Flug

Muller_Jurg_Emirates-7b685417.jpg
Juerg Mueller, Schweiz-Chef von Emirates, vor einem A380 der Fluggesellschaft. Wann Emirates diesen Flugzeugtyp wieder in der Schweiz einsetzt, ist weiterhin offen. Bild: GWA

«Wir sehen Licht am Ende des Tunnels»

Von Jean-Claude Raemy

Emirates nimmt schrittweise den weltweiten Passagierbetrieb wieder auf und fokussiert sich auf ein sicheres Reiseerlebnis für die Kunden. Juerg Mueller, Country Manager Switzerland von Emirates, erklärt im Interview, wie das Geschäft wieder in Gang gebracht werden soll.

In den vergangenen Wochen erreichten die Travelnews-Redaktion immer wieder Nachrichten von Emirates, wonach eines oder mehrere Reiseziele wieder in den Flugplan aufgenommen worden seien - eine aktuelle Liste der Emirates-Ziele finden Sie übrigens am Ende dieses Beitrags. Die Aufstockung der Flüge signalisiert wohl, dass die in Dubai beheimatete Airlines bereit ist für ein Ansteigen der Nachfrage. Wie sieht die Lage denn aktuell aus bei der beliebten Langstrecken-Fluggesellschaft? Wir haben beim Schweiz-Chef Juerg Mueller nachgefragt.


Herr Mueller, Emirates fährt das Streckennetz und die Flugfrequenzen schrittweise wieder hoch. Wo liegt man damit aktuell anteilsmässig, prozentual gesprochen, vom ursprünglich geplanten Flugvolumen?

Aktuell bedient Emirates 85 Destinationen weltweit für Passagiere, und zwar auf allen Kontinenten; wenn man reine Frachtstrecken mitzählt, sind es noch ein paar mehr. Das sind mehr als 50 Prozent der Destinationen, welche Emirates ursprünglich anflog. Mit der graduellen und sicheren Wiederaufnahme des Streckennetzes möchten wir dazu beitragen, die Nachfrage nach Flugreisen wieder zu stimulieren.

Lässt sich diese Zahl auch hinsichtlich der Kapazität ausdrücken? Die Frequenzen sind ja meistens noch tiefer als vor Corona.

Dazu machen wir keine Angaben. Es ist natürlich so, dass die Frequenzen und Kapazitäten teils noch klar unter dem Prä-Corona-Niveau sind. Aber es darum, unseren Kunden immer mehr Möglichkeiten zu bieten und so bestehender Nachfrage zu begegnen und auch neue zu generieren. Das gelingt uns ganz gut. Die globale Auslastung beträgt aktuell über 40 Prozent. Das ist im internationalen Vergleich ganz gut.

Wie sieht aktuell das Flugangebot ab der Schweiz aus?

Beim Restart im Juli flog Emirates aus der Schweiz täglich ab Zürich und drei Mal pro Woche ab Genf nonstop zu unserem Hub Dubai. In der aktuellen Nebensaison im September/Oktober fliegen wir fünf Mal pro Woche ab Zürich und drei Mal pro Woche ab Genf, also acht Mal pro Woche ab der Schweiz nach Dubai. Eingesetzt werden dabei Flugzeuge des Typs Boeing B777 mit rund 350 Plätzen.

Wird die internationale Streckennetz-Erweiterung und dieses doch bereits beträchtliche Angebot denn vom Schweizer Markt auch mit Buchungen honoriert? Wie sieht die Nachfrageentwicklung in den letzten Wochen aus?

Die Nachfrage ist steigend, aber natürlich noch bescheiden gemessen an dem, was wir uns vor Corona gewohnt waren. Eigentlich begann sich die Nachfrage für Dubai aber recht gut zu entwickeln, bis das Bundesamt für Gesundheit die V.A.E. auf die Risikoländerliste aufgenommen hat. Diese Quarantäneliste ist ein Nachfragebremser.

«Die globale Auslastung beträgt aktuell über 40 Prozent.»

Sind Sie auch der Meinung, dass Coronatests mehr Sinn machen würden als stetig ändernde Quarantäneregelungen?

Emirates und die V.A.E. sind hier mit gutem Beispiel vorangegangen. Seit dem 1. August darf niemand mehr an Bord ohne Vorweisen eines bei Abflug maximal 96 Stunden alten, negativen Covid19-PCR-Tests. Das gilt ausnahmslos für jeden Flug und jeden Passagier unabhängig von Herkunftsort oder Buchungsklasse. Das negative Testergebnis muss bereits beim Check-in am Abflugsort vorliegen. Das verstehen wir als vertrauensbildende Massnahme, sowohl für Passagiere als auch für die Behörden. Unsere Passagiere fühlen sich an Bord sehr sicher. Insofern haben wir da Vorarbeit geleistet. Aber wenn Sie schon so fragen: Klar würde ich als allgemeine Lösung eine generelle Testpflicht einer Quarantänepflicht bevorzugen. Von daher begrüsse ich die jüngst gestartete Initiative von Schweiz Tourismus, in Zusammenarbeit mit Outgoing-Verbänden und Schweizer Airlines.

Wie funktioniert das eigentlich mit dem Test? Welche sind zugelassen, wo kann man diese machen?

Ich verweise da auf unsere Website, wo länderspezifische Infos zu den Testpflichten und -möglichkeiten vorliegen. Die Vorgehensweise wird klar erklärt. In der Schweiz ist man eigentlich frei in der Wahl des Labors, sofern die Testergebnisse offiziell zertifiziert sind. Kinder unter 12 Jahren brauchen übrigens keinen solchen Test.

Vor Ort in Dubai gibt es eine sehr gute Infrastruktur. Viele Hotels helfen mit, einen Test zu arrangieren, manche bieten gar selber kostenlose Tests an. Auch DMCs unterstützen hier. Allgemein ist Dubai sehr gut aufgestellt hinsichtlich Testmöglichkeiten, was zusätzliche Sicherheit schafft.

Wird von den Kunden sonst noch etwas verlangt vor, während oder nach dem Abflug?

Nein. Emirates hat zahlreiche Massnahmen eingeführt, um Passagieren zusätzliche Sicherheit und Zuversicht zu geben. Da sprechen wir einerseits von Gesundheits- und Hygienemassnahmen bei allen Touchpoints am Flughafen sowie an Bord. Beispielsweise werden die sanitären Installationen an Bord inzwischen alle 45 Minuten gereinigt. Auch das Service-Angebot an Bord wurde angepasst.

Ebenfalls erwähnenswert ist die Deckung von Covid19-bedingten medizinischen Kosten während der Reise; als weltweit erste Fluggesellschaft übernimmt Emirates medizinische Kosten von bis zu 150'000 Euro und Quarantäne-Kosten von 100 Euro pro Tag für 14 Tage, falls Passagiere während ihrer Reise mit Covid19 diagnostiziert werden und sich nicht zu Hause befinden. Die Airline stellt ihren Kunden diese Deckung kostenfrei zur Verfügung. Dazu zählen aber natürlich nicht allfällige Quarantänekosten bei Rückkehr in die Schweiz.

Ebenso haben wir flexible Buchungsrichtlinien verabschiedet. Kunden, die bis zum 30. September 2020 ein Emirates-Ticket für Flüge am oder vor dem 30. November 2020 kaufen, geniessen grosszügige Umbuchungsbedingungen und -optionen, wenn sich ihre Reisepläne im Zusammenhang mit Covid19 ändern oder sie einen Flex- oder Flex plus-Tarif buchen.

«Wenn wir heute in einem Jahr wieder bei zwei Dritteln des ursprünglichen Niveaus sind, dann dürfen wir zufrieden sein.»

Die Sicherheit auf der Reise hat sicher an Stellenwert gewonnen. Doch reisen die Kunden ja nicht nur nach Dubai. Für welche Ziele ist die Nachfrage aktuell gut?

Die Malediven, die Seychellen und Tansania - in diesem Fall mit unserem Partner Flydubai von Dubai nach Sansibar - erfreuen sich schon wieder recht guter touristische Nachfrage aus dem Schweitzer Markt. Bei anderen Zielen wiegt der Ethnic- und VFR-Verkehr [VFR= Visiting Friends & Relatives, Anm.d.Red.] noch vor. Die Nachfrage in diesen Segmenten ist natürlich bei weitem noch nicht wie früher, aber die Nachfrage und die Buchungen sind motivierend.

Wie ist denn das Verhältnis zwischen Reisenden mit Endziel Dubai und solchen, die in Dubai nur umsteigen?

Früher war das im Jahresschnitt meist etwa 40:60. In der aktuellen aussergewöhnlichen Situation ist ein solches Verhältnis nicht sehr aussagekräftig.

Geschäftsreisende können teils wieder vor herkömmlichen Touristen in gewisse Länder einreisen. Spüren Sie eine besonders starke Nachfrage im Business-Sektor?

In der Breite ist der Anteil eigentlich gleich wie immer geblieben. Es gibt wieder Business Travel-Nachfrage, nicht in rauen Mengen, aber immerhin sehen wir eine zarte Erholung. Das Vertrauen ins Produkt Flug muss sowohl im Corporate- als auch im Leisure-Bereich wieder deutlich besser werden. Wir arbeiten daran und sehen eigentlich auch Licht am Ende des Tunnels - wobei die Erholung der Nachfrage weitgehend von politischen Faktoren abhängig bleibt.

Wie sieht denn ihre Prognose dazu aus, ab welchem Zeitpunkt wieder normale Nachfrage herrscht?

Emirates geht davon aus, dass bis zum Sommer 2021 die Flüge zu allen Zielen im Vor-Corona-Streckennetz wieder aufgenommen werden. Das heisst natürlich nicht, dass auch die Frequenzen und Kapazitäten gleich sein werden. Eine sinnvolle Prognose hinsichtlich der Nachfrage lässt sich aktuell weiterhin kaum stellen. Ich sage es mal so: Wenn wir heute in einem Jahr wieder bei zwei Dritteln des ursprünglichen Niveaus sind, dann dürfen wir zufrieden sein.

In diesem Zusammenhang will ich nochmals betonen, dass derzeit das Frachtgeschäft sehr gut läuft und endlich auch die Wertschätzung erhält, die es eigentlich verdient. Dieses Geschäft ist aktuell solide und für uns überproportional wichtig.

Sind denn die aktuell ab der Schweiz eingesetzten B777 auch solche, die für mehr Frachtbeförderung umgebaut wurden?

Wir haben tatsächlich B777, bei denen auch in der Passagierkabine teils Platz für Fracht geschaffen wurde. Diese kommen aber nicht auf den Schweiz-Strecken zum Einsatz.

«Wir sind zuversichtlich, gestärkt aus der Krise hervorgehen zu können.»

Wo wir gleich beim Flugzeugtyp sind: Wann dürfen wir ein Comeback der A380 in der Schweiz erwarten?

Das lässt sich aktuell noch nicht sagen und hängt von der Nachfrageentwicklung ab. In diesem Zusammenhang ist noch erwähnenswert, dass die Frachtleistung der B777 höher ist als bei der A380.

International hat die Emirates A380 bereits ihr Comeback gegeben und wird aktuell auf fünf Strecken eingesetzt, nämlich nach Kairo, Paris, London, Guangzhou und Toronto. Was ich sicher sagen kann: Die A380 bleibt auf die kommenden Jahre hin auf jeden Fall das Flaggschiff von Emirates. Wir sind deshalb zuversichtlich, in absehbarer Zukunft die A380 auch wieder in Zürich begrüssen zu dürfen.

Andere Airlines flotten derweil die A380 eher früher als später aus. Wie sehen Sie eigentlich die allgemeine Entwicklung in der Luftfahrt in kommender Zeit? Kommt es zu mehr Konsolidierung?

Auch das lässt sich nur schwer prognostizieren. Viele Staaten und Shareholder haben inzwischen gemerkt, dass es Unterstützung braucht, und haben solche in vielen Fällen auch unterstützt. Das könnte den Konsolidierungsprozess deutlich verlangsamen und eben Prognosen quasi verunmöglichen. Wir sind zuversichtlich, gestärkt aus der Krise hervorgehen zu können.

Wie sieht eigentlich Ihre Prognose im Hinblick auf die Entwicklung der Flugpreise aus?

Ich gebe ihnen gleich ein Beispiel: Fliegen Sie vom 15.-23. September nach Dubai und zurück, zahlen sie aktuell 660 Franken. Damit bewegen wir uns ungefähr auf dem gewohnten Niveau. Auch ich gehe davon aus, dass es einerseits punktuelle Massnahmen mit günstigeren Tickets, mittelfristig aber eher wieder steigende Preise geben wird. Unsere Kunden und Partner führen aktuell keine großen Preisdiskussionen, der Flugpreis ist nicht das Hauptargument. Es geht um Serviceaspekte, Sicherheit beim Fliegen und die Zuverlässigkeit des Flugplans. Daran wird sich vorerst kaum etwas ändern. Wir bleiben in der Preisgestaltung eher konservativ.

Gilt das auch für Ihren Umgang mit den Trade-Partnern?

Wir tauschen uns regelmässig mit den Branchenpartnern aus, die sich natürlich auch in einer schwierigen Situation befinden. Wir werden alles daran setzen, weiterhin – wie vor Covid19 – ein verlässlicher und attraktiver Partner zu sein. Wir haben ja gerade jetzt das gleiche Ziel, nämlich Kundenvertrauen zu schaffen und das gemeinsame Geschäft nachhaltig in Gang zu bringen.

«Wir bleiben in der Preisgestaltung eher konservativ.»

Noch zum Abschluss: Mussten Sie in der Schweiz abbauen?

Nein, alle Mitarbeitenden sind noch da, wenngleich natürlich in Kurzarbeit. Der Beschäftigungsgrad ist jeweils unterschiedlich; manche Mitarbeitende, etwa in den Lounges, haben aktuell sehr wenig zu tun, jene in der Fracht sehr viel.

Und ihr Schlusswort?

«Dubai is open». Nach den aktuellen Luftfahrt-Protokollen ist die Einreise sowohl für Geschäfts- als auch Ferienreisende nach Dubai seit dem 7. Juli wieder möglich. Gleichzeitig werden weiterhin sorgfältige Massnahmen ergriffen, um die Gesundheit und Sicherheit der Reisenden sowie der Anwohner stets sicherzustellen. Klar, die V.A.E. sind aktuell auf der Risikoländerliste, dürften aber bald wieder davon wegkommen. Wer jüngst dort war, fühlte sich jedenfalls völlig sicher.

Wie bereits diskutiert: Es müssen nun andere Mittel gefunden werden, welche die Sicherheit von Reisenden garantieren, ohne dabei jedoch die Reisenachfrage komplett zu ersticken. Wir sind jedenfalls bereit und flexibel für die hoffentlich bald kommende Zeit, wenn die Nachfrage wieder deutlich ansteigt.


Diese 85 Ziele fliegt Emirates aktuell an

Afrika

  • Abidjan
  • Abuja
  • Accra
  • Addis Abeba
  • Conakry
  • Dakar
  • Daressalam
  • Kairo
  • Khartum
  • Lagos
  • Lusaka
  • Nairobi
  • Tunis
  • Seychellen

Nord-/Südamerika

  • Boston
  • Chicago
  • Houston
  • Los Angeles
  • New York
  • São Paulo
  • Toronto
  • Washington

Asien

  • Ahmedabad
  • Amman
  • Bagdad
  • Bahrain
  • Bangalore
  • Bangkok
  • Basra
  • Beirut
  • Cebu
  • Chennai (Madras)
  • Clark
  • Colombo
  • Delhi
  • Dhaka
  • Dubai
  • Guangzhou
  • Hanoi
  • Ho-Chi-Minh-Stadt
  • Hongkong
  • Hyderabad
  • Islamabad
  • Jakarta
  • Kabul
  • Kalkutta
  • Karatschi
  • Kochi (Cochin)
  • Kuala Lumpur
  • Kuwait
  • Lahore
  • Malé
  • Manila
  • Mumbai (Bombay)
  • Osaka
  • Peshawar
  • Seoul
  • Sialkot
  • Singapur
  • Taipeh
  • Teheran
  • Thiruvananthapuram
  • Tokio

Australien/Ozeanien

  • Auckland
  • Brisbane
  • Perth
  • Sydney

Europa

  • Amsterdam
  • Athen
  • Barcelona
  • Birmingham
  • Brüssel
  • Dublin
  • Frankfurt
  • Genf
  • Glasgow
  • Kopenhagen
  • Larnaca
  • Lissabon
  • London
  • Madrid
  • Mailand
  • Manchester
  • Moskau
  • München
  • Oslo
  • Paris
  • Prag
  • Rom
  • Stockholm
  • Warschau
  • Wien
  • Zürich