Flug

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Musste mit jeder neuen Corona-Welle die ursprüngliche Planung verschieben: Tamur Goudarzi Pour, Chief Commercial Officer von Swiss. Bild: TN

«Im Hochsommer fliegen wir an 49 zusätzliche Destinationen»

Von Gregor Waser

Tamur Goudarzi Pour, Chief Commercial Officer von Swiss, erläutert im Travelnews-Interview den deutlichen Ausbau des Sommerflugplans und sagt, dass die Ressourcen in den Call Centers für Fluggäste und Reisebranchen-Partner erhöht wurden.

Herr Goudarzi Pour, Sie haben den Sommerflugplan nochmals angepasst. Wie gestaltet sich das Flugangebot für die nächsten Wochen und Monate? Und welche Passagiere haben Sie primär im Fokus?

Tamur Goudarzi Pour: Auf den Hochsommer hin nehmen wir im Juni und Juli 49 zusätzliche Destinationen ins Angebot auf. Total sind es nun 125 Ziele – 85 ab Zürich, 40 ab Genf. Der Flugplan ist stärker auf Freizeit- und Besuchsreiseverkehr ausgerichtet, weshalb unser Augenmerk auf einem grossen Streckenangebot liegt. Wir bieten im «Southern Belt», dazu gehören Griechenland, Italien, Spanien und Portugal, ein breites Angebot an. Man findet auch viele Städteziele im Angebot, die teilweise aber weniger häufig angeflogen werden. Die Geschäftsreisenden haben wir natürlich ebenfalls im Fokus und bedienen deshalb insbesondere zu Tagesrandzeiten die wichtigsten Metropolen der Welt. Das Gesamtangebot liegt strukturell jedoch deutlich unter dem Niveau der Zeit von vor der Pandemie.

Sie haben einige überraschende Ziele neu im Angebot.

Ja, neben der Wiederaufnahme vieler Destinationen, die wir temporär nicht angeflogen haben, bedienen wir einige neue, interessante Ziele wie etwa Billund und Tallinn ab Zürich. Beide sind bezüglich Buchungen bereits vielversprechend angelaufen. Ab Genf ist Funchal auf Madeira neu dabei, sowie auch Ponta Delgada auf den Azoren. Ebenfalls neu fliegen wir ab Genf nach Santorini und Split.

Die Swiss reduziert ihre Flotte bis ins Jahr 2023 voraussichtlich um rund 15 Prozent. Hat diese Redimensionierung für Ihre Planung eine Rolle gespielt?

Nein, die Redimensionierung ist mittel- bis langfristiger Natur und in diese neue Grösse von Swiss müssen wir erstmal reinwachsen. Die Planung für den Hochsommer bezieht sich auf die aktuell kurzfristig steigende Nachfrage infolge der Impffortschritte und sich lockernder internationaler Reiserestriktionen. Wir fliegen zurzeit immer noch mit einer Kapazität von rund 30 Prozent, im Hochsommer werden es 50 bis 55 Prozent im Vergleich zu 2019 sein. Wir werden die Flotte dann voraussichtlich schrittweise weiter aufbauen und diese bis 2023 mit 26 Langstrecken- und 59 Kurzstreckenmaschinen dimensionieren. Natürlich ist dabei Flexibilität von grosser Wichtigkeit, sodass wir auf alle möglichen Nachfrageveränderungen schnell reagieren können.

«Wir haben unsere Ressourcen in den Call Centers erhöht, auch für unsere Partner aus der Reisebranche.»

Der Bundesrat hat weitere Öffnungsschritte angekündigt und erleichtert etwa Einreisen für Geimpfte. Wie verfolgen Sie diese Entwicklung?

Wir begrüssen jeden dieser Entscheide, doch sind noch weitere Schritte notwendig, beispielsweise erleichterte Einreise- und Transitbestimmungen auch für Non-Schengen-Flüge. Diese spielen für den Hub Zürich eine wichtige Rolle, insbesondere für den Transatlantikverkehr.

Welche Faktoren haben die Sommerflugplanung geprägt?

Unsere ursprüngliche Planung mussten wir mit jeder neuen Corona-Welle verschieben. Es gilt deshalb die kurzfristigen aber auch die strukturellen Nachfrageveränderungen im Auge zu behalten. Wir erhalten viele Informationen aufgrund des Suchverhaltens potentieller Fluggäste von den verschiedenen eigenen und Partner-Suchmaschinen sowie Buchungsplattformen. Mit diesem Monitoring lässt sich die Nachfrage gut identifizieren. Unser Ziel ist, unseren Kundinnen und Kunden unter den gegebenen Umständen ein möglichst stabiles Angebot anzubieten. Viele unserer Fluggäste sind schon lange nicht mehr geflogen, weshalb eine verlässliche und sichere Flugplanung und -information für sie umso wichtiger sind.

Was sagen Sie verunsicherten Fluggästen?

Wir haben in der Krise gezeigt, dass Fliegen verlässlich und sicher ist. Das Feedback von unseren Fluggästen, die bereits mit uns geflogen sind, ist sehr positiv. Ich verstehe aber, dass Kundinnen und Kunden, die seit langem das erste Mal wieder fliegen, eine gewisse Unsicherheit verspüren. Wir stellen ihnen daher unter anderem auf unserer Webseite ausführliche Informationen, etwa einen Travel-Hub zum Thema Reisen unter Pandemie-Bedingungen, zur Verfügung. Auch unsere Partner in der Reisebranche sind für uns sehr wichtig, um die Kunden entsprechend zu informieren. Wir haben deshalb unsere Ressourcen in den Call Centers nicht nur für die Fluggäste, sondern auch für unsere Partner erhöht und folglich die Erreichbarkeit verbessert.

Wird die gebührenfreie Umbuchung weiterhin möglich sein?

Ausnahmslos sind alle seit Ende August 2020 bis zum 31. Juli 2021 gebuchten Tickets von Swiss beliebig oft und gebührenfrei umbuchbar, wenn die Umbuchung ebenfalls bis dahin erfolgt. Danach ist noch eine weitere gebührenfreie Umbuchung möglich. Das neue Abflugdatum kann anschliessend bis zum 31. Juli 2022 gewählt werden. Mehrkosten können bei Umbuchungen allerdings entstehen, wenn beispielsweise bei einem Wechsel auf ein anderes Datum die ursprüngliche Buchungsklasse nicht mehr verfügbar ist oder ein anderes Reiseziel gewählt wird.

«Zürich wird auch zukünftig ein wichtiger Hub innerhalb der Lufthansa Group bleiben.»

Wenn die Swiss nun auf weniger Geschäftsreisende zählen kann, werden dann die Tickets in der Economy-Klasse teurer?

Strukturell erwarten wir bis auf weiteres weniger Geschäftsreisende als vor der Pandemie. Aber auch von ihnen erhalten wir das Feedback, dass sie kurzfristig grossen Nachholbedarf haben. Deshalb erwarten wir in diesem Segment, insbesondere bei den klein- und mittelständischen Unternehmen, nach den Sommerferien eine erhöhte Nachfrage. Wir werden aber deshalb die Preise in der Economy Class nicht erhöhen. Grundsätzlich ist die Preisentwicklung immer eine Frage von Angebot und Nachfrage. Aktuell liegen die verfügbaren Preise aufgrund der niedrigeren Auslastungen der Flüge tendenziell unter dem Preisniveau von 2019.

Wie gestaltet sich die Situation aktuell auf der Langstrecke?

Wir planen hier nun einen sukzessiven Aufbau der Passagierflüge, doch hängt hierbei vieles von den Öffnungsschritten und Einreisebestimmungen der Länder ab. Bei den Nordamerika- und Dubai-Flügen ist die Nachfrage anziehend. Auch in den nächsten Monaten rechnen wir mit einer überproportionalen Nachfrage auf den Transatlantik-Strecken. Richtung Asien gibt es aktuell noch mehr Reiserestriktionen, weshalb es noch keinen grossen Anstieg an Buchungen gibt. Dennoch ist es unser Ziel, Direktverbindungen aus der Schweiz in die wichtigsten Metropolen der Welt anzubieten.

Teils auch über Frankfurt, München und Wien... Könnte der Hub Zürich künftig an Bedeutung verlieren?

Das sehe ich gar nicht so. Zürich wird auch zukünftig ein wichtiger Hub innerhalb der Lufthansa Group bleiben. Wir bieten unseren Gästen daher weiterhin ein breites Langstreckenangebot an. Zudem wird Swiss als starker Premium Hub-Carrier das Angebot in diese Richtung weiter ausbauen. Eine wichtige Rolle wird dabei auch die Premium Economy spielen, die wir im vierten Quartal 2021 zuerst auf der Boeing 777 einführen werden. Ich bin überzeugt, dass wir mit diesem völlig neuen und sehr preiswerten Angebot das Bedürfnis unserer Kunden nach zusätzlichem Freiraum und Service an Bord, insbesondere aufgrund von Corona, noch besser abdecken können.