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Helvetic Airways besitzt für alle Szenarien die nötige Flexibilität

Von Jean-Claude Raemy

Die Sparmassnahmen bei der Swiss könnten auch deren Partnerschaft mit Helvetic Airways betreffen. Bei der kleineren der beiden Schweizer Fluggesellschaften bleibt man diesbezüglich entspannt.

In der neusten «SonntagsZeitung» gab Swiss-CEO Dieter Vranckx etwas Überraschendes von sich: Fast geläufig wurde erwähnt, dass die Anzahl der durch Helvetic Airways operierten Flüge reduziert werden soll - konkret würde somit der Vertrag, der den Einsatz von acht Flugzeugen der Helvetic Airways für die Swiss (im Wet-Lease) vorsieht, also abgeändert, so dass möglicherweise nur noch vier Flugzeuge eingesetzt würden. Im Raum steht also eine Reduktion dieser «Fremdproduktion» um die Hälfte - und dies, obwohl es aus Netzwerk-Sicht noch nicht mal von Vorteil wäre, weil Helvetic über Maschinen des Typs Embraer E-190 verfügt, welche für diverse Ziele die ideale Grösse haben. Dazu Vranckx: «Man muss auch sensibel gegenüber den Mitarbeitenden sein, weshalb wir bei einem Partner, der nicht zur Lufthansa-Group gehört, stärker reduzieren.»

Zum einen muss man hier festhalten, dass noch gar nichts entschieden ist. Die Swiss hat einen Konsultationsprozess am laufen, welcher noch bis zum 25. Mai dauert. Erst dann wird entschieden, in welchem Masse das eigene Geschäft reduziert wird und ob in diesem Zusammenhang auch der Vertrag mit Helvetic abgeändert wird. Wäre dies bei einem laufenden Vertrag überhaupt möglich? Mehdi Guenin, Sprecher von Helvetic Airways, gibt keine Details zu Vertragsdauer oder irgendwelchen darin enthaltenen Stipulierungen preis, hält jedoch fest, dass eine allfällige Reduktion «lediglich für die Sommersaison 2021 gelten würde» und im Fall einer guten Entwicklung der Nachfrage auch schnell wieder hinfällig sein könnte. Oder mit anderen Worten: «Die Partnerschaft mit der Swiss ist intakt und wir sind im Austausch hinsichtlich den verschiedenen Optionen, mittels derer wir und die Luftfahrt allgemein aus der Krise kommen.» Helvetic Airways wurde natürlich vorab von Swiss über einen möglichen Restrukturierungsplan informiert.

Die kleinere der beiden Schweizer Fluggesellschaften bleibt angesichts der doch negativen Nachrichten bei Swiss ohnehin ruhig. Aktuell besteht die Flotte aus 12 Flugzeugen; noch vier der älteren Embraer 190-E1 und acht Embraer 190-E2. Mitte Juni erfolgt die Auslieferung der ersten, etwas grösseren Embraer 195-E2, Ende Juni der zweiten, Mitte Juli der dritten und Ende Juli der vierten. Bis Ende Juli wird also die Helvetic-Flotte auf 16 Flugzeuge angewachsen sein. Mit der abgeschlossenen Flottenerneuerung ist man dann vollständig flexibel für jede Art von Entwicklung - also bei einer verbesserten Nachfrage für Anfragen von Reiseveranstaltern oder das Auflegen von eigenen Routen, ebenso wie der Honorierung des Vertrags mit Swiss in dessen aktueller Version. «Wir verfügen in der aktuellen Situation mit unseren 110- bis 134-plätzigen Flugzeugen, welche eine Reichweite von 5200 bzw. 4800 Kilometern haben, über das optimale Flugmaterial und genügend Reserven, um für alle Szenarien hinsichtlich der Nachfrage-Entwicklung und der bestehenden Partnerschaften die nötige Flexibilität zu haben», so Guenin. Die auf Flexibilität ausgerichtete Strategie von Helvetic Airways ist also in dieser Krise von besonderem Vorteil.

Natürlich ist die Situation deswegen nicht rosig. Das Wintergeschäft 2020/2021 wurde auf einem Niveau von etwa 30 Prozent der ursprünglichen Kapazität gefahren - im Vergleich allerdings ein ganz ansprechendes Resultat. Laut Guenin sei es nun wichtig, dass sich die Schweizer Luftfahrt möglichst gemeinsam aus der Krise helfe. Wie das nun aus Swiss-Sicht konkret aussehen wird, ist wie erwähnt noch unklar; hinter den Kulissen und via Medien läuft nun jedenfalls die Auseinandersetzung zwischen Management und Gewerkschaften auf vollen Touren. Vielleicht ist die Ankündigung von Vranckx hinsichtlich der Kooperation mit Helvetic auch vor diesem Hintergrund zu verstehen, was sein oben zitierter Satz nahelegt. Ihm stehen in jedem Fall harte Entscheide bevor.