Flug

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Die meisten der 91 Swiss-Flugzeuge stehen am Boden. Seit Montag hat die Swiss ihren Flugbetrieb auf ein Minimum reduziert. Bild: TN

Swiss dreht Reisebüros den Hahn ab

Mit der Sistierung der Refund-Funktion und damit der Sperrung von Rückzahlungen für stornierte Flüge bringt die Swiss Reisebüros in arge Bedrängnis. Deren Nerven liegen blank.

Noch am Donnerstag unterstrich die Swiss bei der Jahresmedienkonferenz die Wichtigkeit der Reisebüros, bedankte sich für deren Einsatz, sie würden Unglaubliches leisten. Gleichzeitig lancierte die Airline eine kulantere Ticket-Policy. Kommerzchef Tamur Goudarzi Pour sagte: «Uns ist die starke Partnerschaft mit Reisebüros wichtig. Wir versuchen ihr Leben einfacher zu machen, beispielsweise haben wir die Ticket-Waiver-Policies, die Regeln, wie man Ticket umschreiben kann, deutlich vereinfacht.»

Zwei Tage später sieht die Welt anders aus. Denn am Samstag stellten die Lufthansa-Airlines die Refund-Funktion in den Reservationssystemen ohne Ankündigung ab und informierten erst zwei Tage später per Agenten-Newsletter, dass die Funktion vorübergehend deaktiviert sei. Refunds würden zu einem späteren Zeitpunkt ausbezahlt.

Aus Reisebüro-Sicht ist dieser Schritt unerhört. Denn bei ihnen im Laden stehen Kunden, die ihr Geld zurückverlangen für jene Flüge, die mittlerweile storniert wurden. Doch die Swiss rückt derzeit dieses Geld nicht heraus.

«Eine absolute Frechheit»

Dem Präsidenten des Reisebüro-Verbands STAR, Luc B. Vuilleumier, lupfts den Hut: «Erst verlangt die Swiss staatliche Unterstützung und nun lässt sie die Reisebüros im Regen stehen – eine absolute Frechheit.» Dieses Vorgehen sei nicht akzeptabel und bringe die finanziell ohnehin schon angeschlagenen Reisebüros in weitere Nöte. Wütend fügt er an: «Ich fordere den Bundesrat auf, die Staatshilfe an Swiss zu verweigern und die Airline zu zwingen, die Gelder umgehend herauszurücken». Auch beim Blick in die sozialen Medien sind zahlreiche wütende Reiseprofis auszumachen.

Offensichtlich hat die Swiss mit diesem Schritt Massnahmen ergriffen, um die eigene Liquidität zu sichern. Eine Vertreterin der Swiss sagt zur «NZZ», dass Erstattungen grundsätzlich möglich blieben. In der momentanen Situation sei das jedoch nicht «in den sonst üblichen Fristen» machbar.

Wie Swiss-Sprecherin Sonja Ptassek auf Anfrage von travelnews.ch erklärt, bleiben Erstattungen natürlich möglich: «Wir sind uns der Rechtslage bewusst und halten uns daran. Kunden und Reisebüros werden gebeten, sich an die jeweiligen Service Center für Geschäfts- und Einzelkunden zu wenden. Die Umstellung im System erfolgt aufgrund des derzeitig aussergewöhnlich hohen Anfragevolumens, aufgrund dessen die Erstattungsprozesse angepasst wurden.»

(GWA)