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Vorerst geht die Condor siegreich aus der Auseinandersetzung mit der Lufthansa hervor. Bild: Condor

Condor und Lufthansa halten vorerst an ihrer Vereinbarung fest

Die beiden Fluggesellschaft haben sich hinsichtlich der Zubringerflüge geeinigt. Es ist aber wohl nur ein Friede auf Zeit.

Dass Condor das Tauziehen gegen Lufthansa um den Fortbestand des SPA-Vertrags (SPA = «Special Prorate Agreement») gewinnen würde, hatte sich bereits Ende März abgezeichnet. Eine Prüfung durch das deutsche Bundeskartellamt sowie politischer Druck aus Berlin führten dazu, dass sich die beiden Airlines nun zumindest vorübergehend gefunden haben. In einer kurzen Meldung am 11. Mai wurde angekündigt, dass das seit Jahren bestehende Abkommen um ein Jahr verlängert wird.

Im Wortlaut hiess es: «Lufthansa und Condor haben vereinbart, dass Flüge von Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines als Möglichkeit der Zu- und Abbringung zu Condor-Langstreckenflügen mit Flugdatum bis zum 10. Mai 2022 gebucht und genutzt werden können. Diese verbindliche Vereinbarung von Lufthansa und Condor im Sinne einer konstruktiven Partnerschaft gilt für die erwartete Dauer des Hauptsacheverfahrens beim Bundeskartellamt und schafft damit für Kunden und Partner Sicherheit.»

Für Condor ist dies insofern eine gute Nachricht, als damit die Convenience für Kunden sichergestellt ist: Wird von Lufthansa auf Condor umgestiegen, reist man mit einem Flugticket, das Gepäck wird durchgecheckt wird und Verspätungen sind abgesichert – unabhängig davon, ob eine Pauschalreise oder ein Flug mit Zu-/Abbringer gebucht wurde. Während damit vorläufig und noch in der Krise ein wichtiges Signal gesetzt wird, dürfte es sich nur um einen «Frieden auf Zeit» handeln. Nicht umsonst hatte ja die Lufthansa im letzten November den langjährigen Vertrag mit Condor gekündigt. Zu verstehen ist dies insofern, als dass Condor nun als eigenständige Fluggesellschaft in Konkurrenz zur Lufthansa bzw. Eurowings und auf der Langstrecke insbesondere zu deren Ferienflugtochter Eurowings Discover tritt, und indirekt natürlich auch mit der zum Lufthansa-Konzern gehörenden Edelweiss hier in der Schweiz. Die Lufthansa hatte unlängst klargestellt, dass man angesichts der Probleme im Geschäftsreisesektor und der als schneller erwarteten Erholung im Touristikgeschäft den Fokus vorläufig auf dieses stellt. Da will man der Condor natürlich nicht mit einem solchen Agreement quasi «unter die Arme greifen» - wobei dieses Agreement natürlich keine Gratisdienstleistung der Lufthansa ist, sondern die Condor zahlt für die Zu- und Abbringerflüge marktübliche Preise.

Das deutsche Bundeskartellamt wird nun die Vereinbarung weiter beobachten. Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, erklärte in einem Statement: «Für die kommenden Monate scheint damit eine Einigung zwischen Lufthansa und Condor gefunden, so dass wir unser Eilverfahren voraussichtlich einstellen können. Wir werden aber im Hauptsacheverfahren prüfen, ob die Vereinbarung über die kommenden 12 Monate hinaus aufrechtgehalten werden muss. Lufthansa ist nach unserer vorläufigen Auffassung beim Angebot von Zubringerflügen zu den grossen Flughäfen in Deutschland marktbeherrschend. Es gibt deshalb noch weitere kartellrechtliche Fragestellungen, die unabhängig von der grundsätzlichen Weiterführung der Verträge einer Prüfung bedürfen.» Bis Ablauf des neuen Vertrags in einem Jahr soll ein Entscheid vorliegen.

Klar ist: Condor wird am SPA-Agreement festhalten wollen, Lufthansa eher nicht. Wie lange das Argument der Wettbewerbsverzerrung im freien Markt zieht und die Lufthansa zur offensichtlich ungewollten Partnerschaft verdonnert werden kann, wird sich zeigen. Klar ist auf jeden Fall, dass in absehbarer Zukunft im europäischen Ferienflugmarkt mit harten Bandagen gekämpft wird.

(JCR)