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Durch den Test wird klar, wer infiziert ist - eine Quarantänepflicht schafft so etwas wie Generalverdacht. Bild: Prasesh Shiwakoti Lomash

Kommentar Es braucht endlich Corona-Tests statt der Quarantänepflicht

Von Jean-Claude Raemy

Airlines, Flughäfen, die Reisebranche generell würden lieber Testpflichten sehen als die unsägliche, nachfragevernichtende Quarantäneregelung. Die Frage ist aber, wer das bezahlen soll.

Gebannt wartet die Schweiz diese Woche wieder auf die Publikation der neuen Risikoländerliste des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Kommen Nachbarländer wie Frankreich drauf? Werden die Kanaren und auch Kroatien darauf figurieren? Man sieht sich die Infektionslisten der einzelnen Länder an, diskutiert über regionale Unterschiede und das Bedürfnis für diesbezügliche Differenzierungen, und muss aktuell in den «potenziellen Risikoländern» befindliche Reisende beschwichtigen. Eine riesige Unsicherheit, welche sich natürlich negativ auf die generelle Reisenachfrage auswirkt.

Das Problem mit den Quarantäneregelungen ist, dass diese aus praktischen Gründen einem faktischen Reiseverbot gleichkommen. Und deshalb bräuchte es bessere Alternativen, welche einerseits den Gesundheitsschutz der Bevölkerung gewährleisten und andererseits aber die Mobilität nicht drastisch einschränken.

Diskutiert wurde schon vielfach die Einführung einer Corona-Testpflicht bei der Einreise in die Schweiz. Dies ist übrigens auch im von Hanser Consulting ausgearbeiteten, dem Bundesrat vorgelegten Papier «Stabilisierung Reisebürobranche» thematisiert. In der Schweiz gibt es die Testpflicht bislang noch nicht; am Flughafen Zürich können Coronatests beim Airport Medical Center gemacht werden. Wie viele sich testen lassen, ist nicht bekannt und auch nicht sauber zuweisbar, da Tests nicht nur von Passagieren, sondern auch von der lokalen Bevölkerung gemacht werden.

Wir haben beim Flughafen Zürich nachgefragt, ob es möglich wäre,  Passagiere ganzer Flugzeuge – aus bestimmten Destinationen ankommend, oder gar allgemein – bei der Ankunft einem Test unterzogen werden. Die Antwort der Medienstelle war: «Ja, grundsätzlich ist das denkbar. Solche Tests würden aber vor allem Sinn machen, wenn dadurch die Quarantänebestimmungen hinfällig würden, was in der Entscheidung des Bundes liegt.» Der Flughafen hätte grosses Interesse daran, Test- statt Quarantänepflicht umzusetzen. Das geht aus einer Aussage von Flughafen-CEO Stephan Widrig hervor, welche er am «Swiss Innovation Day» machte: «Wir sind daran, die politischen Stakeholder zu motivieren, in diese Richtung zu denken. Leute im Verkauf oder in der Exportwirtschaft, die fliegen müssen, könnten dann ihre Tätigkeit wieder aufnehmen.»

Die Umsetzung wäre technisch gut machbar

Schützenhilfe erhält der Flughafen von seinem wichtigsten Kunden, der Swiss. Dies hat in Schweizer Medien schon mehrfach zu Protokoll gegeben, dass sie sehr daran interessiert wäre, dass Testcenter an den Flughäfen in Zürich und Genf eingeführt werden, wenn damit die Quarantänepflicht aufgehoben werden könnte. Ebenso sicher ist die Unterstützung des Reisevertriebs, welcher mit den Folgen der Quarantäneregelungen zu kämpfen hat.

Klar ist: Die Zuständigkeit für eine solche Praxis liegt bei den Behörden – je nachdem beim Bund und/oder den Kantonen. Sobald sich die aktuellen Bestimmungen ändern, würden diese beispielsweise am Flughafen Zürich unter Einbezug der Flughafenpartner – und je nach Auswirkungen auch in Zusammenarbeit mit externen Partnern – zeitnah umgesetzt.

Allerdings gibt es noch grosse Fragezeichen hinsichtlich dem «Best Practice». Reicht ein einmaliger Test oder braucht es zwei Tests in zwei Tagen Abstand? Würde in zweiterem Fall eine Art Mini-Quarantäne bis zum Vorliegen der Resultate des zweiten Tests verlangt? Müssten alle Einreisenden oder bloss solche aus Risikoländern getestet werden?

Und wie üblich am Wichtigsten: Wer bezahlt? Der Test am Flughafen Zürich kostet 180 Franken, Selbsttests kosten irgendwo zwischen 100-150 Franken. Ganz schön teuer. In Deutschland wurde eine generelle Testpflicht für Rückreisende eingeführt und auch bezahlt, doch Deutschland krebst bereits zurück, weil es zu viele Tests seien und man auch die Kosten nicht länger tragen wolle. Die gebeutelten Airlines werden kaum die finanzielle Verantwortung bei sich sehen, ebenso wenig die Flughäfen. Und ein Testzwang mit damit verbundenen hohen Kosten wirkt auch nicht gerade wie ein Reise-Incentive. Wäre eine Kostenteilung zwischen der öffentlichen Hand, Transporteuren und Reisenden denkbar?

Über solche Fragen werden sich Politiker und Mobilitätsunternehmen nun dringlich austauschen müssen. Ein Beibehalten der aktuellen Quarantäneregelung kann jedenfalls auf Dauer keine Lösung sein, weder für die Reisebranche noch für die Wirtschaft im Allgemeinen.