Flug

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Noch sind nicht alle überzeugt davon, dass es mit der Eröffnung Ende Oktober 2020 auch wirklich klappen wird. Bild: Adobe Stock/TN

Der Flughafen Berlin-Brandenburg soll nun zum Winterflugplan 2020 hin eröffnen

Klappt es im Jahr 9 nach dem ursprünglichen Eröffnungstermin endlich? Die Betreiber sind davon überzeugt - brauchen für den anschliessenden Flugbetrieb allerdings 300 Millionen Euro mehr als geplant.

Am vergangenen Freitagabend hielt die Geschäftsführung des Flughafens Berlin-Brandenburg eine Pressekonferenz im Mercure Hotel beim Flughafen Tegel ab. Darin bekräftigte der aktuelle Flughafenchef Lütke Daldrup, dass «BER» definitiv am 31. Oktober 2020 eröffnen soll. Gleichzeitig wurde bekannt, dass der Flughafen Berlin-Tegel (TXL) nur wenige Tage danach, am 8. November 2020, schliessen soll.

Der Umzug von Tegel nach Schönefeld - wo der Flughafen BER neben dem alten Flughafen Berlin-Schönefeld (SXF) seit 2006 gebaut wird und im Prinzip 2011 hätte eröffnen sollen - erfolgt laut Planung in drei Schritten: Zunächst, am 31. Oktober, ziehen Easyjet und einige weitere Fluggesellschaften um, gefolgt von weiteren Airlines am 3./4. November. Das hat damit zu tun, dass zunächst die 3600 Meter lange Rollbahn 07L/25R in Betrieb genommen wird, und erst am 4. november die brandneue südliche Rollbahn 07R/25L. Wann genau die Airlines der Lufthansa Group umziehen, ist noch nicht bekannt. Vom alten Terminal in Schönefeld werden jedenfalls noch «für einige Jahre» Flüge starten, um BER zu entlasten.

Denn: BER wird zum Zeitpunkt der Eröffnung eine Gesamtkapazität von rund 28 Millionen Passagieren haben. Das ist, so viel ist auch schon längst klar, viel zu wenig. Bis 2035 sind deshalb neue Erweiterungsbauten geplant, um jährlich 58 Millionen Passagiere abfertigen zu können. Will heissen: Es ist auch nach der Eröffnung noch kein Ende der Dauerbaustelle in Sicht.

Die Baukosten für BER liegen jetzt schon drei Mal über dem ursprünglich veranschlagten Preis, bei über 6,5 Milliarden Euro. Und laut der «Bild am Sonntag» benötigt die Flughafengesellschaft für den Finanzierungsplan 2021 bis 2024 abermals fast 300 Millionen Euro mehr als bislang veranschlagt, nämlich 792 statt 508 Millionen Euro - wovon ein Grossteil über Kredite finanziert werden muss, die noch gar nicht in trockenen Tüchern sind.

Grosse Skepsis

Die Reaktionen auf die neuerliche Eröffnungs-Ankündigung waren denn auch verhalten. Die Wirtschaft hofft natürlich, dass der Flughafen BER in elf Monaten tatsächlich an den Start geht, was neue Impulse und Arbeitsplätze schaffen kann. Deshalb wird von dieser Seite wie auch von Seiten vielen Politikern Optimismus verbreitet.

Anderen ist jedoch nicht entgangen, dass auch das neue Eröffnungsdatum einem ambitionierten Zeitplan unterliegt, da immer noch viele Mängel (Kabelverbindungen, Brandschutzsysteme, technische Systeme im Flughafen-Bahnhof) behoben werden müssen. Darüber hinaus wird auch die Schliessung Tegels weiterhin kritisiert. Zwar wird mit dem Datum Planungssicherheit gegeben - aber eben nur, wenn das Datum auch wirklich eingehalten wird. Bereits vier Mal wurden offizielle Eröffnungsdaten verschoben, also Planungs-Aufwand zunichte gemacht.

Daldrup selber meinte, man schaffe das: «Wir haben aber noch elf Monate harte Arbeit vor uns.» Daldrup hat am 31. Oktober selber Geburtstag - mal schauen, ob er sich selber die Flughafen-Eröffnung 2020 tatsächlich schenken kann.

(JCR)