Flug

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45'000 ursprünglich geplante Flüge werden im kommenden Winter allein in Europa infolge Konkurs nicht durchgeführt. Wie viele Passagiere sich um Rückerstattungen oder Umbuchungen kümmern müssen, geht aus den Zahlen von OAG indes nicht hervor. Bild: AdobeStock

Die europäische Luftfahrt-Konsolidierung in Zahlen

Mindestens acht europäische Airlines sind 2019 Pleite gegangen. Diese hätten im kommenden Winter 45'000 Flüge durchgeführt. Die Gesamtkapazität ist damit aber nur um 1 Prozent gefallen.

Das Jahr 2019 ist noch lange nicht vorbei. Und doch kann man schon jetzt sagen, dass die europäische Luftfahrt in diesem Jahr hart getroffen wurde: Zahlreiche Konkurse haben die seit langem zu beobachtende Konsolidierung in der europäischen Luftfahrt weiter zementiert. Das britische Analyseunternehmen OAG hat nun zusammengerechnet, was die Auswirkungen allein der acht grössten Airline-Konkurse in diesem Jahr waren. Das Ergebnis: Diese acht Airlines hätten im kommenden Winterprogramm über 45'000 Flüge durchführen sollen.

Das mag Musik in den Ohren gerade von Umweltschützern sein, jedoch entspricht dieser Rückgang gerade mal einem Prozent des Gesamtangebots. Im Vergleich zur Wintersaison 2018/2019 mit insgesamt 3,390 Millionen Flugbewegungen in Europa wird es im Winter 2019/2020 nur noch 3,355 Millionen Flugbewegungen geben, eben rund ein Prozent weniger.

Konkret wurden folgende Konkurse in die Übersicht aufgenommen: Als jüngster Konkurs natürlich jener der Airlines der Thomas Cook Gruppe, welcher rund 150'000 Passagiere betraf. Ebenfalls im September gingen darüber hinaus die französischen Airlines Aigle Azur sowie kurz darauf XL Airways Konkurs. Ebenfalls vor kurzer Zeit ging die slowenische Adria Airways zugrunde; bereits früher im Jahr hatte es die isländische Wow Air, die deutsche Germania, die britische BMI Regional und die italienische Ernest Airlines erwischt.

Laut OAG hätte alleine Germania im kommenden Winterprogramm 8800 Flüge durchführen sollen, Thomas Cook (ohne Condor) deren 8200. Wow Air hatte rund 5000 Winterflüge geplant. Hierbei muss man anfügen, dass der Verlust der Routen der Pleite-Airlines durch das Einspringen oder die Kapazitätserhöhung anderer Airlines etwas aufgewogen wird - konkret haben die weiter bestehenden Airlines die Kapazität im Winter um 10'600 Flüge erhöht. Das erklärt auch den tiefen Prozentsatz des Rückgangs beim Vergleich zum Vorjahr.

Im Sommer weniger Flüge, dafür mehr Passagiere

Natürlich wurde auch schon die bestehende Sommerflugsaison, welche am 27. Oktober zu Ende geht, von den Konkursen betroffen, jedoch nicht so stark, da ja etwa die Konkurse von Thomas Cook, Aigle Azur oder Adria Airways relativ spät kamen. Dennoch ist der Rückgang der Gesamtzahl Flüge im Sommer um 2,2 Prozent zurückgegangen gegenüber dem Vorjahr. Das hat auch mit Kapazitätsreduktionen, Streiks, Klimaprotesten, Drohnen-Aktionen oder schlechtem Wetter zu tun.

Trotzdem konnte die Anzahl Passagiere im Sommer um 4 Prozent gesteigert werden. Ein Hinweis dafür, dass die Airline-Branche ihre Flugzeuge besser auslastet bzw. die Kapazität effizienter einsetzt, oder schlicht Flugzeuge mit mehr Platz einsetzt. Das ist zwingend notwendig, denn die Probleme werden nicht geringer: Die Klimadebatte hält an, es drohen Brexit und Konjunkturprobleme und die Margen sind immer noch im Keller. Auch das Jahr 2020 dürfte für einige Airlines schmerzhaft oder gar lebensbedrohlich werden.

(JCR)