Flug

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Einst Verkaufsschlager, heute Problem-Maschine: Bei der B737MAX wurde offenbar gepfuscht. Bild: Boeing

«Designed by clowns, supervised by monkeys»

Öffentlich gemachte interne E-Mails von Boeing werfen ein schlechtes Licht auf die Produktions- und Zertifizierungsprozesse beim Flugzeugbauer.

Eigentlich wollte ja Boeing in der ganzen traurigen Saga rund um die gegroundete B737MAX für Transparenz sorgen. Doch der Schuss ging nach hinten los: Am 9. Januar wurden interne Dokumente aus dem Produktionsumfeld des Pannenfliegers publiziert. Dabei wurde deutlich: Bereits im April 2017 waren die Probleme rund um den Flugcomputer in der B737MAX bekannt, und zwei nicht namentlich genannte Boeing-Mitarbeitende tauschten sich hierzu aus, wobei einer die Bemerkung fallen liess, dass dieser Flugzeugtyp von Clowns konzipiert worden sei, welche wiederum unter Aufsicht von Affen stehen («This airplane is designed by clowns who in turn are supervised by monkeys»).

Aber es geht noch viel weiter. Eine Message vom November 2015 bezieht sich auf den Wunsch der Luftfahrtbehörden, für eine bestimmte Warnung im Cockpit spezielle Simulatorentrainings durchführen zu wollen. Man werde sich gegen solche Bestimmungen wehren und dafür Unterstützung auf höchster Ebene im Management einholen, schreibt hierzu ein Angestellter («We are going to push back very hard on this and will likely need support at the highest levels when it comes time for the final negotiation») - ein Hinweis auf das Lobbying von Boeing bei der amerikanischen Federal Aviation Administration (FAA).

Boeing machte solche «völlig inakzeptablen» internen Mailwechsel in editierter Version zugänglich; uneditierte Versionen liegen der FAA und dem US-Kongress seit Dezember vor. Man kann nicht behaupten, dass der Versuch zu Transparenz Vertrauen geschafft habe. Im Gegenteil, FAA-Vertreter wie auch Politiker zeigen sich in Medien entsetzt über die Vorgänge bei Boeing und insbesondere die dortigen Versuche, sich einer vernünftigen regulatorischen Aufsicht zu entziehen. Und dies, obwohl intern bereits vor möglichen Problemen mit dem Flugzeugtyp gewarnt wurde. Das kann möglicherweise sogar Untersuchungen wegen kriminellen Handlungen nach sich ziehen, weil offenbar kritische Informationen absichtlich vor den Behörden zurückgehalten wurden.

Die FAA liess indes auch durchblicken, dass die Dokumente keine neuen, nicht bereits zuvor bekannten Anhaltspunkte hinsichtlich den Sicherheitsmängeln erbracht hätten. Inzwischen sei man daran, die identifizierten Schwächen des Flugzeugs zu verbessern und einen sauberen Zertifizierungsprozess durchzuführen. Gewisse Inhalte und Tonalitäten in den Dokumenten seien aber «enttäuschend».

(JCR)