Flug

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Nach dem unbefriedigenden Neunmonatsergebnis wird bei einigen Verbunds-Airlines durchgegriffen. Bild: Lufthansa Group

Die Lufthansa Group greift bei den Töchtern stärker ein

Austrian Airlines muss sich neu aufstellen und bis zu 800 Stellen streichen, aber auch bei Eurowings und Brussels Airlines wird durchgegriffen.

Das europäische Luftfahrtgeschäft leidet weiterhin unter hohem Kostendruck und volatilen Treibstoffpreisen. Selbst die grosse Lufthansa Group hat dies in den ersten neun Monaten 2019 deutlich gespürt und gestern ein zwar nicht schlechtes, aber auch nicht berauschendes Ergebnis vorgelegt. Das hat dazu geführt, dass der Konzern nun insbesondere bei den problembehafteten Töchtern nochmals hart durchgreift.

«In einem herausfordernder werdenden Marktumfeld ist es umso wichtiger, dass wir konsequent das umsetzen, was wir selbst beeinflussen können und unsere Kosten weiter senken. Wir erwarten von allen Gesellschaften einen positiven Wertbeitrag. Wir haben deshalb zahlreiche weitere Massnahmen beschlossen, um vor allem die Performance der unterdurchschnittlich profitablen oder sogar defizitären Gesellschaften zu verbessern», erklärte Ulrik Svensson, Finanzvorstand der Deutschen Lufthansa AG.

Betroffen sind davon primär die Tochtergesellschaften Eurowings, Brussels Airlines und Austrian Airlines.

Austrian Airlines

Am härtesten trifft es Austrian Airlines. Diese fokussiert sich künftig ausschliesslich auf Flüge aus dem Drehkreuz Wien; alle dezentralen Basen werden geschlossen. Denn nach sechs gewinnträchtigen Jahren droht die Airline wegen der Billig-Angebote in Wien wieder in die Verlustzone zu fliegen. Das Unternehmen will die internen Kosten über Effizienz- und Produktivitätsverbesserungen ab 2021 um 90 Millionen Euro pro Jahr senken. Rund 700-800 Stellen sind voraussichtlich vom Programm «PE20» betroffen, wobei es heisst, ein Grossteil davon werde über natürliche Fluktuation abgefedert. Dies, nachdem Austrian Airlines erst vor einem Jahr rund 1000 Personen eingestellt hatte. Aber seit dem Ende von Air Berlin haben sich in Wien zahlreiche Low-Coster - allen voran die von Ryanair dominierte Lauda - breitgemacht und einen extremen Preiskampf ausgelöst.

Nebst den Personaleinsparungen gibt es auch eine Flottenharmonisierung. Bis 2021 werden alle Bombardier Dash 8 Q400 durch Airbus A320 ersetzt, also Propellerflugzeuge durch Jets, was Produktivitätsverbesserungen mit sich bringt. Über das Strategieprogramm «DriveTo25» werden wie erwähnt alle in Österreich verfügbaren Flugzeuge in der Hauptstadt stationiert; Deutschland-Flüge aus den kleineren österreichischen Flughäfen werden von Lufthansa übernommen (z.B. wird ab Dezember die Strecke Salzburg-Frankfurt auf eine LH-Flugnummer übertragen).

Eurowings

Der schon seit einiger Zeit andauernde Eurowings-Turnaround zeigt erste Erfolge und wird konsequent umgesetzt. Das Adjusted EBIT konnte im dritten Quartal um 39 Prozent auf 169 Millionen Euro gesteigert werden (Vorjahr: 122 Millionen Euro). Die währungsbereinigten Stückerlöse stiegen im dritten Quartal infolge deutlicher Kapazitätsreduktionen und operativer Verbesserung auf der Langstrecke um 3,5 Prozent. Auf der Kurzstrecke gingen die Stückerlöse allerdings im niedrigen einstelligen Prozentbereich zurück. Bis 2021 soll Eurowings wieder die Gewinnzone erreichen und langfristig eine Marge von 7 Prozent erzielen. Für Eurowings wird unverändert eine Adjusted EBIT-Marge von minus 4 bis minus 6 Prozent prognostiziert. Die Kapazität von Eurowings sinkt im laufenden Jahr um 1 Prozent.

Der im Sommer angekündigte Übergang der wirtschaftlichen Verantwortung für das Langstreckengeschäft von Eurowings zu den Netzwerk-Airlines wird zum Jahreswechsel vollständig umgesetzt. Zum aktuellen Winterflugplan sind mit Las Vegas, Windhoek, und Barbados drei neue Langstreckenverbindungen von Eurowings aus Frankfurt gestartet. Die Strecke München-Bangkok war bereits im Juni aufgenommen worden. Für die touristischen Langstreckenflüge aus Deutschland sieht Lufthansa positive Wachstumsperspektiven. Die neue Produktlinie wird nach dem Vorbild der Schweizer Edelweiss künftig bei einem Flugbetrieb gebündelt.

Brussels Airlines

Brussels Airlines soll im Jahr 2022 eine Adjusted EBIT-Marge von 8 Prozent erreichen. Dazu wird das Streckennetz neu ausgerichtet, während die Organisation künftig noch stärker von Synergien mit den Netzwerk Airlines profitieren soll. Die Administration von Brussels Airlines wird dabei umfassend digitalisiert und verschlankt. Zur nachhaltigen Kostensenkung sollen zudem die Standardisierung der Flotte sowie Produktivitäts- und Prozessverbesserungen im Flugbetrieb beitragen.

(JCR)