Flug

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Condor bleibt in der Luft, muss aber diverse Forderungen gegen andere Unternehmen der Thomas-Cook-Gruppe abschreiben. Bild: Condor

Aufatmen bei Condor: Der Überbrückungskredit ist genehmigt

Die 380 Millionen Euro verzerren den Wettbewerb laut der EU-Aufsichtsbehörde nicht. Allerdings ist der Kredit an Auflagen gebunden.

Da haben wohl einige Mitarbeiter, aber auch viele Partner, einen kollektiven Seufzer der Erleichterung von sich gegeben: Soeben hat Condor grünes Licht aus Brüssel erhalten. Konkret hat die Europäische Kommission dem sechsmonatigen Überbrückungskredit der Bundesregierung und hessischen Landesregierung an die Condor Flugdienst GmbH in Höhe von 380 Millionen Euro zugestimmt, nachdem sie das Darlehen als zulässig eingestuft hat. Damit ist der weitere Geschäftsbetrieb von Condor gesichert und die traditionell buchungsschwächere Wintersaison kann auch nach der Insolvenz der Thomas Cook Group überbrückt werden.

Das grüne Licht aus Brüssel sei eine Bestätigung für die Systemrelevanz von Condor im europäischen und deutschen Wettbewerb, betont Condor-CEO Ralf Teckentrup: «Eine gesunde Condor ist auch klar im Interesse eines funktionierenden Marktes, denn wir sind nicht nur ein wesentlicher Mitbewerber im touristischen Segment, sondern auch wichtig für die Wettbewerbsstruktur in der Luftfahrt in Deutschland und Europa.»

Die Condor-Geschäftsführung wird nun einen Restrukturierungsplan erarbeiten, um das Schutzschirmverfahren dazu zu nutzen, Condor für eine Zukunft ohne Thomas Cook auszurichten und aufzustellen. Dieser Plan soll dann im eröffneten Verfahren, das voraussichtlich im Dezember beginnt, verabschiedet werden. Der vorläufige Sachwalter Lucas Flöther zeigt sich zuversichtlich, dass am Ende dieses Prozesses ein neuer Partner für Condor gefunden wird, der eine nachhaltige Zukunft der Airline sichert.

Der Condor-Flugbetrieb läuft also wie geplant weiter. Die Buchungslage sei vielversprechend, so Teckentrup: «Unsere Kunden und Geschäftspartner buchen zusätzliche Kontingente, sodass die aktuelle Buchungslage unsere Erwartungen sogar übertrifft. Wir sind bereits in fortgeschrittenen Gesprächen mit allen Reiseveranstaltern für einen vielversprechenden und gut gebuchten Sommer 2020.»

Strenge Vorgaben

In der Stellungnahme der EU-Kommission steht, dass «nicht mit einer übermässigen Verzerrung des Wettbewerbs im Binnenmarkt zu rechnen» sei. Am 25. September 2019 war bei der Kommission das Vorhaben angemeldet worden, Condor über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ein Rettungsdarlehen von 380 Millionen Euro zu gewähren. Nach Einleitung der Abwicklung ihrer Muttergesellschaft, der Thomas Cook Group, befand sich Condor in einem Liquiditätsengpass, zumal auch Forderungen gegenüber anderen Unternehmen der Thomas Cook Group abgeschrieben wurden, da diese nicht mehr eingetrieben werden können.

Die EU-Kommission gab grünes Licht, jedoch mit klaren Vorgaben. So wird das Darlehen unter strengen Bedingungen in Raten ausgezahlt. Condor muss ihren Liquiditätsbedarf wöchentlich nachweisen, wobei eine neue Rate nur dann ausgezahlt wird, wenn die vorhandene Liquidität vollständig erschöpft ist. Deutschland hat darüber hinaus zugesichert, dafür zu sorgen, dass Condor entweder das Darlehen nach sechs Monaten vollständig zurückzahlt oder eine umfassende Umstrukturierung durchführt, um langfristig wieder rentabel zu werden.

(JCR)