Flug

Der beschauliche Hauptstadtflughafen (im Vordergrund sichtbar) bleibt bis auf Weiteres ein Tor zur Welt. Bild: AdobeStock

«Der Flughafen Bern wird auch diese Krise überstehen»

Der neuste Geschäftsbericht der Flughafen Bern ist erwartungsgemäss keine freudige Lektüre. Immerhin sei der Betrieb nachhaltig sichergestellt - und das Flughafenteam glaubt an den aviatischen Grundsatz «Gegenwind erzeugt Auftrieb».

Der Flughafen Bern hat in seiner Geschichte schon zahlreiche Turbulenzen durchgestanden. Primär hingen diese mit Absprüngen wesentlicher Carrier, etwa in Form von Groundings (wie zuletzt 2018 mit Skywork) zusammen. Doch die Corona-Krise hat ganz andere Krisen-Dimensionen ausgelöst und wir konstatierten schon vor einem Jahr, dass der Flughafen «angezählt» sei. Doch die Berner sind zäh, CEO Urs Ryf glaubt felsenfest an die Zukunft des Flughafens und mit dem neuen Eigentümer hat auch Belpmoos Reisen die Verzahnung von Flughafen und Reisevertrieb zum Erhalt des internationalen Flugbetriebs in der Landeshauptstadt beigetragen.

Doch was sagt der Geschäftsbericht der Flughafen Bern AG, welcher soeben publiziert wurde? Dieser zeigt natürlich, wie gross die Herausforderungen sind. Dank umgehender Einführung von Kurzarbeit sowie weiteren Kostensenkungsmassnahmen konnte der Jahresverlust gegenüber dem Vorjahr noch leicht, auf rund 1,4 Millionen Franken gesenkt werden. Immerhin. Zu den Kostensenkungsmassnahmen gehört ein Personalabbau: Die Unsicherheiten in der Luftfahrtindustrie haben zahlreiche Mitarbeitende dazu veranlasst, sich beruflich neu auszurichten. Aufgrund der freiwilligen Abgänge konnte der Personalbestand ohne Kündigungen von 51 auf 41 Vollzeitstellenäquivalent reduziert und die entstandenen Vakanzen mit den bestehenden Mitarbeitenden kompensiert werden.

Das Projekt mit der eigenen Airline FlyBair wurde leider auch von Corona getroffen. Zur Erinnerung: Der Verwaltungsrat der Flughafen Bern AG hatte im Herbst 2019 entschieden, am öffentlichen Verkehr (Linie und Charter) festzuhalten und das Projekt mit der virtuellen Airline voranzutreiben. Der Erfolg des Crowdfunding und die Buchungszahlen zu Jahresbeginn stimmten zuversichtlich, dass der Flughafen 2020 ein neues Fundament für die künftige Entwicklung legen und den Turnaround schaffen würde. Es kam auch tatsächlich zum Erstflug von FlyBair nach Palma de Mallorca, gefolgt von Flügen etwa auch nach Griechenland; inzwischen sind aber sämtliche Flüge für 2021 ausgesetzt. Im ersten Betriebsjahr erfolgte für FlyBair ein Verlust von 700'000 Franken.

Wo wurde noch gespart? Die Investitionen wurden auf die dringlichsten Vorhaben limitiert. Die Immobilienentwicklung wurde den veränderten Rahmenbedingungen angepasst, die Planung von zwei Hangarprojekten auf der Nordseite mit Flughafenpartnern jedoch vorangetrieben. Wichtig: Der Flughafen blieb jederzeit geöffnet, wobei die Öffnungszeiten und die Feuerwehrdienste den veränderten Rahmenbedingungen und Bedürfnissen flexibel angepasst wurden.

Wechsel im Verwaltungsrat

Zu Änderungen kommt es an der Spitze des Unternehmens. Beat Brechbühl, seit 2004 im Verwaltungsrat (der damaligen Alpar Flug- und Flugplatzgesellschaft AG) und seit 2013 Verwaltungsratspräsident, wird auf die kommende Generalversammlung am 5. Mai hin sein Amt niederlegen. Er übergibt die Flughafen Bern AG «mit gesicherter Liquidität» in die Hände seines Nachfolgers: «Dank Vorsorge in guten Zeiten mit einer starken Eigenkapitalbasis und den einschneidenden und rasch ergriffenen Massnahmen sind wir bereit für die Zukunft. Denn wie auch immer diese aussehen wird, die Flughafen Bern AG und das Flughafen­ Team sind so aufgestellt, dass sie sich flexibel anpassen können.» In der Schublade liegen bewilligte Entwicklungspläne bereit, für die sich Brechbühl bei der Politik, in der Öffentlichkeit und bei privaten Investoren eingesetzt hat.

Das Präsidium soll Alexandre Schmidt (aktuell schon Verwaltungsrat der Flughafen Bern AG) übernehmen. Als ehemaliger Gemeinderat und Finanzdirektor der Stadt Bern sowie als persönlicher Mitarbeiter von zwei Bundesräten ist er erprobt in Fragen der strategischen Positionierung, erfahren im Umgang mit Behörden und Kommunikation und verfügt über ein wichtiges Netzwerk. Alexandre Schmidt ist derzeit Leiter Wirtschaft und Politik beim TCS und wird ab August 2021 Vorsitzender der Geschäftsleitung der Universitären Psychiatrischen Dienste Bern AG.

Der Verwaltungsrat beantragt zudem der Generalversammlung die Wahl von Urs Ryf für den Rest der Amtsdauer von einem Jahr. Vorbehältlich der Wahl wird er zukünftig als Delegierter des Verwaltungsrates amten. Darüber hinaus wurde Andrea Wucher von der Generalversammlung der FlyBair AG am 25.03.2021 in den Verwaltungsrat gewählt. Sie übernimmt das Amt des krankheitshalber zurücktretenden Präsidenten Urs Sieber. Mit Andrea Wucher als Vertreterin des Flughafens sei die Weiterentwicklung und Kontinuität von flyBAIR sichergestellt.

Trotz allem positiver Ausblick

Aufgrund des weiterhin unsicheren Marktumfeldes und der fehlenden Planungssicherheit sei eine Prognose zur Verkehrsentwicklung zum aktuellen Zeitpunkt nicht möglich. Die globalen Reiserestriktionen und die Risikoländerliste des BAG hinterlassen ihre Spuren. Die Ertragseinbrüche seit Jahresbeginn konnten nur teilweise mit Einsparungen im Personaleinsatz kompensiert werden.

Trotz dieser Unsicherheit, welche sich finanziell und organisatorisch auswirkt, stellt die Flughafen Bern AG aber eine Nachfrage für Flüge ab Bern fest. Für Urs Ryf gilt: «Bewahre den Flughafen-Spirit und verliere nicht den Mut. Der Flughafen Bern wird auch diese Krise überstehen und in gewissen Bereichen sogar gestärkt daraus hervorgehen.» Und der designierte VR-Präsident Alexandre Schmidt fügt an: «Wir beherzigen uns einer Grundregel der Aviatik: Gegenwind erzeugt Auftrieb. Wir stellen uns der Herausforderung und gestalten die Zukunft unseres Flughafens Bern. Es wird darum gehen, in enger Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung und dem Verwaltungsrat den Flughafen durch die anhaltenden Turbulenzen zu führen und strategisch für die Zeit nach der Krise vorzubereiten.»

(JCR)