Flug

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Das Kabinenpersonal von Chair, Helvetic Airways und Edelweiss kann bislang noch selber entscheiden, ob es sich impfen lassen will oder nicht. Bild: Mark Timberlake

Impfpflicht bei anderen Schweizer Airlines kein Thema

Von Jean-Claude Raemy/Nina Wild

Die Kündigungsandrohung von ungeimpftem Swiss-Flugpersonal sorgte für viel Gesprächsstoff und Kritik. Wie handhaben das andere Schweizer Airlines? Travelnews hat sich umgehört.

Die Swiss hat ihrem fliegenden Personal deutliche Ansagen gemacht: Ab Ende Januar wird die Airline jenen Personen kündigen, welche sich nicht impfen lassen wollen, wie Travelnews berichtete. Mit dieser Handhabung ist die Fluggesellschaft nicht alleine. Mehreren Medienberichten zufolge hat zum Beispiel der US-Carrier United Airlines kürzlich fast 600 Angestellte entlassen, weil sie sich trotz Obligatorium nicht gegen das Coronavirus impfen lassen wollen. «Dies war eine unglaublich schwierige Entscheidung, aber die Sicherheit unseres Teams hatte für uns immer oberste Priorität», teilen Unternehmenschef Scott Kirby und Präsident Brett Hart den Mitarbeitern zu der Entscheidung mit. Die Angestellten haben die Möglichkeit ihren Job zu retten, indem sie sich vor dem offiziellen Kündigungsgespräch impfen lassen. Laut dem Unternehmen liege die Impfquote firmenintern bei über 90 Prozent.

Das Vorgehen der Swiss führte derweil zu viel Gesprächsstoff und Kritik. Wie handhaben dies eigentlich andere Schweizer Airlines? Travelnews hat nachgefragt. Mehdi Guenin, Mediensprecher von Helvetic Airways, erklärt: «Konkrete Pläne zur Einführung einer Impfpflicht für unser fliegendes Personal gibt es nicht.» Jedoch habe sich die Schweizer Regionalfluggesellschaft schon immer für die Impfung eingesetzt und dies in der Vergangenheit mehrfach intern und extern kommuniziert. «Helvetic Airways hat volles Vertrauen in ihre Mitarbeiter und setzt derzeit ganz klar auf Eigenverantwortung. Zum heutigen Zeitpunkt empfehlen wir nach wie vor unseren Mitarbeitenden, sich impfen zu lassen und ermutigen sie auch aktiv dazu», so Guenin. Die Fluggesellschaft lasse sich bewusst Zeit und prüfe die Situation laufend - und es könne nicht ausgeschlossen werden, dass eine Impfpflicht in Zukunft eingeführt werde.

Bei Edelweiss erklärt Sprecher Andreas Marti: «Edelweiss hat nach wie vor kein Impfobligatorium. Wir beurteilen die Situation jedoch laufend.»

Bei Chair Airlines klingt es ähnlich: «Aktuell besteht für unsere Besatzungsmitglieder keine Impfpflicht», versichert eine Sprecherin auf Anfrage. Ohnehin sei der grösste Teil der Crewmember bereits geimpft. «Als Fluggesellschaft mit Point-to-Point-Verbindungen haben unsere Crewmitglieder zudem keine Nightstops. Das heisst, unsere Besatzungen verlassen das Flugzeug an der Destination nicht, sondern kehren nach rund einer Stunde wieder zurück nach Zürich», führt die Sprecherin aus.

Einsatzplanung ist kompliziert

An dieser Stelle muss man aber Swiss und United auch etwas in Schutz nehmen. Die Impfpflicht hat weniger mit einer «Überzeugung» zu tun und vielmehr mit konkreten betrieblichen Zwängen. Fluggesellschaften haben nämlich damit zu kämpfen, wonach viele Staaten Massnahmen zum Erhalt der öffentlichen Gesundheit - darunter eben Impfvorgaben, aber auch Tests und Quarantänevorschriften - auf Besatzungen in gleicher Weise anwenden wie auf die allgemeine reisende Öffentlichkeit. Ist ein Crew-Mitglied nicht geimpft, kann es somit möglicherweise nicht zu gewissen Destinationen mitfliegen, was logistische Probleme schafft, welche gerade bei grossen Airlines mit breitem Netzwerk und trotzdem noch knappem Personal nicht immer lösbar sind.  

Bei kleineren Airlines ist dieses Problem nicht so akut. Bei Helvetic Airways sind die Planungsschwierigkeiten dennoch ein bekanntes Problem: «Je nach Zielort, den wir anfliegen, sind wir in der Tat bei der Planung unserer Besatzungen punktuell mit Schwierigkeiten konfrontiert. So verlangen viele Länder eine Impfung oder einen Test, bevor eine Besatzung über Nacht bleiben oder einreisen darf», so Guenin. Wenn also nur ein Teil der Besatzung die Einreisebestimmungen für einen Nightstop erfülle, müsse die Besatzung neu zusammengestellt werden. Abschliessend sagt er: «Dies erhöht die Komplexität des Prozesses erheblich und reduziert schlussendlich die Effizienz unseres Flugbetriebs. Helvetic Airways hat jedoch Verständnis für die Unsicherheit ihres Flugpersonals in Bezug auf eine mögliche Impfpflicht, hier pflegen wir einen aktiven und offenen Dialog.»

Bei Edelweiss scheint das Problem derweil überschaubar zu sein. Edelweiss-Sprecher Marti etwa erklärt auf die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Impfpflicht und betrieblichen Einschränkungen: «Derzeit haben nur sehr wenige unserer Destinationen Vorgaben betreffend Impfungen gemacht. Daher lässt sich dies ohne grossen Aufwand planen.»

Und was ist mit der IATA? Es gibt Gerüchte, wonach die IATA einen Impfzwang bei allen Airlines erwirken will. Dazu ist zu sagen, dass die IATA keine Weisungsbefugnis gegenüber ihren Mitgliedern in solchen Angelegenheiten hat. In einem Positionspapier hatte sich die IATA, welche sehr wohl «pro Impfung» ist, ursprünglich argumentiert, dass Crew-Mitglieder von den vielen unterschiedlichen Einreisebestimmungen befreit sein sollten, um die Airlines nicht mit unnötigen operationellen und finanziellen Bürden zu belasten. In einem weiteren Positionspapier hatte sich die IATA gar auf den Standpunkt gestellt, dass die Impfung kein Zwang für Luftfahrt-Mitarbeitende sein müsste. Beide Positionspapiere sind allerdings schon einige Monate alt und die Haltung könnte sich verändert haben. Das scheint aber nicht der Fall zu sein. Auf Anfrage von Travelnews erklärt IATA-Sprecherin Kalliopi Lazari: «Die IATA hat die Staaten aufgefordert, die Beschäftigten der Luftfahrtindustrie in die Liste der vorrangig zu impfenden Personen aufzunehmen, um sicherzustellen, dass die kritische Verkehrsinfrastruktur aufrechterhalten werden kann. Die Entscheidung darüber, wie Impfvorschriften eingehalten werden sollen, muss aber jede Fluggesellschaft für sich selbst treffen.»