Flug

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Eine Air-Europa-Maschine am Flughafen Zürich: Durch die Übernahme weitet die IAG auch ihren Marktanteil in Zürich leicht aus. Bild: JCR

Die IAG übernimmt Air Europa

Damit schielt der von British Airways und Iberia dominierte Verbund primär auf einen Ausbau des Hubs Madrid sowie der Aktivitäten in Südamerika.

Weiterer Konsolidierungsschritt in der Luftfahrt! Die International Airlines Group (IAG) - die Muttergesellschaft von British Airways, Iberia, Vueling, Aer Lingus und Level - übernimmt die spanische Air Europa. Der Kaufpreis beträgt eine Milliarde Euro - der stolze Preis geht aus einer Börsenmitteilung von IAG hervor. Vorgesehen ist, dass die Marke Air Europa erhalten bleibt und die Fluggesellschaft als Standalone-Tochter von Iberia aktiv ist, wobei IAG-Chef Willie Walsh durchblicken liess, dass man nicht ewig mit mehreren Marken im spanischen Markt operativ sein werde.

Air Europa betrieb per Ende 2018 eine Flotte von 66 Flugzeugen und flog damit 11,8 Millionen Passagiere zu 69 Zielen weltweit; auch in Zürich ist die Airline aktiv. Mit der bisherigen Air-Europa-Eigentümerin, der Globalia Group, hat sich IAG verbindlich auf die Übernahme geeinigt, welche im 2. Semester 2020 abgeschlossen sein soll. Die Zustimmung der Behörden steht aber noch aus.

Was erhofft sich die IAG bzw. wieso ist sie willig, einen derart hohen Preis für eine mittelgrosse Airline zu bezahlen? Zum einen soll bestimmt Madrid, der Hub von Iberia wie auch von Air Europa, zu einem neuen grossen europäischen Hub werden, welcher in der Liga von London, Frankfurt, Paris und Amsterdam mitmischt. Wobei natürlich Madrid gut gelegen ist, um vor allem Verkehr über den südlichen Atlantik zu bewältigen. Air Europa ist im europäisch-lateinamerikanischen Flugverkehr eine feste Grösse und baut - sofern die Genehmigung erteilt wird - den Marktanteil der IAG auf solchen Strecken wie auch innerhalb Spaniens deutlich aus.

Erst vor wenigen Monaten war ein ähnlicher Vorstoss von IAG bereits gescheitert - damals versuchte diese, mit den Oneworld-Partnern American Airlines und LATAM ein Joint Venture auf die Beine zu stellen, was allerdings von den Behörden abgelehnt wurde. Auch der Kauf von Langstrecken-Lowcoster Norwegian, welcher in Südamerika aktiv ist, scheiterte. Möglicherweise ist bei diesem absoluten Willen, in Lateinamerika führend zu sein und den Hub Madrid zu stärken, auch die Angst vor den Folgen des Brexit auf den Luftfahrtstandort Grossbritannien und damit auf den Hub London-Heathrow ein Faktor.

Irgendwie ist der Deal auch eine Retourkutsche an Delta. Der führende Skyteam-Carrier beteiligte sich nach dem Scheitern des IAG-Deals erfolgreich an der LATAM, welche nun die Oneworld-Allianz verlässt. Nun schnappt sich die zur Oneworld gehörende IAG die zur Skyteam gehörende Air Europa.

(JCR)