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Halbierung der Emissionen, Netto-Null bis 2050 - die Airlines stellen sich demonstrativ hinter die Klimaziele. Bild: Stephan Mahlke

Die Fluggesellschaften in der Schweiz unterstützen grüne Anliegen

Zeitgleich haben sich Swiss und Easyjet ihre Unterstützung für klimapolitische Absichten bekannt gegeben. Das ist im Vorfeld der Abstimmung zum CO2-Gesetz ein cleverer Move - aber natürlich auch durchaus aufrichtig gemeint.

Das Aviation Research Center Switzerland (ARCS) hat 2020 das Projekt «Road Map Sustainable Aviation» gestartet und zusammen mit der Firma Ecoplan eine Studie ausgearbeitet, um ein Vorgehen zur Reduktion von CO2-Emissionen in der Schweizer Luftfahrt im Einklang mit der bundesrätlichen langfristigen Klimastrategie zu entwickeln (die Studie ist unter diesem Link ersichtlich). Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der Fluggesellschaft Swiss, der Swiss Business Aviation Association (SBAA), den Landesflughäfen Zürich, Genf und Basel, den Bundesämtern für Zivilluftfahrt (BAZL) und Umwelt (BAFU) sowie der ETH Zürich und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) hat die Studie begleitet.

Gestützt auf den Bericht haben Swiss und weitere Vertreter der Branche eine gemeinsame klimapolitische Absichtserklärung der Schweizerischen Luftfahrt verabschiedet. Darin bekräftigen sie ihre Unterstützung für das Übereinkommen von Paris sowie die Zielsetzung von Netto Null CO2-Emissionen in 2050. Zudem bekennen sie sich zu folgenden Massnahmen, um diese Ziele in der Schweizerischen Luftfahrt zu erreichen:

  • Schrittweiser Ersatz von fossilem Kerosin durch biogene und synthetische Treibstoffe (Sustainable Aviation Fuels SAF)
  • Einsatz von modernen, CO2-emissionsärmeren Flugzeuge
  • Treibstoffeffizientere Abwicklung des Flugverkehrs am Boden und in der Luft
  • Einsatz von ökonomischen Instrumenten (freiwillige CO2-Kompensation, Teilnahme am Emissionshandelssystem (ETS) und CORSIA als Übergangslösung sowie Carbon Removal Projects zur Reduktion der verbleibenden Emissionen).

Zur Realisierung dieser vier Massnahmenpakete ist der Luftverkehr auf entsprechende politische und gesetzliche Rahmenbedingungen angewiesen. Die Luftverkehrsbranche der Schweiz appelliert deshalb an den Bund, die «Road Map Sustainable Aviation» aktiv zu unterstützen. Zur Erreichung der Klimaziele braucht der globalisierte Luftverkehr international koordinierte Massnahmen. Zudem gilt es, insbesondere die Weiterentwicklung und Markteinführung von Sustainable Aviation Fuels (SAF) voranzutreiben.

«Wird das CO2-Gesetz in der Volkabstimmung vom 13. Juni 2021 angenommen, müssen in der daraus abgeleiteten CO2-Verordnung Mechanismen geschaffen werden, welche die Klimaschutzanstrengungen der Branche unterstützen, ohne die Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Luftfahrtstandorts zu gefährden», erklärt Swiss-CEO Dieter Vranckx, «der heutige Vernehmlassungsentwurf würde SWISS wirtschaftlich massiv schwächen und uns die Basis für effektive Klimaschutzmassnahmen entziehen», fährt Vranckx fort.

Jean-Marc Thevenaz, Geschäftsführer von Easyjet Switzerland, erklärt seinerseits: «In den vergangenen 25 Jahren haben wir bereits effizientes und nachhaltiges Fliegen vorangetrieben. Als Mitglied der Schweizer Luftfahrt wollen wir weiterhin unseren Beitrag leisten, das Netto-Null-Klimaziel bis 2050 zu erreichen. Wir bedienen als Fluggesellschaft Kurz- und Mittelstrecken in Europa und konzentrieren uns auf einen effizienten Betrieb, während wir mit unseren Partnern Wright Electric und Airbus zusammenarbeiten, um Flugzeuge mit emissionsfreien Technologien für unser zukünftiges Netzwerk zu entwickeln. Bis diese neuen Technologien verfügbar sind, setzen wir auf Zwischenlösungen wie die CO2-Kompensation, durch die wir die CO2-Emissionen des verbrauchten Treibstoffs im Namen unserer Kunden ausgleichen. [...] Wir brauchen jetzt die politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen, die die Entwicklung der unterschiedlichen Lösungen für die Kurz- bzw. Langstrecke gleichermassen fördern. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Luftfahrt ein internationales Geschäft ist und die Massnahmen daher auch international koordiniert werden müssen.»

Klimaschutz ist schon seit Jahren ein Airline-Thema

Klimaschutz ist für Swiss seit Jahren ein wichtiges Anliegen. Um ihre Umweltwirkungen kontinuierlich zu reduzieren, verfolgt Swiss die Vier-Säulen-Strategie des internationalen Branchenverbands IATA. Neben einer umfassenden Flottenmodernisierung und der Nutzung von technologischen Innovationen stehen die kontinuierliche Verbesserung der Treibstoffeffizienz sowie optimierte Verfahren in der Luft und am Boden im Vordergrund.

Im Rahmen der grössten Flottenerneuerung ihrer Geschichte (Airbus A220 und A32Xneo, Boeing 777) investiert Swiss über 8 Milliarden Franken innerhalb eines Jahrzehnts in moderne, CO2-emissionsärmere Flugzeuge. «Wir haben uns zum Ziel gesetzt, bis 2030 unsere CO2-Emissionen gegenüber 2019 zu halbieren und bis 2050 CO2-neutral zu fliegen. Investitionen in modernste Flugzeugtechnologien und in synthetischen Treibstoff gehören dabei zu den wichtigsten Hebeln», erklärt Vranckx.

Ähnlich klingt es bei Easyjet. Dort heisst es in einer Mitteilung: «Easyjet verfolgt bereits seit Jahren eine weitreichende Strategie, um den CO2-Fussabdruck langfristig bis auf Netto-Null zu reduzieren. Bis die Technologien verfügbar sind, setzen wir auf einen effizienten Flugbetrieb, indem wir unseren CO2-Ausstoss durch moderne Flugzeuge und eine spritsparende Flugweise reduzieren: Seit 2000 haben wir unsere CO2-Emissionen um ein Drittel auf 70,77 Gramm per Passagierkilometer reduziert. Ausserdem erneuern wir ab Herbst unsere Schweizer Flotte durch fünf Airbus A320neo, die bis zu 15% weniger CO2 emittieren. Als ersten wichtigen Schritt, um Fortschritte zu machen, gleichen wir zudem als erste grössere Fluggesellschaft den CO2-Ausstoss des Treibstoffs von all unseren Flügen vollständig aus, indem wir in zertifizierte Klimaschutzprojekte investieren. Auch den Einsatz von synthetischen Kraftstoffen für unsere Easyjet-Flüge sehen wir als Zwischenlösung, bis die neuen Technologien verfügbar sind.»

(JCR)