Flug

AFF_baptiste-pilot.jpg
Der französische Staat will der Air France im Domestic-Flugverkehr offenbar die Flügel stutzen. Bild: Baptiste Pilot

Frankreich will einen Grossteil der Inlandflüge verbieten

Der französische Staat hat per Gesetzesentwurf ein Verbot ausgesprochen für Flüge, welche sinnvollerweise auch mit der Bahn abgedeckt werden können. Was allerdings nicht heisst, dass es keine Inlandflugstrecken mehr geben wird.

Über ein mögliches Verbot von Inlandflügen im Kampf gegen die globale Klimaerwärmung wird in unserem westlichen Nachbarland schon seit rund zwei Jahren diskutiert. Am Samstag (10. April) hat das französische Parlament die Behörden nun aber Nägel mit Köpfen gemacht: So wurde ein Verbot von Kurzstreckenflügen verabschiedet, für welche es innerhalb von zweieinhalb Stunden auch eine Alternative mit dem Zug gibt. Kurz zuvor war schon bekannt geworden, dass auf den Bau des geplanten vierten Terminals am Flughafen Paris-Charles de Gaulle verzichtet wird.

Mit diesem Gesetzesentwurf zugunsten der Schiene können also schon in Kürze Flüge zwischen Paris und beispielsweise Bordeaux, Lyon oder Nantes verboten werden. Noch ist es allerdings erst ein Entwurf und noch nicht fixes Gesetz. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass schon in der aktuellen Version das Gesetz weniger weit geht als von den Initianten vorgesehen: So gibt es beispielsweise eine Ausnahme für internationale Zubringerflüge. Will heissen: Paris-Bordeaux könnte, als Bestandteil eines internationalen Routings wie etwa Singapur-Paris-Bordeaux, durchaus noch als Flugstrecke angeboten werden. Verboten wird die reine Flugstrecke Paris-Bordeaux. Air France müsste also beispielsweise sicherstellen, dass diese Strecke nur noch als Bestandteil eines internationalen Flugs gebucht werden kann. Sprich, man kann von Bordeaux aus auch weiterhin via Paris in die weite Welt fliegen. Aber rein nach Paris geht's nur noch per Zug oder anderen terrestrischen Verkehrsmitteln.

Für den französischen National Carrier ist dieses Domesticflug-Teilverbot natürlich keine gute Nachricht und kommt kurz nachdem der französische Staat der Air France mit einem Milliardenkredit unter die Arme gegriffen hat, wofür diese allerdings Slots in Paris-Orly aufgeben musste und an welche auch bereits Konzessionen im Domesticverkehr gebunden waren. Diese liegen nun ausformuliert vor und müssen nur noch zwei Abstimmungsrunden überstehen.

Die Frage ist dann natürlich, ob dieser Eingriff ins Beförderungsgesetz aus Klimaschutzgründen auch für andere grössere Länder vor allem Europas Signalwirkung haben würde. Letztlich ist es aber eine «milde Form»: Der reine Flugverkehr zwischen grösseren Metropolen ist bislang vor allem eine Angelegenheit für Geschäftsreisende. Und diese müssen nun zumindest innerhalb Frankreichs wohl noch stärker auf den Zug oder allenfalls auf Zoom umsteigen, nicht jedoch die internationalen Geschäftsreisenden... Wie die französische Konsumentenschutzgruppierung Que Choisir festhält, werden von der Massnahme gerade mal 12 Prozent aller Inlandflugpassagiere betroffen sein...

(JCR)