Flug

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Eine Woche lang nicht nach China: Die Swiss wird es verkraften. Bild: aykapog

«Gelbe Karte» aus China für die Swiss

Wegen Coronafällen an Bord eines Swiss-Flugs nach Shanghai hat die Airline ein einwöchiges Beförderungsverbot für Passagiere nach China aufgebrummt bekommen. Das ist für die Swiss nicht besonders schmerzhaft und vor allem Symbolpolitik Chinas. Es rückt aber auch den Bedarf nach Schnelltests wieder in den Fokus.

Die chinesische Zivilluftfahrtbehörde (CAAC) hat mitgeteilt, dass drei Airlines «bestraft» werden, weil sie auf Flügen nach China zu viele Corona-Infizierte mit an Bord hatten. Die Swiss ist eine der bestraften Airlines. Wobei die Strafe relativ mild ist: Eine Woche lang dürfen keine Passagiere nach China befördert werden. Das ist mit den aktuell extrem niedrigen Frequenzen nicht mehr als ein kleines «auf die Finger klopfen» statt einer effektiven Präventionsmassnahme.

Worum geht es konkret? Am 7. Dezember wurden auf dem Flug LX188 von Zürich nach Shanghai bei der Ankunft insgesamt sechs Passagiere als Covid-positiv getestet. Am 3. Dezember waren zudem fünf Passagiere von Ethiopian Airlines auf dem Flug von Addis Abeba nach Chengdu sowie acht Passagiere auf einem Flug von Ikar Airlines (unter der Marke Pegas Fly) von Moskau nach Zhengzhou positiv getestet worden. Ethiopian Airlines und Ikar Airlines müssen ihre China-Passagierflüge ab dem 21. Dezember für eine Woche aussetzen; Swiss wird ab dem 27. Dezember eine Woche lang nicht mit Passagieren nach China fliegen dürfen. Dies meldet die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua.

Auf Anfrage von Travelnews präzisiert Swiss-Sprecherin Meike Fuhlrott, dass es sich bei der «Strafe» nicht um ein temporäres Flugverbot handelt: «Infolge am Zielort positiv getesteter Passagiere wurden Swiss für vereinzelte Flüge auf den Strecken Zürich-Shanghai und Zürich-Hongkong die Verkehrsrechte für die Passagierbeförderung entzogen. Für Shanghai ist der Flug am 27. Dezember betroffen, für Hongkong waren es die Flüge vom 26. und 28. November sowie 1./3./5./8. Dezember. Die Outbound-Flüge aus der Schweiz wurden bzw. werden als reine Frachtflüge durchgeführt, die Inbound-Flüge in die Schweiz regulär mit Passagieren.» Im Klartext: Einige Flüge nach Hong Kong sowie nun derjenige vom 27. Dezember nach Shanghai sind reine Frachtflüge. Swiss muss also lediglich für einen Flug Passagiere umbuchen.

Schnelltests im Fokus

Die CAAC scherzt jedenfalls nicht mit auf dem Flugweg «eingeführten» Corona-Infektionen. Bereits am 4. Juni war ein Bonussystem eingeführt worden: Wenn alle in China ankommenden Passagiere einer Airline während drei Wochen am Stück negativ auf Covid-19 getestet werden, darf die Airline ihre Anzahl wöchentlichen Flüge nach China erhöhen. Es gibt aber auch einen Malus: Sind 5-9 Passagiere an Bord positiv, wird ein einwöchiges Flugverbot ausgesprochen. Sind 10 oder mehr Passagiere positiv, müssen die China-Flüge für vier Wochen ausgesetzt werden.

Das alles spricht für Schnelltests direkt am Flughafen vor dem Boarding - sofern effektiv umsetzbar. Swiss fokussiert sich bekanntlich aktuell im Rahmen eines Lufthansa-Group-Projekts auf ein Konzept zur Einführung von Schnelltests an den Landesflughäfen Zürich und Genf. «Noch befinden wir uns diesbezüglich in der Ausarbeitungsphase allfälliger Pilotflüge für eine Erprobung ab der Schweiz», sagt Fuhlrott, «Ziel ist es, auch während der Pandemie Mobilität und Reisefreiheit zu ermöglichen und gleichzeitig den Gesundheitsschutz zu sichern.» Klar ist: Die Swiss-Passagiere hatten die für die Einreise nach China erforderlichen Auflagen erfüllt - wurden aber eben trotzdem bei Ankunft positiv getestet.

Schnelltests könnten nach Ansicht der Swiss künftig gesundheitlich sicheres Fliegen in Risikogebiete ermöglichen. Sie bieten darüber hinaus grosses Potenzial für den Abbau von Reiserestriktionen zwischen einzelnen Ländern. In bestimmten Fällen kann auch die Kombination aus einem Schnelltest vor Abflug und einem weiteren Test (Schnelltest oder PCR-Test) nach Ankunft ein zielführender Weg sein, um bei Risikogebieten ein besonders hohes Schutzniveau zu gewährleisten.  

(JCR)