hin und wieder Flüge zusammenlegen, teils weil die Nachfrage bei neuen Zielen wie Luxor schwierig abzuschätzen ist, teils wegen unvorhergesehenen operativen Hindernissen, wie etwa dem Vulkanausbruch auf La Palma. Das Ziel, den Gast am selben Tag zu seinem Ziel zu bringen, konnten wir aber in den meisten Fällen erreichen. Ich war immer ein Verfechter davon, alles nonstop zu bedienen, das ist das Edelweiss-Produktversprechen. Das war in den Systemen bislang nie priorisiert, doch das machen wir jetzt. Wir wissen, dass Zwischenstopps viel von den Crews und den Gästen abverlangen, aber das ist die beste Lösung für alle. Wir werden bei den Hauptzielen sicher wieder zur Nonstop-Bedienung zurückkehren. Es gibt aber auch Ziele, die ohne Zwischenstopp nicht vernünftig zu bedienen sind - ich denke da an Luxor, Kilimanjaro oder Montego Bay - Nischenmärkte, die wir aber im Angebot halten möchten.»

Und wie sieht die aktuelle Buchungssituation aus? Laut Heymann wird immer noch recht kurzfristig gebucht, seit dem 26. November (Quarantäneliste) gar extrem kurzfristig. «Man merkt sofort, wenn Reisebeschränkungen kommen», so Heymann. Ihm zufolge laufen derzeit Cancun oder auch das neue Ziel Havanna sehr gut, und auch  Liberia - gut kombinierbar mit San José - oder Muskat sowie Keflavik würden gut gebucht. Montego Bay scheint noch etwas Anlaufzeit zu benötigen, doch hier gibt man sich zuversichtlich.

Dass die USA noch nicht schon wieder angeflogen werden - Travelnews hatte dies bereits thematisiert - begründet Heymann damit, dass man auf der Langstrecke mit der Lancierung von Sansibar, den Kapverden oder Mombasa schon gut ausgelastet gewesen sei, und die Kommunikation zur Öffnung der USA sehr kurzfristig hereingekommen sei. Zudem seien die USA kein klassisches Winterziel von Edelweiss. Immerhin: Ab März wird wieder nach Tampa geflogen, danach kommen Las Vegas, Denver, Vancouver und Calgary hinzu - alles gut miteinander kombinierbar.

(JCR)